Der Rhein hat derzeit wenig Wasser - so wie hier in Bonn.
Der Rhein hat derzeit wenig Wasser - so wie hier in Bonn.Foto: Roberto Pfeil/dpa

Ohne Wasser fließt vielerorts kein Strom

Epoch Times17. August 2022 Aktualisiert: 17. August 2022 15:42

Ob als Transportweg, für die Kühlung oder als ganz eigener Energieträger: Flüsse spielen in der deutschen Stromversorgung eine zentrale Rolle. Wenn die Wasserstände zu sehr abfallen, können Kraftwerke nicht mehr mit Brennstoff versorgt und gekühlt werden, Wasserkraftwerke stehen still.

Insbesondere Steinkohlekraftwerke werden über den Wasserweg mit Kohle versorgt. Aktuell ist dies aber nur eingeschränkt möglich, insbesondere auf der besonders wichtigen Wasserstraße Rhein. Laut Bundesverband der Deutschen Binnenschifffahrt können Transportschiffe an dem wichtigen Knotenpunkt Kaub in Rheinland-Pfalz derzeit maximal zu einem Viertel beladen werden.

„Das führt dazu, dass man sich eben jetzt überlegen muss, wann man die Steinkohle verfeuert, die man noch hat – denn man weiß nicht, wann man wieder welche bekommen kann“, sagt Fabian Huneke von der Energieberatungsgesellschaft Energy Brainpool. Grundsätzlich könne Kohle zwar auch per Straße oder auf der Schiene transportiert werden. „Aber da ist einfach die Logistik dahinter überhaupt nicht aufgebaut“. Die Bundesregierung will künftig Kohletransporte auf der Schiene priorisieren – Nachsehen hätte der Personenverkehr.

Ein weiteres Problem ist die Kühlung von Dampfkraftwerken: Ob Kern-, Steinkohle- oder Braunkohlekraftwerk, alle erzeugen Strom mittels einer Dampfturbine. Sind die Pegelstände zu gering, droht das Kühlwasser knapp zu werden. Hinzu kommen Umweltauflagen, die einen Weiterbetrieb der Kraftwerke ab einer bestimmten Wassertemperatur verbieten.

Aktuell sind laut Huneke etwa nur neun von 15 Gigawatt Kapazität bei den Steinkohlekraftwerken verfügbar – unklar ist, ob dies an fehlendem Kühlwasser oder Brennstoff liegt.

Laufwasserkraftwerke und Speicherwasserkraftwerke können aktuell nur eingeschränkt Strom produzieren, weil weniger Wasser in den Flüssen und in den Speicherseen ist. Mit rund 3,4 Prozent Anteil am in Deutschland produzierten Bruttostrom machte Wasserkraft im vergangenen Jahr jedoch nur einen geringen Teil der Stromversorgung aus.

Stärker ins Gewicht fällt die Lage am europäischen Strommarkt: In Frankreich, normalerweise insbesondere im Sommer ein Stromexporteur, stehen derzeit viele Atomkraftwerke still. Grund sind neben fehlendem Kühlwasser, insbesondere Korrosionsrisse in den Anlagen. Die Folge hierzulande: Gaskraftwerke müssen verstärkt laufen, um Strom nach Frankreich zu exportieren. „Ohne diese Nicht-Verfügbarkeit der Kernkraftwerke in Frankreich wären die Strompreise in Deutschland sehr viel geringer“, sagt Huneke.

Einen Ausbau der Infrastruktur für die Binnenschifffahrt oder das Schienennetz hält Huneke mit Blick auf die Stromversorgung allerdings für wenig lohnenswert. „Ich vermute, dass in der uns zur Verfügung stehenden Zeit die Steinkohlelogistik nicht wesentlich verbessert werden kann“, sagt er. Bleibt es beim Kohleausstieg 2030, hätten die Investitionen nur eine sehr kurze Lebensdauer. (afp/dl)



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