Diese Gedenktafel "Zum Gedenken an unsere Kameraden" befindet sich an der Gedenkstätte "Wald der Erinnerung" bei Potsdam. Die Gedenkstätte erinnert an die im Dienst getöteten Bundeswehrangehörigen im In- und Ausland und umfasst acht Originalgedenkstätten, die von Bundeswehrsoldaten an ihren ausländischen Einsatzorten errichtet wurden. Die Gedenktafel stammt aus Afghanistan. Insgesamt 104 Bundeswehrangehörige sind seit 1992 im Auslandseinsatz getötet worden, vor allem in Afghanistan, Bosnien und im Kosovo.Foto: Sean Gallup/Getty Images

SPD Bielefeld kippt Platz-Benennung nach gefallenem Bundeswehrsoldaten in Afghanistan

Von 26. August 2020 Aktualisiert: 26. August 2020 10:43
Noch im Vorjahr hatte die SPD-Fraktion im Bielefelder Bezirk Brackwede der Benennung eines Platzes nach dem 2010 in Afghanistan gefallenen Bundeswehrsoldaten Martin Augustyniak zugestimmt. Nun hat sie ihre Meinung geändert - und will keinen „Heldenverehrungsort“ mehr.

Am 9. April verneigte sich sogar Bundeskanzlerin Angela Merkel persönlich vor den Särgen der drei Bundeswehr-Soldaten, die eine Woche zuvor beim sogenannten „Karfreitagsgefecht“ in einen Hinterhalt der Taliban geraten und getötet worden waren. Der 28-jährige Martin Augustyniak wurde dabei durch eine Bombe zerfetzt, nachdem er kurz zuvor einen verletzten Kameraden aus dem Kugelhagel gerettet hatte.

Die SPD in Bielefeld hat nun ihre ursprüngliche Zusage für eine posthume Ehrung in Form der Benennung eines kleinen Platzes im Breedenviertel zurückgezogen.

Augustyniak für Einsatz in Afghanistan posthum mit Ehrenkreuz für Tapferkeit ausgezeichnet

Am 2. April 2010 waren Soldaten des Fallschirmjägerbataillons 373 aus Seedorf im Raum Kundus bei Minenräumeinsätzen in einen Hinterhalt geraten – bis zu 70 Taliban nahmen die Bundeswehrangehörigen unter Beschuss. Erst nach acht Stunden konnte die angeforderte Reservekompanie den Ort des Gefechts erreichen und die Angreifer zum Rückzug bewegen. Diese feierten den Überfall als Propagandaerfolg.

Augustyniak, hinterließ einen dreijährigen Sohn. Er wurde gemeinsam mit den zwei anderen gefallenen Bundeswehrsoldaten posthum mit dem Ehrenkreuz der Bundeswehr für Tapferkeit ausgezeichnet. Im „Wald der Erinnerung“ des Ehrenhains Kundus wird der Opfer des Hinterhalts vom April 2010 gedacht.

Wie die „Bild“-Zeitung berichtet, sollte am Donnerstag (20.8.) im Stadtrat der Weg frei gemacht werden für den „Martin-Augustyniak-Platz“, nachdem dort bereits eine Bank mit Gedenkaufschrift aufgestellt worden war. Der Aufwand für die Umbenennung wäre gering, es gibt keine Anrainer, die ihre Adresse ändern müssten.

SPD Bielefeld verweist auf „Enthüllungen über Neonazis bei der Bundeswehr“

Nachdem die SPD 2019 noch die Grundsatzeinigung über die Ehrung mitgetragen hatte, hat sie jenem Beschluss, der endgültig grünes Licht geben sollte, am Donnerstag in der Bezirksvertretung überraschend die Zustimmung verweigert. Damit fehlte die erforderliche Mehrheit.

Als Begründung für die 180-Grad-Wende nannte SPD-Bezirkschef Hans-Werner Plaßmann gegenüber „Bild“, seine Fraktion habe „das Gefühl, dass dieser Platz zu einem Heldenverehrungsort aufgebaut werden soll“. Zudem hätten auch „aktuelle Enthüllungen über Neonazis bei der Bundeswehr“ eine Rolle gespielt.

Kollegen aus der Bezirksvertretung gehen hingegen davon aus, dass die plötzlichen moralischen Bedenken bei der SPD mit den am 13. September bevorstehenden Kommunalwahlen in Nordrhein-Westfalen zusammenhängen.

Vertrauensbildende Maßnahme gegenüber der Linkspartei?

Es gäbe, so die „Bild“, bedeutende Strömungen in der Partei, die auf kommunaler Ebene Testläufe für Koalitionen mit der Linkspartei beabsichtigen. Bielefeld wäre ein solcher möglicher Schauplatz für ein rot-rot-grünes Bündnis.

Sich mit „antifaschistischer“ Symbolpolitik auf Kosten der Bundeswehr und ihrer gefallen Soldaten zu profilieren, könnte beim künftigen Partner als vertrauensbildende Maßnahmen wahrgenommen werden.

Anders als in der DDR, wo die SED eine 18-monatige Wehrpflicht in der Nationalen Volksarmee kannte und unter anderem auch im zivilen Leben (Betriebskampfgruppen) und in der Schule (Wehrerziehung) militärische Verhaltensweisen einüben ließ, betrachtet die aus der DDR-Staatspartei hervorgegangene Linkspartei die bewaffnete Landesverteidigung seit der Wiedervereinigung als Feindbild.

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