Doppelweltmeisterin Ina Menzer mit ihrem Ehemann Denis Moos und ihrem WM-Gürtel (Steffen Andritzke / ETD)

Gold: Ina Menzer

Von 18. März 2008 Aktualisiert: 18. März 2008 1:50
Boxweltmeisterin Ina Menzer im Gespräch mit ETD über ihren WM-Kampf, ihre Börse und Anstand

Am 8. März verteidigte die amtierende WIBF-Weltmeisterin im Federgewicht, Ina Menzer, in Krefeld ihren Titel und holte sich gleichzeitig noch den vakanten Gürtel des WBC dazu. Vor 3.500 Zuschauern zog sich die sympathische Mönchengladbacherin in der fünften Runde einen Cut über dem rechten Auge zu. Trotz dieser Verletzung besiegte die nun in 20 Kämpfen unbesiegte Weltmeisterin die zuvor ebenfalls ungeschlagene Kanadierin Sandy Tsagouris einstimmig nach Punkten.

Epoch Times Deutschland sprach mit Ina Menzer:

ETD: Herzlichen Glückwunsch, Frau Menzer – jetzt sind Sie Weltmeisterin in zwei Verbänden, haben Sie nach Ihrem Sieg auch weltmeisterlich gefeiert?

Ina Menzer: Naja, nicht wirklich, denn nach dem Kampf war schon viel Zeit durch die Dopingkontrolle vergangen und danach musste ich noch ins Krankenhaus gefahren werden, um die Wunde versorgen zu lassen. Dieses war eigentlich nur zehn Minuten von der Halle entfernt, aber leider hat unser Navigationssystem versagt, sodass wir ziemlich lange brauchten, um es zu finden. Zu allem Überfluss stellte sich dann auch noch heraus, dass wir in einem falschen Krankenhaus waren und der Arzt, welcher extra nachts für mich noch aus dem Bett geklingelt wurde, wartete in einer ganz anderen Klinik auf uns. Wir haben dann ein Taxi bestellt, um diesem dann in das „richtige” Krankenhaus hinterher zu fahren. Doch das Taxi kam einfach nicht. Schließlich haben wir es dann doch noch selbst gefunden, und als wir nach der Behandlung endlich nachts um drei Uhr im Hotel ankamen, gab es da nichts mehr zu trinken. Wir wollten aber wenigstens noch einmal in Ruhe auf den Sieg anstoßen und haben noch versucht, irgendwo eine Bar zu finden. Aber alle hatten schon zu. Letztendlich sind wir dann am Flughafen „gestrandet”, wo wir dann noch einen Kaffee bekommen haben.

ETD: Wie kam es eigentlich zu dem Cut und was dachten Sie in diesem Moment?

Ina Menzer: Das kam durch einen unabsichtlichen Kopfstoß und während des Kampfes hab ich überhaupt nicht daran gedacht. Da hatte ich gar keine Zeit dafür; da war ich natürlich auf etwas anderes fixiert. Aber in den Ringpausen hatte ich das Bild von Ruslan Chagaev im Kopf. Der hatte auch in einem Kampf einen Cut bekommen. Er gewann diesen Kampf und als wir dann in seine Kabine gingen, um ihm zu gratulieren, wurde seine Wunde gerade genäht. Das war wirklich kein schöner Anblick, denn da er keine Narkose bekommen hatte, hatte er ein Handtuch zwischen seinen Zähnen, auf das er während des Nähens vor Schmerzen gebissen hat. In meinen Ringpausen erschien eben dieses Bild vor meinem geistigen Auge und ich dachte „oh Gott, mich erwartet bald das gleiche Schicksal”. Das war echt kein angenehmer Gedanke.

ETD: Hat diese Verletzung Ihre vorgesehene Taktik beeinflusst?

Ina Menzer: Ja, denn ich hab dann die rechte Hand nicht mehr vom Gesicht genommen und konnte mit Rechts dann nicht mehr so schlagen wie ich es eigentlich vor hatte. Aber zum Glück wurde meine Sicht dadurch nicht auch noch beeinträchtigt.

ETD: Ihr Trainier Michael Timm sagte, dass Sie vor diesem Kampf nervöser waren als vor Ihren vorherigen WM-Kämpfen. Warum?

