Verbot von Gabalier-Songs auf Grazer SPÖ-Maifeier? Coverband erhebt schwere Vorwürfe

Von 2. Mai 2019 Aktualisiert: 2. Mai 2019 21:37
Dass eine Coverband, die für das musikalische Rahmenprogramm zur Maifeier der Grazer SPÖ engagiert worden war, einen Hit von Andreas Gabalier intonierte, ließ die Vorsitzende des örtlichen Frauenverbandes der Partei erzürnt auf die Bühne stürmen. Nun ergehen sich Band und Partei auf Facebook in wechselseitigen Schuldzuweisungen.

Für Irritationen hat die musikalische Darbietung einer Coverband gesorgt, die im musikalischen Rahmenprogramm der Maikundgebung der örtlichen SPÖ auf dem Hauptplatz in Graz aufgetreten war.

Die „Band 4you“, die nach dem Ende der Politikeransprachen im offiziellen Teil der Veranstaltung noch für Stimmung unter den Gästen sorgen sollte, hat dabei neben bekannten Hits weiterer Künstler auch das bekannte Stück „Hulapalu“ des „Volks-Rock’n’Rollers“ Andreas Gabalier intoniert.

Was bei einem großen Teil der Besucher durchaus positive Resonanz nach sich zog, erzürnte hingegen die Vorsitzende der örtlichen SPÖ-Frauengruppe, Doris Kampus. Diese soll, wie die Tageszeitung „Österreich“ berichtete, auf die Bühne gestürmt sein und die Band aufgefordert haben, keine Lieder des beliebten Volksmusikstars zu spielen.

Der Chef der Band, Johann Reisinger, äußerte auf Facebook sein Unverständnis über den Auftritt der Politikerin. Er und seine Musikerkollegen wären ihrem Auftrag geworden, den Zuhörern die Unterhaltung zu bieten, die diese sich an einem solchen Tag verdient hätten:

„Wir sind eine Coverband und spielen Musik für alle Menschen, wir unterscheiden nicht, wir spielen Livemusik, weil es uns Freude macht und wir andere Menschen unterhalten können. Menschen, die gerade am 1. Mai nach harter Arbeit einen Tag nicht arbeiten müssen und Spaß haben wollen.“

„Toleranz-Gerede nur warme Luft“

Die Intervention der Politikerin betrachtete Reisinger nicht nur als Respektlosigkeit gegenüber den Gästen, sondern auch als Ausdruck von Heuchelei – insbesondere angesichts der Tatsache, dass in allen Reden, die bei der Veranstaltung gehalten wurden, mehrfach von Toleranz die Rede war:

„Wir sind seit 30 Jahren auf der Bühne und leben Toleranz gegenüber jedem Menschen. Wenn jeder SPÖ-Politiker bei seiner Ansprache von Toleranz spricht und dreißig Minuten später einen großen Künstler beschimpft und somit viele Menschen in Österreich beleidigt, dann ist doch jede Ansprache nur warme Luft. Danke an allen Menschen, die mit uns in den letzten 30 Jahren bei über 1000 Auftritten Party gefeiert haben.“

Kampus hingegen weist die Darstellung, es habe ein „Gabalier-Verbot“ gegeben, zurück. Es sei vielmehr bereits im Vorfeld des Auftritts mit den Musikern abgeklärt worden, dass Musik des „Volks-Rock’n’Rollers“ unerwünscht sei. Seine konservativen Ansichten in gesellschaftspolitischen Fragen und zur Stellung der Frau würden dem Zweck der Veranstaltung zuwiderlaufen.

„Die Behauptung, es habe ein ‚Gabalier-Verbot‘ gegeben, ist frei erfunden. Richtig ist vielmehr, dass mit der Musikgruppe im Vorfeld Einvernehmen hergestellt wurde, keine Musik dieses Künstlers zu spielen. Bei einer Feier zum 1. Mai stehen unter anderem Gleichberechtigung, Frauenrechte und Geschlechtergerechtigkeit im Zentrum. Diese Bitte hat die Vorsitzende der Grazer SPÖ-Frauen auf der Bühne wiederholt. Überdies handelte es sich um einen bezahlten Auftritt der Musikgruppe.“

Gabalier als idealer Stimmungsbringer für Livebands

In den sozialen Medien wird das Thema immer noch kontrovers diskutiert. Von Verständnis für die Musikwünsche des Auftraggebers reicht die Spanne der Einschätzung bis zum Vergleich mit dem Vorgehen des Hitler-Regimes gegen die damals „unerwünschte“ Musik des Swing.

„Musik ist für alle da und soll mit Politik nix zu tun haben, ich hätte diese Frau von der SPÖ sowieso ausgelacht, wenn sie sich beschweren würde“, schreibt Johann Würleitner auf der Facebookseite Reisingers.

„Sofern die SPÖ der Veranstalter ist, kann und darf er seinen Musikgeschmack mit der Band natürlich abstimmen… am Besten im Vorhinein… das spart viel an Peinlichkeit“, meint Tom Pfeifenberger. Die Partei behauptet, dies beherzigt zu haben.

Allerdings gibt auch er zu bedenken: „Und wenn man heute im Cover-Bereich tätig ist, dann kommt man bei Gabalier nicht vorbei… zu Recht… – und da tanzen auch die Herren in den Anzügen, wenn der Spritzer schmeckt.“

An Andreas Gabalier selbst scheint der Vorfall weitgehend unbemerkt vorbeigegangen zu sein. Er gönnte sich einen Segeltörn in Kroatien. In den sozialen Netzwerken hinterließ er ein Selfie von sich auf seinem Boot als Gruß an seine Fans. Dabei präsentierte er sich in bester körperlicher Verfassung und zeigte Muskelmasse.

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Dies wiederum könnte in der Redaktion des „Freitag“ erneut für Unmut gesorgt haben. Dort war unter anderem Gabalier vor einigen Wochen vorgeworfen worden, er stehe mit seinem Fitnesskult als Symbolfigur für einen „autoritären Kapitalismus“.

Andreas Gabalier – Vergiss die Heimat nie 2015