Parteichefin und Kanzlerin: Annegret Kramp-Karrenbauer und Angela Merkel.Foto: Michael Kappeler/dpa

Überraschende Eloge im „Focus“: „Merkel und AKK belastbarer als ihre männliche Konkurrenz“

Von 18. November 2019 Aktualisiert: 18. November 2019 18:59
Seit Monaten steht die erst vor knapp einem Jahr gewählte CDU-Bundesvorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer in medialer Kritik, sie wäre dem Kanzleramt nicht gewachsen. Dass sie immer noch im Amt ist, lässt Gegenteiliges vermuten, meint Jan Fleischhauer.

Der Buchautor und Journalist Jan Fleischhauer, der über mehrere Jahre hinweg als einer der wenigen bürgerlich-konservativen Kommentatoren im linken „Spiegel“ die Stellung hielt, ehe er im vergangenen August zum „Focus“ wechselte, hat dort nun eine überraschende Lanze für Bundeskanzlerin Angela Merkel gebrochen – und für deren Nachfolgerin an der CDU-Spitze.

Dass die Begeisterung für beide Personen und deren Politik in seiner Stammleserschaft nicht in den Himmel wachsen dürfte, dürfte Fleischhauer bewusst sein. Auf diese geht er in seiner jüngsten Kolumne auch nicht ein. Allerdings bringt er seine Bewunderung darüber zum Ausdruck, wie es der Kanzlerin gelinge, den „mit Abstand härtesten Posten in Deutschland“ psychisch und physisch durchzuhalten:

„Kein Amt lässt einen schneller altern. Man sitzt und isst zu viel. Der dauernde Schlafentzug führt zu einer Müdigkeit, die auch nach zwei, drei guten Nächten nicht weichen will. Für Ausgleichssport fehlt die Zeit. Außerdem muss man sich ständig ärgern, über freche Journalisten, unbotmäßige Abgeordnete und Heckenschützen aus den eigenen Reihen.“

„SPD-Männer sind mimosenhafter“

Dennoch gelinge es Merkel, stets als die „Gleichmut in Person“ zu erscheinen, was auch immer um sie herum geschehen war. Sie habe nicht einmal Journalisten aus ihrem Begleittross entfernen lassen, die harsche Kritik an ihr geübt hätten.

Ungleich mimosenhafter würden sich die Männer verhalten, die heute in den politischen Führungsetagen den Ton angeben, meint Fleischhauer. Dies betreffe vor allem die SPD:

„Frank-Walter Steinmeier ließ einmal seine Teilnahme an einem ‚Spiegel‘-Fest absagen, weil er sich über eine Kolumne von mir geärgert hatte. Ich hatte mich über eine Biografie lustig gemacht, die in der Festwoche über ihn erschienen war, das reichte, um tödlich beleidigt zu sein. Auch Peer Steinbrück und Sigmar Gabriel sind enorm empfindlich. Ein falsches Wort und sie reden nie wieder mit einem.“

Dass Merkels Nachfolgerin an der CDU-Spitze, Annegret Kramp-Karrenbauer (AKK), fast täglich mit scharfer Kritik aus den Medien konfrontiert sei, sieht Fleischhauer als Test auf ihre Belastungsfähigkeit. Er selbst habe in einer Kolumne geschrieben, dass er AKK nicht für die künftige Kanzlerkandidatin der CDU halte. Er sei „immer noch nicht überzeugt, dass sie die Richtige für das Kanzleramt ist, aber mir imponiert, wie sie kämpft“. Nicht einmal durch vernichtende Kritik lasse sie sich davon abhalten, eigene Ideen vorzubringen.

Zweifel an Kanzlertauglichkeit von Merz

Ob Frauen, die es so weit nach oben geschafft hätten, tatsächlich aus härterem Holz geschnitzt seien, sei zwar empirisch nicht nachzuweisen, aber der Eindruck liege nahe. Bei Friedrich Merz hätte Fleischhauer zumindest Zweifel, dass dieser in gleichem Maße den psychischen Anforderungen an den Job des Kanzlers gewachsen wäre:

„Ich schätze Merz wegen seines scharfen Verstands und der Fähigkeit zur unnachsichtigen Analyse. Aber er ist nach allem, was ich weiß, ein eher ehrpussliger Mensch, der Kritik an seiner Person nicht so leicht wegsteckt. Die Etagen der Wirtschaftswelt, in denen sich Merz seit Jahren bewegt, sind eine Teppichwelt, in der einem das offene Wort nur gedämpft erreicht. Das macht die Umstellung nicht leichter.“

Das Kanzlerleben, das „eine endlose Abfolge von Schmähungen, Abwertungen und bösartigen Artikeln“ sei, in denen „im Detail ausgebreitet ist, warum man der Situation nicht gewachsen sei“, verführe viele der Betroffenen geradezu, sich in eine Filterblase zu flüchten, in der nur noch Zuarbeiter erwünscht wären, die die gewünschten Ergebnisse liefern. Das möge die eigene Psyche stabilisieren, für das Land wäre der damit verbundene Realitätsverlust ein ernstes Problem. 



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