Reuters Studie beleuchtet Medien-Akzeptanz: Nur 40 Prozent der Deutschen vertrauen Journalisten

Von 28. Februar 2017 Aktualisiert: 1. März 2017 23:45
Soziale Medien lösen als Nachrichtenquelle weiter die traditionellen Medien ab. Österreicher und Schweizer lesen aber noch immer gerne Zeitungen, die Deutschen schon weniger. Erstaunliches ergab sich zum Vertrauen in Nachrichten, Medien und Journalisten.

Weltweit ist die Tendenz, soziale Medien (51 Prozent) als wichtigste Informationsquelle zu nutzen, deutlich sichtbar. Traditionelle Medien wie Zeitungen und Radio werden parallel oder alternativ genutzt, treten im Medienmix jedoch verstärkt in den Hintergrund. Fernsehnachrichten werden weiterhin weltweit gern konsumiert. Reuters hat für seinen Digital News  Report für 2016 50.000 Menschen in 26 Ländern befragt, wie RT berichtet.

Österreicher, Schweizer, Türken und Spanier lesen noch gern „Papier“

Es gibt Länder, in denen der Nutzungsgrad von Zeitungen noch über 50 Prozent liegt. So wie in der Schweiz (63%) und Österreich (67%), Spanien (56%) und der Türkei (54%). In Deutschland liegt der Nutzungsgrad nur noch bei 38 Prozent. In Frankreich (27%), Ungarn (27%) und den USA (26%) ist man schon deutlich unterhalb der 30-Prozent-Marke.

Besonders radioaffin ist man demnach in den Niederlanden (57%), Irland (48%) und Skandinavien (47%). Auch Deutschland und Österreich mit je 46 Prozent bleiben über der 40 Prozent Marke. Kaum Bedeutung hat das Radio noch in Ungarn (25%), den USA (23%), Japan (17%) und Südkorea (12%).

Internet-User informieren sich über soziale Medien, vor allem Facebook

Viel mehr Menschen weltweit informieren sich dagegen über das Internet. So nutzen 90 Prozent der Ungarn, Portugiesen und Südkoreaner das Internet als Nachrichtenquelle. Mehr noch in der Tschechischen Republik (91%), Brasilien (91%) und der Türkei (90%). Spitzenreiter sind die Griechen, von denen 96 Prozent sich über das Internet mit Nachrichten versorgen. Deutlich weniger, aber immerhin noch 73 Prozent der US-Amerikaner informieren sich per Internet über das Tagesgeschehen. In Deutschland sind es 59 Prozent.

Unter den Informationsquellen im Internet ragen soziale Medien hervor, darunter vor allem Facebook. Von den oben erwähnten 91 Prozent Brasilianern nutzen 72 Prozent soziale Medien als Nachrichtenquelle und davon 69 Prozent Facebook.

Im Mittelfeld liegen die USA. Von den 73 Prozent, die sich über das Internet informieren, nutzen 46 Prozent die sozialen Medien und davon fast alle (45%) Facebook.

Die 59 Prozent Deutschen, die Nachrichten im Internet schauen, informieren sich rund die Hälfte (31%) über soziale Medien – ebenfalls meistens über Facebook (27%).

Neben Facebook (44%) sind die weltweit wichtigsten sozialen Medien YouTube (19%) und Twitter (10%), die als Nachrichtenquelle genutzt werden.

Viele Brasilianer und Griechen gucken auf YouTube Nachrichten – Fernsehen weiterhin sehr beliebt

In Brasilien mit 37 Prozent und Griechenland 34 Prozent spielt YouTube sogar eine wesentlich größere Rolle als die konventionellen Nachrichtensender. Im Vergleich dazu liegen die USA genau im weltweiten Durchschnitt bei 19 Prozent. In Deutschland informieren sich über das Video-Portal nur 12 Prozent.

Beinahe unverändert bleibt die Fernseh-Domäne in vielen Ländern. In Deutschland informieren sich noch immer 78 Prozent der Menschen auf diesem Weg. Noch höher sind die Anteile in der Bevölkerung in Ländern wie Italien (83%), Portugal (82%) und der Tschechischen Republik (81%) – so auch Polen und die Türkei mit jeweils 80 Prozent. Etwas anders sieht es in den USA und Griechenland aus, wo 66 Prozent das TV nutzen, um Nachrichten zu schauen. In Australien sind es 65 Prozent laut der Reuters Studie.

Filterblase in soziale Medien und Sorge um Privatsphäre

Während im Fernsehen die Inhalte zu 100 Prozent durch Redakteure bestimmt sind, werden die Inhalte in den sozialen Medien automatisch nach dem Nutzerverhalten, oder dem der ‚Freunde‘ festgelegt. Dies könne für einen Nutzer auch bedeuten, dass er eventuell relevante Informationen nicht bekommt – wobei von einer Filterblase gesprochen wird. Zudem besteht eine Vorauswahl von Inhalten durch Redakteure.

Laut der Reuters-Studie sind vor allem Nutzer aus Deutschland, Österreich und Südkorea diesbezüglich wegen ihrer Privatsphäre besorgt.

Dabei gehört Deutschland zu den Ländern in denen die meisten Nutzer (36%) eine Vorauswahl durch Redakteure wünschen. Genauso groß ist der Anteil der Nutzer, der eine automatische Auswahl auf Grund des Nutzerverhaltens bevorzugt. Nur 23 Prozent wollen eine automatische Auswahl auf der Basis des Nutzerverhaltens von Freunden.

Vertrauen in Qualität von Nachrichten höher als in die Medien selbst

Das weltweite größte Vertrauen genießen finnische Nachrichten (65%). Deutschland liegt weit abgeschlagen hinter dem Spitzenreiter. Portugal liegt bei 60 Prozent, Brasilien bei 58 und Polen bei 55 Prozent. Noch 52 Prozent der befragten Deutschen vertrauen den Nachrichten. Weniger sind es in Österreich (43%), Italien (42%) und die Türkei (40%). Noch geringer ist das Nachrichtenvertrauen in den USA (33%), Frankreich (32%), Ungarn (31%), Korea (22%) und Griechenland (20%).

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Beim Vertrauen in die Medien führen ebenfalls die Finnen mit 62 Prozent. Fast zehn Prozent weniger sind es schon in Portugal (53%). Nur 47 Prozent der Deutschen vertrauen den Medienformaten im Land. Besonders schlecht ist das Vertrauen in den USA (30%), Frankreich (28%), Ungarn (28%), Südkorea (17%) und Griechenland (16%).

Vertrauen in Journalisten noch geringer

Das weltweite Vertrauen gegenüber Journalisten ist noch geringer. Selbst beim Spitzenreiter Brasilien vertrauen gerade noch 54 Prozent in Mitglieder der Gilde. In Finnland sind es laut der Studie 51 Prozent der Befragten die Journalisten für glaubwürdig halten. In Deutschland äußern nur noch 40 Prozent, Journalisten Vertrauen zu schenken. Immerhin ist das noch mehr als in Ländern wie Frankreich (29%), den USA (27%), Ungarn (20%), Südkorea (17%) oder Griechenland (11%).

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