Politikwissenschaftler: „Medien für schlechte Umfragewerte der Grünen verantwortlich“

Die Grünen haben in Umfragen gegenüber April 2021 die Hälfte ihres Wählerzuspruchs eingebüßt. Politikwissenschaftler Ulrich von Alemann macht Medien dafür verantwortlich.
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Symbolbild.Foto: Istockphoto/Sviatlana Lazarenka
Von 14. Juni 2023

Im April 2021 sah Civey die Grünen in einer Umfrage bei bundesweit 29 Prozent – und damit als mit Abstand stärkste Kraft im Land. Etwas mehr als zwei Jahre später sind es weniger als die Hälfte. Demgegenüber erlebt die damals schwache AfD einen beispiellosen Höhenflug in der Wählergunst. Der emeritierte Düsseldorfer Politikwissenschaftler Ulrich von Alemann liefert im „Deutschlandfunk“ eine auf den ersten Blick ungewöhnlich erscheinende Erklärung für die Entwicklung: Ihm zufolge sind die Medien dafür verantwortlich.

„Wochenlange Kampagne mit AfD-Argumenten“ gegen die Grünen

Die Diagnose mag überraschen angesichts des Umstandes, dass Studien und Erfahrungen bis dato wenig auf eine besonders große Distanz zwischen deutschen Medien und Grünen hindeuten. Demgegenüber ist nach wie vor wenig von erkennbaren medialen Sympathien für die AfD zu bemerken – oder einer starken Präsenz ihrer Vertreter.

Dennoch sieht von Alemann eine wochenlange „Kampagne“, die sich gegen die Grünen richte. Verantwortlich dafür seien „auch insbesondere die Boulevardzeitungen – an der Spitze die Bild“. Zwar haben auch die Medien des Axel-Springer-Verlages kein durchgehend kritisches Verhältnis zu der Partei. Anders als zur AfD.

Von Alemann jedoch steht auf dem Standpunkt, dass die in der „Bild“ zur Sprache gekommene Kritik am geplanten Heizungsgesetz die Rechtspartei stärke. Immerhin handele es sich „um dieselben Argumente, die die AfD benutze“. Ein ähnliches Narrativ pflegten linksgerichtete Politiker und Medien auch im Zusammenhang mit der jüngsten Kundgebung gegen das Heizungsgesetz in Erding.

Elitäre Minderheit zwingt Mehrheit ihre Werte auf

Eine abweichende Einschätzung dazu hatte Forsa-Geschäftsführer Manfred Güllner zuvor in der „Welt“ geäußert. Ihm zufolge sei es vielmehr fehlende kritische Begleitung grüner Politik durch die Medien, die zu einem Aufstieg der AfD und einem Abstieg der Grünen führe.

Vor allem frühere „SPD-Wähler in normalen Arbeitsverhältnissen“ würden den Eindruck einer „grünen Diktatur“ gewinnen. Diese gehe der Wahrnehmung zufolge von einer „elitären Minderheit der oberen Bildungs- und Einkommensschichten der Gesellschaft“ aus. Deren Protagonisten zwinge der Mehrheit der Andersdenkenden „ihre Werte durch Belehrungen oder Verbote auf“. Das SPD-Mitglied Güllner erklärte dazu:

Nicht nur die Politik auf Bundesebene, sondern auch viele Kommunen orientieren sich zu sehr an einem vermeintlich grünen Zeitgeist.“

Anliegen wie eine Abschaltung aller Kernkraftwerke, Verbote von fossilen Heizungen und dem Verbrennungsmotor oder die Gendersprache seien der Mehrheit nicht wichtig. Dennoch gelinge es einer entschlossenen grünen Minderheit immer wieder, ihre exklusiven Anliegen durchzusetzen.

Nichtwähler könnten zur AfD abwandern

Güllner hält dies auch für einen wesentlichen Erfolgsfaktor für die AfD. Die Zahl der Bürger, die bereit seien, dieser Partei trotz radikaler Inhalte und einer möglichen Verfassungsschutz-Beobachtung die Stimme zu geben, wachse. Das Potenzial sei sogar noch größer, weil ein noch wesentlich größeres Unmutspotenzial in das Nichtwählen flüchte.

Vor allem der Mittelstand bilde eine wichtige Kerngruppe der AfD. Dieser fühle sich „im Vergleich zu anderen Gruppen subjektiv benachteiligt“ und habe „entsprechend extrem pessimistische Wirtschaftserwartungen“. Dabei gehe es den Mittelständlern „an sich ökonomisch gut“.

Anders als viele AfD-Wähler stünden die Nichtwähler nicht von vornherein „außerhalb des Systems“. Viele von ihnen fühlten sich als „Wähler auf Urlaub“ und würden zurückkehren, sobald sie eine Partei als wählbar betrachteten. Dass diese Gruppe und ihre Wahrnehmungen kaum Beachtung fänden bei Politik und Medien, schaffe jedoch ein weiteres Unmutspotenzial. Am Ende könne auch dies der AfD nützen.



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