Corona-Maßnahmen: Auslöser von mehr Kindesmissbrauch, Kinderarbeit und Rassismus

Epoch Times10. Juni 2021 Aktualisiert: 10. Juni 2021 14:50

Die EU-Agentur für Grundrechte (FRA) hat als Folge der Corona-Pandemie beispiellose und tiefgreifende Auswirkungen auf die Menschenrechte im Jahr 2020 festgestellt. Fälle von häuslicher Gewalt und Kindesmissbrauch sowie Rassismus hätten zugenommen und besonders ohnehin gefährdete Gruppen getroffen, erklärte die Agentur am Donnerstag (10. Juni) in ihrem Jahresbericht. In Deutschland stieg die Zahl der Anrufe bei der Hotline für Betroffene von häuslicher Gewalt zwischen März und Juni des vergangenen Jahres um 20 Prozent, wie die Agentur mitteilte.

In der Tschechischen Republik stieg demnach die Zahl im gleichen Zeitraum um 50 Prozent. Auch der sexuelle Missbrauch von Kindern im Internet habe zugenommen, erklärte die FRA unter Berufung auf Europol.

Die Corona-Maßnahmen in der Pandemie habe auch einen Anstieg rassistischer Vorfälle ausgelöst, erklärte die FRA. Marginalisierte Gruppen wie Roma, Flüchtlinge und Migranten waren demnach nicht nur einem höheren Ansteckungsrisiko ausgesetzt, sondern verloren aufgrund der strengen Corona-Beschränkungen auch ihre Arbeitsplätze. Darüber hinaus waren sie das Ziel von „rassistischen und fremdenfeindlichen Vorfällen, einschließlich verbaler Beleidigungen, Belästigungen, körperlicher Aggression und Online-Hassreden“, schrieb die FRA und berief sich auf von ihr und von anderen Gruppen gesammelte Beweise.

Die Agentur forderte angesichts der Ergebnisse die EU-Mitgliedstaaten auf, „der Pandemie und ihrer beispiellosen kollektiven Herausforderung“ für die Menschenrechte mit ausgewogenen Maßnahmen zu begegnen. Der Bericht deckt die 27 EU-Länder ab und umfasst zudem Nord-Mazedonien und Serbien.

Kinderarbeit weltweit nimmt erstmals seit zwei Jahrzehnten wieder zu

Erstmals seit zwei Jahrzehnten haben internationale Organisationen wieder einen Zuwachs bei der Kinderarbeit verzeichnet. Zu Beginn des Jahres 2020 waren einem am Donnerstag veröffentlichten Unicef-Bericht zufolge rund 160 Millionen Kinder weltweit Opfer von Kinderarbeit – 8,4 Millionen mehr als vier Jahre zuvor. Durch die Corona-Maßnahmen dürfte sich die Lage demnach noch deutlich verschlimmern.

Das UN-Kinderhilfswerk Unicef und die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) beschreiben in ihrem alle vier Jahre erscheinenden Bericht eine dramatische Umkehrung eines jahrelangen Abwärtstrends: Zwischen 2000 und 2016 hatte die Zahl der Opfer von Kinderarbeit um 94 Millionen abgenommen.

Prozentual lag der Anteil Kinder in Kinderarbeit Anfang 2020 den Angaben zufolge zwar auf demselben Niveau wie 2016. Durch das Bevölkerungswachstum ergebe sich aber eine bedeutende nominale Zunahme.

„Wir verlieren an Boden im Kampf gegen die Kinderarbeit“, sagte Unicef-Chefin Henrietta Fore. Die Covid-19-Krise mache eine schlechte Situation nun noch schlimmer. Sollten die jüngsten Prognosen über den Anstieg der Armut aufgrund der Corona-Maßnahmen eintreten, werden laut Unicef bis Ende 2022 weitere neun Millionen Kinder in die Kinderarbeit gedrängt.

Statistische Modellierungen zeigen, dass diese Zahl noch bedeutend höher ausfallen könnte. „Als Ergebnis von Sparmaßnahmen und anderen Faktoren, könnte die Zahl der Kinder in Kinderarbeit bis zum Ende des nächsten Jahres um (zusätzliche) 46 Millionen steigen“, sagte die Unicef-Statistikspezialistin Claudia Cappa der Nachrichtenagentur AFP.

Insgesamt machen dem Bericht zufolge Fünf- bis Elfjährige mehr als die Hälfte der Opfer von Kinderarbeit aus. Knapp zwei Drittel aller Kinderarbeiter sind Jungen. Der Anteil Mädchen steigt allerdings erheblich, wenn Arbeiten im eigenen Haushalt eingerechnet werden.

Unicef und ILO heben besonders die Lage von Kindern in Afrika südlich der Sahara hervor. Dort habe es mit zusätzlich 16,6 Millionen Kinderarbeitern den größten Anstieg gegeben. Grund seien wiederkehrende Krisen, extreme Armut und unzureichende soziale Schutzmaßnahmen. Fast ein Viertel der Kinder im Alter von fünf bis 17 Jahren in der Region werden als Kinderarbeiter eingestuft – verglichen mit 2,3 Prozent in Europa und Nordamerika.

Der Sektor, in dem Kinderarbeit am häufigsten auftritt ist dem Bericht zufolge die Landwirtschaft, auf die 70 Prozent der weltweiten Gesamtzahl, also 112 Millionen Kinder, entfallen. Etwa 20 Prozent der Kinderarbeit findet im Dienstleistungssektor statt und rund 10 Prozent in der Industrie. (afp/aa)



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