Noch nicht ausgereift: Solarstraße in Frankreich hält Belastungen nicht stand

Epoch Times25. August 2019 Aktualisiert: 25. August 2019 16:48
Die "Solarstraße" in der Normandie wurde nach 2,5 Jahren wieder abgerissen und zurückgebaut. Es gab Schwierigkeiten mit der Belastung durch Lkw und Traktoren, Gewittern, Schimmel und Lärm.

Binnen fünf Jahren wollte die französische Regierung 1.000 Kilometer ihrer Autobahnen mit Fotovoltaik „pflastern“, um „Solarstraßen“ zu schaffen. Begonnen wurde mit einer Straße in der Normandie in der Nähe der Kleinstadt Tourouvre-au-Perche in der Orne. Die etwa ein Kilometer lange Teststrecke wurde am 22. Dezember 2016 vom ehemaligen französischen Umweltminister Ségolène Royal eröffnet.

Jedoch hielten die Solarpaneele den Belastungen im Alltag nicht stand. Nach zweieinhalb Jahren wurden die 2.800 Quadratmeter großen Solarmodule der Straße wieder abgebaut und abgetragen. 2018 musste bereits ein Teil der Straße aufgrund von Verschleißschäden abgerissen werden.

„Le Monde“ berichtet, dass die Solarmodule der Belastung und der Abnutzung durch die sie auch befahrenden Traktoren nicht standhalten konnten. Weitere Schwierigkeiten gab es mit Gewittern und Stürmen, Schimmel und Lärm. Um die Anwohner zu schonen, musste die Höchstgeschwindigkeit zuvor auf 70 km/h reduziert werden.

Die Firma Wattway, die die Solarstraße gebaut hatte, hat weltweit etwa 45 Solarstraßenprojekte in Arbeit. Die Hälfte davon befindet sich in Frankreich, es handelt sich dabei um kleinere Experimente als das von Tourouvre.

Wie viel Strom wurde erzeugt?

Als die Panels noch recht intakt waren – also im ersten Jahr – erwirtschaftete die Solarstraße etwa die Hälfte der erhofften Energiemengen und erreichte 150.000 kWh. Das entspricht etwa dem Jahresverbrauch von 50 Haushalten. Nach Angaben des BDVP, dem französischen Verband zur Förderung der Solarenergie, sank die Energiemenge 2018 auf 78.000 und seit Januar auf 38.000, wie „Globalconstructionreview“ schreibt. Ein Problem dabei war beispielsweise auch heruntergefallenes Laub, dass die Paneele verdeckte.

Die Gemeinde von Orne erklärte, dass insgesamt durch den Verkauf des Stroms 10.500 Euro eingenommen wurden. Dabei wurden 2017 rund 4.550 Euro verdient, im Jahr 2018 circa 3.100 Euro und für das erste Quartal 2019 rund 1.450 Euro.

Marc Jedliczka, Vizepräsident des Netzwerks für Energiewende, kommentiert: „Die technischen und wirtschaftlichen Aspekte des Projekts waren nicht ausreichend verstanden worden.“

Finanzierung durch das Umweltministerium

Die eingesetzten Solarpaneele wurden durch die Firma Wattway, einer Tochterfirma des Bauunternehmens Bouygues, entwickelt. Die Basis bildet eine 7 mm starke Schicht aus polykristallinem Silizium, von der angenommen wurde, dass sie trotz der Belastung durch Lkws beständig ist und eine ausreichende Traktion bietet, um ein rutschen und schleudern der Fahrzeuge zu verhindern.

Finanziert wurde das Projekt durch das Umweltministerium. Laut dem französischen Amt für Umwelt und Energiemanagement sollten nur vier Meter solarisierte Straße ausreichen, um den Strombedarf eines Haushalts plus Heizung zu decken. Dies führte zu Berechnungen, dass die 1.000 Kilometer Solarstraße 5 Millionen Menschen oder etwa 8 Prozent französischen Bevölkerung mit Strom versorgen könnten.

Noch nicht ausgereift

Der Geschäftsführer von Wattway, Etienne Gaudin, sagte Le Monde: „Das Modell Tourouvre ist nicht dasjenige, das wir auf den Markt bringen werden. Unser System ist noch nicht ausgereift für den Fernverkehr. Wir konzentrieren uns nun auf kleine Module von 3, 6 oder 9 qm – genug, um genügend Strom für eine CCTV-Kamera, eine Busüberdachung oder eine Elektrofahrradladestation bereitzustellen. Der Preis der kWh ist fünf- bis sechsmal so hoch wie bei der herkömmlichen Platte, aber das Aufkleben auf den Boden löst zumindest das Problem des Diebstahls.“

Ein Firmenvideo zur Solarstraße:

(ks)

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