Oberbürgermeister Lange und Ahrens bewerben sich um SPD-Vorsitz

Epoch Times2. August 2019 Aktualisiert: 2. August 2019 12:35
Die Oberbürgermeister von Flensburg und Bautzen, Simone Lange und Alexander Ahrens erklären: "Zusammen treten wir an als Kandidaten für den SPD-Parteivorsitz". Simone Lange steht für eine grundsätzliche inhaltliche und organisatorische Neuausrichtung der SPD hin zu einer sehr viel linkeren Partei.

Die Oberbürgermeister von Flensburg und Bautzen, Simone Lange und Alexander Ahrens, wollen als Duo die Leitung der SPD übernehmen. „Zusammen treten wir an als Kandidaten für den SPD-Parteivorsitz“, heißt es in einem am Freitag bekannt gewordenen Video der beiden SPD-Politiker im Internet. Lange hatte sich bereits 2018 um den SPD-Vorsitz beworben, musste sich damals aber Andrea Nahles geschlagen geben.

Die 42-jährige Lange verwies darauf, dass die SPD in den vergangenen 15 Jahren viele Mitglieder verloren habe. „Ich möchte gerne diese Menschen um Verzeihung bitten und zurückgewinnen“, kündigte sie an. Als SPD-Chefin wolle sie „neue Modelle“ in der Politik anbieten. „Wir wollen Politik für alle Menschen dieses Landes machen und nicht nur für eine bestimmte Gruppe“, kündigte sie an.

Viele Menschen „haben das Gefühl, dass die Parteien ganz weit von ihnen weg sind, und für die SPD zählt das in besonderem Maße, leider“, sagte Ahrens.

Er kritisierte, dass oft „die Themen nur von oben vorgegeben werden“. Dies wolle er zusammen mit Lange ändern.

Wir kommen von der kommunalen Ebene aus dem direkten Kontakt mit den Menschen und das wollen wir eben auch in die Bundespolitik mit einbringen“, kündigte der 53-Jährige in dem Video an.

Seit dem 1. Juli und noch bis zum 1. September können sich Interessenten für den SPD-Vorsitz melden. Bisher waren zwei Duos und ein Einzelbewerber bekannt: Michael Roth und Christina Kampmann, Nina Scheer und Karl Lauterbach sowie Hans Wallow.

Erhalten mehrere Bewerber oder Duos die erforderliche Unterstützung von Parteigliederungen, wird eine Mitgliederbefragung gestartet.

Simone Lange will SPD in Richtung Linke entwickeln

Bereits seit ihrer vergeblichen Kandidatur gegen Nahles im Frühjahr 2018 kämpft Lange für eine grundsätzliche inhaltliche und organisatorische Neuausrichtung der SPD hin zu einer sehr viel linkeren Partei mit einem deutlich größerem Einfluss der Basis. Dazu gehören für sie die Forderung nach einem bedingungslosen Grundeinkommen und einer „Gemeinwohlökonomie“ als Weiterentwicklung der sozialen Marktwirtschaft.

„Es geht darum, das Land zu verändern“, sagte Lange weiter in dem Bewerbungsvideo. Im NDR hob sie zudem hervor, sie wolle auch das Thema Verteilungspolitik in den Blick nehmen, „ebenso eine menschenzentrierte Klimapolitik, Umverteilung und soziale Sicherheit“.

Innerparteilich will Lange Schluss machen mit einer von oben verordneten „Basta-Politik“. Mitbestimmungsrechte der Mitglieder will sie stärken. Zu tun hätte sie genug: In bundesweiten Umfragen liegt die SPD inzwischen nur noch bei zwölf bis 13 Prozent.

2012 ging sie für ihre Partei als Abgeordnete in den Kieler Landtag, war dort polizeipolitische Sprecherin der Fraktion. 2016 gewann sie die Direktwahl für das Amt der Oberbürgermeisterin von Flensburg als Kandidatin von SPD, CDU und Grünen mit absoluter Mehrheit.

Auf dem SPD-Parteitag im April 2018 trat Lange gegen Nahles als Bewerberin um den Parteivorsitz an. Sie scheiterte zwar, erreichte aber mit knapp 28 Prozent einen Achtungserfolg, während Nahles mit 66 Prozent nur ein mageres Ergebnis einfuhr. Lange verband ihre Bewerbung damals unter anderem mit scharfer Kritik an der Agenda 2010 von Ex-SPD-Kanzler Gerhard Schröder und den Hartz IV-Gesetzen. Zudem kämpfte sie damals wie heute gegen die große Koalition im Bund.

Im vergangenen Herbst beteiligte Lange sich an der Gründung der von der Linken-Bundestagsfraktionschefin Sahra Wagenknecht initiierten Sammlungsbewegung „Aufstehen“. Außerdem gehörte sie damals auch zu den Unterzeichnern einer Erklärung linker SPD-Politiker, die den Rücktritt der Parteiführung sowie einen sofortigen Sonderparteitag über einen Ausstieg aus der Koalition mit der Union forderten. Nun setzt sie an zum zweiten Anlauf an, um an der Spitze die Geschicke der SPD selbst in die Hand zu nehmen.

Lange, die 1976 im thüringischen Rudolstadt geboren wurde, ist seit 2017 Oberbürgermeisterin von Flensburg in Schleswig-Holstein. Die verheiratete Mutter zweier Kinder zog 1995 für ein Verwaltungsstudium im Fachbereich Polizei in den hohen Norden. Sie arbeitete 13 Jahre lang als Kriminalpolizistin in Flensburg und engagierte sich bei der SPD auf regionaler Ebene.

Ahrens wurde 2015 als damals noch parteiloser Bewerber zum Oberbürgermeister des sächsischen Bautzen gewählt. Der im damaligen West-Berlin Geborene trat für SPD, Linkspartei und das Bürgerbündnis Bautzen an. Der SPD gehörte Ahrens bereits von 1992 bis 2001 an, 2017 trat er dann erneut der Partei bei. (afp)

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