Keine Zukunft, keine Kinder – 18-jährige Kanadierin setzt Politiker weltweit unter Druck

Epoch Times24. September 2019 Aktualisiert: 24. September 2019 10:32
"Denn obwohl ich Kinder mehr als alles andere auf der Welt haben möchte - was für eine Mutter wäre ich, wenn ich ein Baby in eine Welt setzen würde, wo ich nicht garantieren könnte, dass sie sicher sind?" So lauten die Worte der 18-jährigen Emma Lim. Die junge Frau hat Angst, Angst vor einer aussichtslosen Zukunft.

Kinder kriegen oder nicht? Mit dieser Frage beschäftigen sich üblicherweise Menschen später in ihrem Leben. Bei der 18-jährigen Emma Lim ist das jedoch anders. Die Frage hätte sich für sie nie gestellt. Denn die Kanadierin liebt Kinder über alles. Deshalb hat sie im Sommer zwischen der 11. und 12. Klasse als Kindermädchen gearbeitet.

Doch mehr und mehr sorgt sich die junge Frau um ihre Zukunft und das hat folgenschwere Konsequenzen. Auf ihrer Website schreibt sie: „Wir sind in so viel größerer Gefahr, als ich es mir hätte vorstellen können.“

Das habe ihr der IPCC-Bericht deutlich gemacht, den sie im letzten Jahr gelesen habe. „Er hat mich erschreckt.“ Sie sei „nur ein Teenager“. Soweit sie sich erinnern könne, hätte sie die Folgen des Klimawandels in ihrem Umfeld sehen können. Beispielsweise gab es in ihrer Region plötzlich jährliche Überschwemmungen und Hitzewellen im Sommer. Selbst im Winter sei es so warm, dass man nicht mehr auf dem Teich Schlittschuhe laufen könne.

Die Welt stehe „vor vielen, nicht rückgängig machbaren Veränderungen: dem Verlust des Ökosystems, dem Verlust von Süßwasser, dem Verlust sauberer Luft.“

Die junge Frau stellt sich vor, wie sie mit ihren Kindern singt, ihren Erzählungen lauscht, mit ihnen Hausaufgaben macht, bäckt, malt, in der Natur spazierengeht oder in der Küche tanzt.

Wäre da nur nicht dieser Schmerz, den sie verspürt bei dem Gedanken, dass sie derartige Momente möglicherweise nie erleben wird. Auf ihrer Website heißt es:

Denn obwohl ich Kinder mehr als alles andere auf der Welt bekommen möchte – was für eine Mutter wäre ich, wenn ich ein Baby in eine Welt setzen würde, wo ich nicht garantieren könnte, dass sie sicher sind?“

Emma malt ihre Zukunft düster, „eine Zukunft der wirtschaftlichen Instabilität, der Nahrungsmittelknappheit und extremen Wetters“. Was wäre, wenn das Geld für die Unterkunft nicht mehr ausreichen und dafür die Ausbildung ihres Kindes geopfert werden müsste? Was wäre, wenn sie sauberes Wasser kaufen müsste? Sie fragt sich, was sie tun solle, wenn sie aus ihrer Stadt flieht oder ihr Baby krank würde, die Krankenhäuser jedoch überfüllt sind. Für viele Menschen seien diese Ängste bereits Realität, schreibt Emma auf ihrer Website.

Mit dem Blick auf ihre Zukunft gerichtet, hat sich die Kanadierin entschlossen, eine Erklärung abzugeben – ein öffentliches Versprechen, einen Appell an alle Politiker:

„Ich gebe meine Chance auf eine Familie auf, weil ich nur dann Kinder bekommen werde, wenn ich weiß, dass sie sicher sind. Es bricht mir das Herz, aber ich habe dieses Versprechen gegeben, weil ich weiß, dass ich nicht allein bin. Ich bin nicht die einzige Jugendliche, die lebenslange Träume aufgibt, weil sie sich nicht sicher ist, was die Zukunft bringt.“

Die Berichte der Wissenschaft lägen vor, jetzt müsse die Regierung handeln.

UN-Klimagipfel

Mit ihrer „No Future – No Children“-Bewegung hat die Studentin der Mc Gill Universität viele Gespräche mit Jugendlichen aus der ganzen Welt geführt. Doch sie spüre eine gewisse Leere. „Es ist schwer, still dazusitzen und Menschen zuzuhören, die über dringende Lösungen sprechen, während nichts gelöst wird“, sagt sie über den Klimagipfel, der in New York stattfand.

Emma nannte es den „mächtigsten und symbolischsten Moment des Gipfels“, dass  Generalsekretär António Guterres in seinen einleitenden Worten sagte, dass er seit langem auf Klimaschutz dränge und sich selbst in Schwierigkeiten befinden würde. „Es ist sehr beunruhigend zu hören, dass jemand, der auf höchster Ebene der Klimaschutzmaßnahmen so wichtig ist, sagt, dass er Probleme bei der Bewältigung der Krise hat“, betonte die Studentin.

