Der „General“ und sein „Augsburg Calling“ für Fußball-Fans + Fotogalerie

Von 4. August 2015 Aktualisiert: 4. August 2015 11:15
Wie es einem Augsburger Fußball-Fan gelungen ist, über Livemusik-Partys mit „Augsburg Calling“ eine Plattform zu schaffen für verschiedene Fangruppierungen und in einer freundlichen Atmosphäre

Na bitte, es geht doch! In einer Zeit, in der sich der Fokus der Öffentlichkeit nur allzu oft auf die wenigen, negativen Randerscheinungen des Fußballs konzentriert, hat es manchmal den Anschein als wolle man die schönen Dinge nicht  einmal wahrnehmen. Doch es gibt sie. Ein schönes Beispiel dafür ist Augsburg.

Nicht nur, dass der dort ansässige FCA seine eigenen Fans für ihre Treue mit der Teilnahme an der Europa-League belohnt – nein, aus „Augschburg" kommt auch noch eine Initiative, die nicht nur vorbildlich, sondern auch nachahmenswert ist. Initiator des Projektes „Augsburg Calling" ist Gerhard Seckler. „Nach einem Auswärtsspiel unseres FC Augsburg  in Unterhaching musste ich leider miterleben, wie negativ sich Fußballfans auch manchmal benehmen können."

Von der Scham zur positiven Action für die Fußballfans

Seckler, der von allen nur der „General“ genannt wird, wurde Zeuge, wie ca. 50 Fans des FC Augsburg an einer S-Bahnhaltestelle zwei weinende Mädchen im Alter von 10 und 14 Jahren zusammen mit ihrem Onkel – offenbar Anhänger von Unterhaching – bepöbelten. „Dies löste bei mir und meinen Freunden größtes Unwohlsein und Beschämung aus“, und er begann damals darüber nachzudenken, wie man solch einer Ungerechtigkeit entgegenwirken könnte. Da er selbst aber nicht nur Fan des FCA, sondern auch noch Musiker ist, sah er durchaus einige Parrallelen zwischen Fußballfans und Musikfans.

„Nach mehreren Überlegungen entschloss ich mich dafür, einen Versuch zu wagen, über Partys mit Livemusik eine Plattform zu schaffen, bei welcher sich verschiedene Fangruppierungen in einer freundlichen Atmosphäre austauschen können.“ Erstmals gelang dies dem General 2007 in Freiburg, als er  in Zusammenarbeit mit den „Augsburger Jungs“ einen Abend vor dem Spiel  im „Crash" spielte. In Anlehnung an ein Album seiner Lieblingsgruppe „The Clash“ nannte er diese Veranstaltung einfach „Augsburg Calling“. „Natürlich war das ein Wagnis, aber da Fans und Medien diese Veranstaltung sehr positiv wahrgenommen haben, begann ich damit, „Augsburg Calling“ immer weiter auszubauen …"

Arbeit, Fleiß, Geld und viele Helfer

Wie bei allen Dingen im Leben muss man – wenn man es gut machen will – viel Arbeit und Fleiß investieren. „Die ersten drei Jahre habe ich nicht nur Mühe sondern auch mein eigenes Geld investieren müssen. Dann, als das Projekt etwas bekannter war, wurde ich von der Stadt Augsburg  und Regio Augsburg Tourismus GmbH unterstützt. Das half mir dabei, das Projekt am Leben zu erhalten.“ Seckler hat die ersten schwierigen Jahre durchgehalten. Er ließ sich nicht beirren und war fest davon überzeugt, dass es auch ein friedliches Miteinander verschiedenster Fangruppierungen geben kann.

Und: er hat Recht behalten. Mittlerweile erkennen immer mehr Menschen und Vereine, dass der General einen wichtigen Beitrag für ein besseres Miteinander; eine bessere Gesellschaft leistet. „Inzwischen bekomme ich Hilfe vom ‚Augsburg Calling Team‘, das aus der Regio Augsburg Tourismus GmbH (AC Träger), dem FC Augsburg und dessen Fans sowie dem FCA Supportersclub 1907 und dem FCA Kidsclub besteht. Und dann natürlich auch noch von den fleißigen Helfern Roddy W. Hoyer, Gitti Althammer und Dagmar Förster!"

Ein buntes „Augsburg Calling“ Programm …

Und diese Hilfe braucht er auch, denn die Wochenendprogramme sind mittlerweile sehr, sehr umfangreich: Stadtführungen, die für Gästefans und FCA -Fans angeboten werden; Fanpartys mit Livebands oder DJ´s; spezielle Führungen für Fans mit Handicap; Besuche von Kindern in der Augsburger Puppenkiste, Fanbegrüßungstreffen, Vernissage, Fantalk und Frühschoppen, all dies will erst einmal organisiert und durchgeführt werden.

Zudem muss auch noch die eigene  Facebookseite von „Augsburg Calling“ betreut werden, auf der die Informationen, Programmpunkte, Hotel- und Übernachtungsservice und Ausgehtipps für alle Fans aufgeführt sind. Natürlich werden dazu dann auch noch zu jedem Spiel die Fahnen beider aufeinandertreffender Vereine zusammen als Symbol des herzlichen Willkommens in der Touristinfo am Augsburg Rathausplatz im Schaufenster gehisst.

… und was das Schönste ist für den General

Trotzdem bleibt der General ein VollblutmusikerTrotzdem bleibt der General ein VollblutmusikerFoto: augsburg calling

„Seit der Geburt dieser Idee von ‚Augsburg Calling‘ habe ich sehr viel Zeit investiert. Aber in den letzten fünf Jahren, seitdem dieses Projekt immer größer und größer wird, dreht sich bei mir fast alles nur noch um ‚Augsburg Calling‘. Im Durchschnitt liegt zur Zeit meine wöchentliche Arbeitszeit für dieses Projekt bei etwa 40 Stunden pro Woche", berichtet Seckler. Dies scheint dem Betrachter eher noch untertrieben, wenn man bedenkt ,dass all die genannten Angebote für alle Fans immer kostenlos sind. Um dies alles zu organisieren, braucht es wohl nicht nur Fleiß und Mühe, sondern auch Leidenschaft und eine gehörige Portion Verhandlungsgeschick und Überzeugungskraft.

Und, mittlerweile bekommt „Augsburg Calling“ auch finanzielle Unterstützung. So förderte zum Beipspiel die Deutsche Fußball Liga sein Projekt mit 50.000. Euro. Gut also, dass Seckler all die Jahre durchgehalten hat und in den letzten drei Jahren konnte sogar eine Aufwandspauschale für seine Arbeit in die Vorkalkulation mit eingerechnet werden, die er „… zum größten Teil auch bekommen hat. Aber wissen Sie, was das Schönste bei all dem ist", fügt der General am Schluss noch an, „das Schönste für mich sind die vielen fröhlichen Gesichter der Fans während unserer  Veranstaltungen!"

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