Nicht so prickelnd

Von 21. Mai 2009 Aktualisiert: 21. Mai 2009 10:51
Wenn Trinkwasser zu lange in der Leitung steht

Das Wasser fließt immer weiter und füllt alle Stellen, durch die es fließt, eben nur aus, es scheut vor keiner gefährlichen Stelle, vor keinem Sturz zurück und verliert durch nichts seine wesentliche eigene Art“, heißt es in dem etwa 5.000 Jahre alten chinesischen Buch der Wandlungen, dem I Ging.

Seit ein paar hundert Jahren fließt das Wasser – unerschrocken wie immer – nun auch durch Rohrleitungen, die sich, ausgehend vom Wasserversorgungsunternehmen, wie Adern durch unsere Häuser ziehen. Aber bleibt es dabei seiner Art wirklich treu? Die Rohrleitungen bestehen aus verschiedenen Materialien wie Kupfer, verzinkten Rohren, Edelstahl, Kunststoffen oder Verbundwerkstoffen. In manchen älteren Häusern aus den Jahren vor 1970 gibt es sogar noch Bleileitungen, obwohl Blei wegen der hohen Giftigkeit nicht für Trinkwasserleitungen geeignet ist.

Durch diese Leitungen fließt das Wasser nicht nur hindurch. Solange es vom Menschen nicht entnommen wird – sei es zum Zähne putzen oder für die Spülmaschine – ruht das Wasser darin auch. Man spricht dann von einer Stagnation.

60 Grad Minimum im Warmwasserspeicher

Stürze aus Fallrohren mögen das wagemutige Wasser ja kalt lassen, aber so eine Stagnation geht auch am Wasser nicht spurlos vorbei. Die Leitungen und auch Wasserhähne geben Spuren, feine Teilchen von ihrem Material an das Wasser ab. Bei verchromten Armaturen kann sich zum Beispiel bei längerer Standzeit Nickel lösen, worauf manche Menschen allergisch reagieren könnten.

Temperaturschwankungen in der Warmwasserleitung können zudem Verkeimungen fördern. Legionellen (Bakterien) etwa mögen warmes Wasser. Eine hohe Konzentration kann die so genannte Legionärskrankheit, eine schwere Form der Lungenentzündung, auslösen. Deshalb sollte man auch im Sommer die Temperatur am Warmwasserspeicher auf keinen Fall unter 60 Grad Celsius absenken!

Haltbarkeitsdatum abgelaufen

Es ist für die meisten von uns ganz selbstverständlich: Man dreht den Wasserhahn auf, um schnell den Durst mit einem Glas Wasser zu löschen, um sich einen Kaffee zu kochen und natürlich – nicht zu vergessen – für unser tägliches Kochen und das wohlverdiente, relaxende Wellnessbad. Wenn das Wasser zu lange in der Leitung steht, kann die Konzentration der gelösten Teilchen beziehungsweise der Keime jedoch recht hoch sein, so als wäre durch die Stagnation das Haltbarkeitsdatum des Wassers abgelaufen. Das ist laut Aussage des Umweltbundesamtes zwar nicht unbedingt schädlich. Bei empfindlichen Menschen, wie Säuglingen, Kranken und Älteren, kann diese unerwünschte Anreicherung des Wassers jedoch Probleme bereiten.

In Fluss bringen

Das Umweltbundesamt hat hierzu den Ratgeber „Trink was – Trinkwasser aus dem Hahn“ herausgegeben. Link: www.umweltbundesamt.de

Darin wird empfohlen, dass man Wasser, das länger als vier Stunden in der Leitung gestanden hat, weder für Säuglingsnahrung noch zum Kochen verwenden, sondern ablaufen lassen sollte. Man erkennt das nachfließende Wasser daran, dass es kühler wird. Etwa ein Glas voll Wasser sollte man bei verchromten Armaturen mit Nickelgehalt vor der Verwendung abfließen lassen.
Das abgelaufene Wasser kann aufgefangen und zum Beispiel zum Putzen verwendet werden, nur eben nicht für den menschlichen Verzehr.

Für Wasserleitungen wird häufig blankes Kupfer verwendet. Bei neuen Leitungen wurde jedoch eine erhöhte Kupferlöslichkeit festgestellt. Innerhalb der ersten sechs Monate nach einer Neuinstallation von Trinkwasserleitungen aus Kupfer empfiehlt es sich darum, das Wasser schon bei einer Stagnationszeit von 30 Minuten vorher ablaufen zu lassen.

Wer in einem Haus wohnt, in dem das Trinkwasser durch Bleileitungen fließt, muss allerdings besonders aufpassen: Gelöste Teilchen aus einer Bleileitung im Trinkwasser sind für Säuglinge und Kleinkinder gesundheitsschädlich, selbst wenn man das Wasser vor der Verwendung ablaufen lässt. Wenn Sie nicht sicher sind, aus welchem Material Ihre Trinkwasserleitung besteht, kann Ihnen ein Fachbetrieb für Sanitär, Heizung, Klimatechnik weiterhelfen.

Das I Ging spricht von Gründlichkeit, die alles, was zu tun ist, auch wirklich erledigt. – Das Wasser fließt immer weiter. Was es mit sich führt und auch fortschwemmt, mag sich wandeln. Dennoch bleibt sich das Element Wasser in allen Situationen selber treu.

Erschienen in The Epoch Times Deutschland Nr. 18/09

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