In einem Bericht der kanadischen Delegation zum UN-Klimagipfel ist ausgeführt, dass die angehende Wissenschaftlerin bewusst „einen massiven Teil ihres Lebens“ für die Probleme und Lösungen zum Klimawandel opfert, weil sie sich so sehr darum sorge. Unter Tränen fügte sie hinzu:

Das ist eine Last, die ich gewählt habe.“

Sie könne nicht damit leben, nichts zu tun. Und richtet damit ihre Kritik an die Erwachsenen, die „nicht an unserer Seite stehen“.

Erst am Freitag ging die Website von Emma „nofuturepledge“ online. Um 16.30 Uhr hatten laut „Tag24“ bereits über 2.000 Menschen die Erklärung unterschrieben, inzwischen sind es über 3.200 (Stand 24.09.19, 8.30 Uhr), die Emma viral zur Seite stehen.

Auch sie haben sich auf Emmas Internetseite  mit ihrem Bekenntnis verpflichtet: „Ich verspreche, keine Kinder zu bekommen, bis ich davon überzeugt bin, dass die Regierung genug dafür getan hat, um eine sichere Zukunft zu gewährleisten.“

Düstere Zukunftsaussichten auch in Norddeutschland

Menschen aus aller Welt haben sich Emma angeschlossen, unter ihnen auch der im norddeutschen Meldorf lebende Jacob Diercks. Der 18-Jährige schreibt: „Ich lebe im Norden Deutschlands an der Nordsee, dem rauesten Meer der Welt.“ Vor zehn Jahren sei es dort noch warm gewesen, bis um die 20 Grad Celsius, wegen der arktischen Winde lagen die Temperaturen oft darunter. Jetzt hingegen seien es einerseits über 30 Grad im Sommer und andererseits an manchen Tagen extrem kalt. Die Bauern befänden sich in Schwierigkeiten. Im vergangenen Sommer sei auf den Feldern alles überschwemmt worden, in diesem Sommer verbrannt. Dass die Regierung den Bauern Millionen gezahlt hat, ändert wenig an der Situation an sich. „Es wird immer schlimmer. Die Ernte im vergangenen Jahr betrug durchschnittlich 20 Prozent weniger.“

„Ich halte es für unverantwortlich, Kinder solchen Gefahren auszusetzen. Unsere Regierung tut zu wenig, um das Klima und damit unsere Region zu schützen. Wo ich lebe, wird bald alles überschwemmt sein, und es gibt nichts, was ich tun kann, um diesen Ort für meine Kinder zu retten.“

Kanadier befürchtet Migrantenflut

Der 19-jährige Jacob Bildy aus der kanadischen Provinz Ontario gibt zu bedenken, dass der Klimawandel unterschätzt würde. „Stellen Sie sich vor, Sie würden ein Fieber abweisen, indem Sie Ihrem Körper sagen, dass Ihr Körper schon einmal diese Wärme gespürt hätte. Es sind Symptome, die zählen.“

Die Weltbank hat einen Bericht veröffentlicht, nachdem bis zum Jahr 2050 über 140 Millionen Menschen aufgrund des Klimawandels in andere Länder migrieren würden, führt Jacob an. Die Vereinten Nationen würden sogar von noch mehr Menschen ausgehen. Bereits im Jahr 2015 hätten weniger als ein Prozent davon das europäische Einwanderungssystem an seine Grenzen gebracht und dafür gesorgt, dass rechtsextremistische Parteien Zuwachs bekommen. Der 19-jährige befürchtet, dass faschistische Parteien an die Macht kommen könnten.

Das Jahr 2050 liegt für Jacob nicht in ferner Zukunft. Die Kinder in seiner Generation, die gerade die Oberstufe durchlaufen, könnten dann mit einem Chaos konfrontiert sein, dass von den einzelnen Generationen verursacht wurde, weil alle gesagt hätten: „Das ist nicht mein Problem“. Dadurch würden sich die Kinder jetzt „im Kreuzfeuer“ befinden. Der 19-Jährige betont:

„Probleme zu lösen und die Verantwortung zu übernehmen, ist schwierig. Aber wenn es bedeutet, dass unsere Kinder auf eine Welt voller Möglichkeiten und nicht auf eine Welt voller Katastrophen blicken könnten, ist es wahrscheinlich wert, dafür einzustehen.“ (sua)



Gerne können Sie EPOCH TIMES auch durch Ihre Spende unterstützen:

Jetzt spenden!


Kommentare
Liebe Leser,

vielen Dank, dass Sie unseren Kommentar-Bereich nutzen.

Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen, Schimpfworte, aggressive Formulierungen und Werbe-Links. Solche Kommentare werden wir nicht veröffentlichen. Viele Kommentare waren bisher schon anregend und auf die Themen bezogen. Wir bitten Sie um eine Qualität, die den Artikeln entspricht, so haben wir alle etwas davon.

Da wir die juristische Verantwortung für jeden veröffentlichten Kommentar tragen müssen, geben wir Kommentare erst nach einer Prüfung frei. Je nach Aufkommen kann es deswegen zu zeitlichen Verzögerungen kommen.

Die Kommentarfunktion wird immer weiter entwickelt. Wir freuen uns über Ihr konstruktives Feedback, sollten Sie zusätzliche Funktionalitäten wünschen an [email protected]


Ihre Epoch Times - Redaktion