Gasffackeln in Hajdúszoboszló, Ungarn während der Gaskrise 2009.Foto: ATTILA KISBENEDEK/AFP via Getty Images

Experte: Wintergasmangel in Europa kann 3 bis 5 Jahre dauern

Von 10. September 2022
Nicht nur in diesem Winter werden wir mangels ausreichender Versorgung auf Gas verzichten müssen. Experten und Politiker ziehen Bilanz über die Aussichten für die kommenden Winter.

Die Energiekrise ist in vollem Gange. Der Wintergasmangel könnte mindestens drei Jahre andauern, sagt Ed Morse, Leiter der globalen Rohstoffmarktforschung der Citigroup in Europa.

„Wir werden sehen, dass die Preise in Europa zwischen 2025 und 2027 wieder auf dem Stand von Anfang 2021 sein werden“, sagte Morse in einem Interview mit Bloomberg. Gleichzeitig wies er darauf hin, dass die Kapazität für den Export von verflüssigtem Erdgas (LNG) „nicht über Nacht wächst“. Die derzeitige Energiekrise in Europa wurde dadurch ausgelöst, dass Russland die Erdgaslieferungen in die Region drosselte. Dies ist eindeutig eine Gegenmaßnahme zu den Sanktionen gegen Moskau wegen des Einmarsches in der Ukraine.

Da die russischen Gasexporte zurückgehen, werden die Reserven wahrscheinlich schneller erschöpft sein. Das macht es noch schwieriger, die Gasreserven für den kommenden Winter vorzubereiten.

Gasspeicher ohne Nachfüllung: Wintergasmangel

Niek den Hollander, Geschäftsführer des deutschen Energieriesen Uniper SE, kommentierte dies ebenfalls. Er sagte, dass es in vielen Ländern Europas im nächsten Sommer nicht möglich sein wird, die Gasspeicher in demselben Umfang wie in diesem Jahr zu füllen. Dies könnte im nächsten Winter zu einem Problem werden.

Die europäischen Energieminister trafen sich am 9. September, um über die Energiekrise in der Region zu diskutieren. Zu den Themen gehören Maßnahmen zur Kostenkontrolle, Obergrenzen für Gaspreise und sogar die Aussetzung des Derivatehandels im Energiesektor.

Die Ratingagentur Fitch geht davon aus, dass der Plan der EU angemessen ist. Eine Entscheidung, alternative Gaslieferungen zu fördern und den Gasverbrauch bis 2023 um 15 Prozent zu senken, könnte helfen, akute Engpässe auf dem Kontinent zu vermeiden.

Die Situation der Gasversorgung und Wintergasmangel in der EU ist jedoch immer noch durch eine Reihe von Unwägbarkeiten kompliziert. Dazu gehören der Krieg in der Ukraine, die LNG-Versorgung und die Temperaturentwicklung, so Fitch.

Finanzielle Probleme

Die Gasversorgungskrise und die daraus resultierenden Preissteigerungen setzen die europäische Wirtschaft unter finanziellen Druck. Am 5. September stieg der niederländische TTF-Gasvertrag für Oktober auf 272 Euro pro Megawattstunde. Dies geschah, nachdem Russland angekündigt hatte, Nord Stream 1 auf unbestimmte Zeit abzuschalten. Das ist ein Anstieg von rund 400 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Die europäischen Unternehmen fordern nun mindestens 1,5 Billionen Euro an öffentlicher Finanzierung, um ihre Verpflichtungen zur Deckung von Verlusten zu erfüllen.

Energieversorgungsunternehmen verlangen in der Regel von den Unternehmen eine Sicherheitsleistung, bevor sie Energie liefern. Die Verknappung der Gaslieferungen hat zu einem sprunghaften Anstieg des Preises für die Mindestvorauszahlung geführt, wodurch viele Unternehmen in eine schwierige finanzielle Lage geraten sind.

„Das sieht nach einer Art Lehman Brothers in der Energiebranche aus“, sagte der finnische Wirtschaftsminister Mika Lintila und bezog sich dabei auf den 1,5-Billionen-Euro-Plan zur Finanzierung von Energieunternehmen. Als Lehman Brothers, die damals viertgrößte US-Investmentbank, im September 2008 mit mehr als 600 Milliarden Dollar Schulden Konkurs anmeldete, löste dies den schlimmsten Teil der US-Finanzkrise aus.

Italien, das drei Viertel seiner Energie importiert, ist ein Beispiel für diese Entwicklungen. Das Land wird die Kosten für Energieimporte bis 2022 mehr als verdoppeln, wie der italienische Wirtschaftsminister kürzlich erklärte.

Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel: Winter Gas Shortages in Europe Likely to Last 3 to 5 Years, Commodities Expert Says (redaktionelle Bearbeitung ae)

 



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