Russland erinnert mit Militärparade an Ende der Belagerung von Leningrad

Epoch Times27. Januar 2019 Aktualisiert: 27. Januar 2019 16:11
Zum 75. Jahrestag der Befreiung von St. Petersburg marschierten 2500 Soldaten auf, begleitet von Panzern und Raketenabwehrsystemen. Heiko Maas erklärt, Deutschland stehe zu seiner "historischen Verantwortung" und stellt zwölf Millionen Euro für zwei Projekte in St. Petersburg bereit.

Mit einer großen Militärparade in St. Petersburg hat Russland an das Ende der Belagerung des damaligen Leningrad durch die deutsche Wehrmacht erinnert. Zum 75. Jahrestag der Befreiung marschierten am Sonntag mehr als 2500 Soldaten in modernen und historischen Uniformen auf, begleitet von Panzern und Raketenabwehrsystemen.

Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) erklärte am Sonntag, Deutschland stehe zu seiner „historischen Verantwortung“. Die Bundesregierung stelle daher zwölf Millionen Euro für zwei Projekte in St. Petersburg bereit.

Mit dem Geld soll ein Krankenhaus für Kriegsveteranen in der Stadt modernisiert und ein deutsch-russisches Begegnungszentrum aufgebaut werden. Berlin und Moskau hatten die Vorhaben bereits im vergangenen Mai verabredet.

Belagerung über 872 Tage

Die Wehrmacht hatte Leningrad zwischen 1941 und 1944 insgesamt 872 Tage lang belagert. Mehr als 800.000 Bewohner starben durch Hunger, Krankheit oder Beschuss. Viele Historiker gehen von höheren Opferzahlen in der Stadt mit damals drei Millionen Einwohnern aus. Am 27. Januar 1944 befreite die Sowjetarmee die Stadt schließlich von den Besatzern.

Hunderte Zuschauer verfolgten am Sonntag die Militärparade im Schneetreiben und bei Temperaturen von minus elf Grad. Es sei wichtig, „die Erinnerung wach zu halten“, sagte Iwan Kolokolzew. Natalja Geraschtschenko schaute sich den Aufmarsch zusammen mit ihrem zwölfjährigen Sohn an. Das Ende der Leningrad-Blockade sei ein wichtiges historisches Ereignis, sagte die 35-Jährige.

Putin nahm nicht an der Parade teil

Russlands Präsident Wladimir Putin blieb der Parade fern, nahm aber unter anderem an einem Gedenken auf dem Friedhof Piskarjowskoe in seiner Heimatstadt teil. Putins älterer Bruder war während der Blockade Leningrads gestorben. Putin legte rote Rosen auf dem Friedhof nieder, auf dem sein Bruder in einem Massengrab beerdigt worden war. Auch Putins Mutter verhungerte damals fast, sein Vater wurde als Soldat im Kampf gegen die Nazis in der Nähe von Leningrad verwundet.

Der 66-jährige Putin wurde erst nach dem Zweiten Weltkrieg geboren. Kreml-Sprecher Dmitri Peskow sagte, der Gedenktag sei wichtig „für alle Russen und für Präsident Putin persönlich“.

Die militärische Machtdemonstration in St. Petersburg war aber im Vorfeld auf Kritik gestoßen. Manche Überlebende sprachen angesichts der riesigen Parade mit historischen und modernen Waffensystemen von „Militarismus“. Fast 5000 Menschen forderten in einer Petition eine Absage des „empörenden Karnevals“. Stattdessen solle der Opfer mit einer Schweigeminute und Konzerten gedacht werden.

Am Sonntagabend sollte mit Salutschüssen an die letzten Gefechte in Leningrad erinnert werden. In St. Petersburg leben heute noch gut 100.000 Veteranen und Überlebende der Belagerung. (afp)

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