Ramadan: Islamische Gemeinden in Deutschland passen ihre Aktivitäten der Corona-Krise an

Von 23. April 2020 Aktualisiert: 23. April 2020 23:53
Als „unseren Dschihad“ bezeichnete der Sprecher des Zentralrats der Muslime in Deutschland, Aiman Mazyek, den Kampf gegen Corona. Obwohl die Bundesländer öffentliche Gottesdienste langsam wieder zulassen, werden deutsche Muslime den Ramadan im kleinen Rahmen feiern.

Am morgigen Freitag beginnt weltweit der Ramadan, der alljährliche Fastenmonat der Muslime. Das Fasten in dieser Zeit, die am 23. Mai mit dem dreitägigen Fest des Fastenbrechens (Eid al-Fitr) endet, ist eine der fünf Säulen des islamischen Glaubens.

Wie die katholische Nachrichtenagentur KNA berichtet, dürfen im Freistaat Thüringen ab sofort wieder religiöse Versammlungen in geschlossenen Räumen mit bis zu 30 Teilnehmern und solche unter freiem Himmel mit bis zu 50 Personen ohne vorherige Genehmigung gefeiert werden. Dies würde gängigen Iftar-Zeremonien entsprechen oder in kleineren Gemeinden sogar dem Rahmen für Freitagsgebete.

Voraussetzung ist in jedem Fall, dass geltende Hygiene- und Abstandsregelungen eingehalten werden. Zudem seien Teilnehmer mit Symptomen einer COVID-19-Erkrankung sowie „mit jeglichen Erkältungssymptomen“ von der Teilnahme auszuschließen. Der Veranstalter habe die erforderliche Sicherstellung der Hygienevorschriften in einem Schutzkonzept zu konkretisieren und zu dokumentieren, heißt es aus der Staatskanzlei in Erfurt.

In diesem Jahr haben sich die muslimischen Gemeinschaften jedoch diesbezüglich selbst Zurückhaltung verordnet. Erstmals in der Geschichte des Islam wurde nicht nur die Große Wallfahrt nach Mekka abgesagt, sondern bleiben auch die Moscheen geschlossen. Indonesien, mit über 191 Millionen Muslimen der Staat mit der größten muslimischen Bevölkerung weltweit, hat seinen Bürgern schon jetzt die traditionellen Verwandtenbesuche zum Fest am Ende des Ramadan untersagt.

Fastenmonat im kleinen Rahmen

Auch in Deutschland werden Muslime ihren Fastenmonat im Zeichen der Corona-Krise im kleinen Rahmen begehen. Bereits im Vorfeld haben sich die meist aus der türkischen Einwanderercommunity stammenden Freiwilligen der Hizmet- oder Gülen-Bewegung an gemeinsamen Aktionen zum Nähen von Schutzmasken oder zur Nachbarschaftshilfe beteiligt.

Die großen Moscheeverbände werden, wie die „Islamische Zeitung“ berichtet, auch während des Ramadan ihre Gotteshäuser bis auf Weiteres nicht öffnen. „Das bedeutet, dass die allabendlichen Gemeinschaftsgebete und Koranrezitationen ausfallen oder nur per Livestream stattfinden“, heißt es in der Monatszeitung. „Vor allem aber werden die Gläubigen auf die öffentlichen Iftar-Essen zum Fastenbrechen nach Sonnenuntergang verzichten müssen.“

Zudem haben Gemeindeleiter auch ihre Gläubigen zur Zurückhaltung bei Feierlichkeiten im privaten Rahmen ermahnt. DITIB-Vorstand Zekeriya Altug erklärte gegenüber der KNA: „Wir haben unsere Gemeindemitglieder in den Online-Freitagspredigten und in Rundschreiben mehrfach aufgerufen, die Kontaktsperre einzuhalten. Das gilt auch für den Ramadan.“

Besinnlichkeit statt opulenter Festessen

Man gehe davon aus, dass sich die Leute daran halten. Man könne es zwar nicht ausschließen, dass es vereinzelt Unvernünftige auch in den eigenen Reihen gebe, die bisherigen Erfahrungen seien jedoch positiv. Immerhin ließe der Wegfall opulenter Festessen mit der Großfamilie dieses Jahr „viel Raum für Besinnlichkeit“.

Der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland (ZMD), Aiman Mazyek, sprach am Mittwoch davon, es sei „unser Dschihad“, sich am gemeinsamen Kampf gegen die Ausbreitung des Virus zu beteiligen – unter anderem, indem man das Fastenbrechen nur im engsten Kreis der Familie begehe. Der Begriff des „Dschihad“, von islamischen Extremisten als „Heiliger Krieg“ zur Rechtfertigung terroristischer Übergriffe herangezogen, wird unter Mainstream-Muslimen als „besondere Glaubensanstrengung“ interpretiert.

Ab wann in Deutschland die Moscheen wieder öffnen sollen, will der Koordinationsrat der Muslime auf einem Spitzentreffen von Bund und Ländern am 30. April erörtern. Am 22. April hatte man zwar ein Konzept zur schrittweisen Öffnung der Moscheen beschlossen, um Gefahren für die Gesundheit zu vermeiden, wolle man jedoch auch noch mit Experten beraten, wann welcher Schritt als sinnvoll erscheine.

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