Erste personelle Konsequenz nach Musikpreis für Rapper: Kulturratspräsident Höppner verlässt Echo-Beirat

Der Skandal um die diesjährige Echo-Preisverleihung hat eine erste personelle Konsequenz. Dem Beirat gehörten bisher sieben Mitglieder an, darunter neben Musikexperten auch etwa Vertreter aus Politik und Kirchen sowie der Lehrerschaft.

Der Skandal um die diesjährige Echo-Preisverleihung hat eine erste personelle Konsequenz. Christian Höppner, Präsident des Deutschen Kulturrats, erklärte am Dienstag seinen Rückzug aus dem Echo-Beirat. Dort war trotz der bereits im Vorfeld bekannt gewordenen Antisemitismusvorwürfe an der Nominierung der Rapper Kollegah und Farid Bang für den Echo festgehalten worden. Die Zukunft des Preises erscheint damit zunehmend ungewiss.

Kollegah und Farid Bang wird wegen ihres am vergangenen Donnerstag preisgekrönten Albums „JBG3“ Gewaltverherrlichung, Frauenfeindlichkeit und auch Antisemitismus vorgeworfen. Inzwischen gaben mehrere Preisträger wegen der Auszeichnung für die beiden Musiker ihre eigenen Echo-Auszeichnungen zurück.

Die Entscheidung, trotz Bedenken im Sinne der Kunstfreiheit an der Nominierung der Rapper festzuhalten, hatte der Echo-Beirat getroffen. Diesem gehörten bisher sieben Mitglieder an, darunter neben Musikexperten auch etwa Vertreter aus Politik und Kirchen sowie der Lehrerschaft.

Der an der Abstimmung beteiligte Höppner erklärte nun: „Diese Entscheidung war ein Fehler“. Unzweifelhaft stünden die Mitglieder des Beirats und die in ihr vertretenen Organisationen ohne Wenn und Aber gegen Antisemitismus, Hass und Gewalt.

Das derzeitige Format aus Verkaufszahlen, der Juryempfehlung, gegebenenfalls einer Anhörung des Beirats sowie der letzten Entscheidung des Bundesverbands der Musikindustrie über Auftritt und Preisvergabe sei „so gesellschaftlich nicht mehr tragbar“. Unter diesen Rahmenbedingungen werde er nicht weiter im Beirat mitarbeiten.

Auch aus der Politik gibt es zudem nun Forderungen nach einer Reform des bisher als wichtigster deutscher Musikpreis geltenden Echos. Der SPD-Bildungspolitiker Martin Rabanus sagte dem Internetdienst T-online.de, die Veranstalter des Echos hätten „versagt“. „Der Echo muss insgesamt neu aufgesetzt werden.“ Die Kriterien der Preisverleihung seien offensichtlich nicht geeignet, um antisemitische, fremdenfeindliche und menschenverachtende Werke auszuschließen.

Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Konstantin von Notz schrieb bei Twitter: „Der Echo schafft sich als abgeschmackte Kommerzveranstaltung selbst ab“. Dabei erinnerte von Notz daran, dass vor dem Antisemitismusskandal bereits trotz des Vorwurfs einer Nähe zu den sogenannten Reichsbürgern der Sänger Xavier Naidoo im vergangenen Jahr die Echo-Verleihung moderieren durfte.

Der am Donnerstag für sein Lebenswerk ausgezeichnete und international anerkannte Musiker, Produzent und Grafiker Klaus Voormann kündigte an, seinen Preis wieder abzugeben.

Aus dem Bereich Klassik, in dem in einer gesonderten Veranstaltung Echos vergeben werden, gab zudem nach dem im vergangenen Jahr ausgezeichneten Notos-Quartett auch der Pianist Igor Levit seinen Preis zurück. Es sei ihm „unmöglich“, den 2014 mit großem Stolz empfangenen Preis zu behalten. Der Dirigent Enoch zu Guttenberg gab seinen 2008 erhaltenen Echo Klassik zurück.

Wie es mit dem Musikpreis nun weitergehen wird, erscheint völlig offen. Die Musikbranche kündigte bereits eine grundsätzliche Überarbeitung an. (afp)

Siehe auch:

Echo-Eklat: Peter Maffay fordert Rücktritte

Pianist Igor Levit und andere Preisträger geben Echo-Preis zurück

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