Ina Menzer: Nein, ich war tatsächlich nicht aufgeregter als sonst. Vielleicht hatte er ja diesen Eindruck, weil ich diesmal schon Tage vorher sehr konzentriert war. Julia Sahin war auch wieder bei meiner Vorbereitung mit dabei und normalerweise ist Michael Timm wirklich arm dran, wenn wir beide zusammen sind – da muss er einiges über sich ergehen lassen. Aber diesmal haben wir nicht so viel herumgealbert und das kam ihm wahrscheinlich verdächtig vor.

ETD: Wie sieht so ein Kampftag eigentlich aus?

Ina Menzer: Dass ich den Hauptkampf hatte, war eine Premiere für mich. Dadurch hatte ich mehr Zeit als früher, bis ich in den Ring steigen musste. Nach dem Frühstück bin ich spazieren gegangen und hab dann noch einmal anderthalb Stunden geschlafen. Am Nachmittag kam meine Frisörin und hat mir die Haare für den Kampf fertig gemacht. Meine Frisörin ist gleichzeitig auch eine gute Freundin von mir und es ist immer angenehm, wenn sie vor dem Kampf da ist. Das lenkt mich ab und ich fühle mich dann viel lockerer. Ich hab sie diesmal sogar gebeten, noch eine Stunde länger zu bleiben und dass sie geblieben ist, hat mir wirklich gut getan. Danach war ich noch eine Stunde beim Doktor und habe Massagen und Lockerungen bekommen und dann sind wir zur Halle gefahren.

ETD: Sie leben ja nur von der Börse ihrer Kämpfe. Was wird davon alles abgezogen? Wer bezahlt denn eigentlich die Trainier oder den Cutter usw.?

Ina Menzer: Abgesehen von den Steuern gehen dann auch noch 35 Prozent Managergebühr ab. In diesen 35 Prozent sind dann jedoch alle Kosten für Hotel, Flug, Trainer, Sparringspartner usw. enthalten. Da wir aber gerade bei diesem Thema sind: die 50.000 €, die ich angeblich verdient haben soll und die in anderen Zeitungen veröffentlicht wurden, stimmen nicht. Ich wurde auch nie darauf angesprochen und weiß auch gar nicht, woher diese Zahlen stammen.

ETD: Sie sind eine junge, durchtrainierte, erfolgreiche und attraktive Frau – kommt es da auch manchmal zu zweideutigen Angeboten oder Anfragen?

Ina Menzer: Es gab gerade im Vorfeld dieses Kampfes Anfragen, ob ich mich in Unterwäsche fotografieren lassen würde, um Werbung für diesen Kampf zu machen. Dem Mitarbeiter dieser Zeitung habe ich daraufhin gesagt, dass ich auch etwas anderes zu bieten habe als meinen nackten Körper. Das habe ich nicht nötig und das will ich auch nicht. Ich möchte, dass die Leute mich als Person, als Boxerin und wegen meiner Leistungen wahrnehmen und nicht weil sie mich nackt in irgendeiner Zeitung gesehen haben.

Außerdem fand ich diese Anfrage auch menschlich abwertend. Ich finde, die heutige Gesellschaft ist viel zu sehr auf Sex fixiert. Leider wird darüber kaum gesprochen und die, die dazu etwas sagen möchten, trauen sich nicht, weil sie befürchten, sich dadurch ins Abseits zu stellen. Ich denke aber auch, dass es noch viel mehr Menschen gibt, die sagen würden: Jawoll, die Frau hat recht. Ich finde, man hat heutzutage keine Grenzen, kein Schamgefühl mehr.

Wenn ich heute so manche Jugendlichen sehe, wie die teilweise mit Erwachsenen oder Älteren umgehen… Natürlich sind nicht alle so und es gibt auch noch welche, die gute Manieren haben. Als ich früher zum Beispiel in einer voll besetzten Arztpraxis saß, bin ich aufgestanden, wenn eine ältere Person herein kam und hab ihr den Platz angeboten. Die Leute haben mich dann immer angeschaut, als ob ich von einem anderen Planeten wäre.

ETD: Was sind denn Ihre nächsten sportlichen Ziele?

Ina Menzer: Oh Gott, lassen Sie mich jetzt bitte erst einmal eine kurze Pause vom Boxen machen… (lächelt) …und wenn es dann wieder ein Hauptkampf wäre und der dann eventuell auch noch in meiner Heimatstadt Mönchengladbach wäre – das wäre perfekt.

ETD: Herzlichen Dank, Frau Menzer und weiterhin viel Erfolg!



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