VW ist auch in Chongqing (China) tätig. Was geschieht mit dem Konzern, wenn Sanktionen gegen China ergriffen werden sollten?Foto: iStock

„Mit Volldampf in die falsche Richtung“ – Deutsche Abhängigkeit von China steigt

Von 25. August 2022
Deutsche Firmen sollten sich dringend so aufstellen, dass ein Kollaps ihres China-Geschäfts nicht das gesamte Unternehmen in Existenznot bringt. Das Institut für Deutsche Wirtschaft fordert ein wirtschaftspolitisches Umsteuern.

Obwohl die massive wirtschaftliche Abhängigkeit der deutschen Wirtschaft von China bekannt ist, hat sich nichts getan. Stattdessen fand im ersten Halbjahr 2022 das Gegenteil statt, bilanziert das Institut für Deutsche Wirtschaft in einer neuen Studie.„China-Abhängigkeiten der deutschen Wirtschaft: Mit Volldampf in die falsche Richtung“, betitelte Jürgen Matthes den entsprechenden IW-Kurzbericht vom 19. August.

Ein Kollabieren des China-Geschäfts ist denkbar

Angesichts des Verhaltens Pekings im Ukraine-Russland-Krieg und den Drohungen gegenüber Taiwan sei die Abhängigkeit der hiesigen Wirtschaft zu einem politischen Problem geworden:

  • Die deutsche Wirtschaft ist sehr viel abhängiger von China als umgekehrt.
  • Direkte Investitionen in China waren noch nie so hoch.
  • Die Importe aus China erreichen ein Allzeithoch.
  • Immer mehr Konzerne produzieren direkt in China, statt dorthin zu exportieren.
  • Das deutsche Ausfuhrwachstum nach China nahm ab.

Deutsche Firmen sollten sich so aufstellen, dass ein Kollaps ihres China-Geschäfts nicht das gesamte Unternehmen in Existenznot bringt. Diese Aufgabe sei „höchst dringend“, schreibt Matthes. Ein Einmarsch Pekings in Taiwan könnte zu „umfangreichen Sanktionen des Westens gegenüber China“ führen, ein Kollabieren des China-Geschäfts wäre denkbar.

Die hohe Importabhängigkeit würde dann nicht nur „massive Engpässe bei vielen Zulieferungen“ bewirken. Auch die deutschen Unternehmen, die direkt in China vor Ort sind, könnten dadurch in die Pleite geraten. Vonseiten der Politik wird befürchtet, in jenem Fall bei kriselnden Großunternehmen als Retter der Arbeitsplätze einspringen zu müssen.

Obwohl diese Risiken bekannt sind, habe im ersten Halbjahr 2022 die wirtschaftliche Verflechtung mit China weiter zugenommen.

Überproportionale Steigerung bei Investitionen in China

Laut den Daten des Instituts investierte die deutsche Wirtschaft allein im ersten Halbjahr rund 10 Milliarden Euro in China. Der bisherige Rekord seit dem Jahr 2000 lag bei 6,2 Milliarden Euro.

Ein weiterer Rekord wurde beim Import von Waren aus China erreicht. Der Wert der Importe sei um 45,7 Prozent extrem stark angestiegen (gegenüber dem ersten Halbjahr 2021). Verglichen mit Importen aus anderen Staaten, die wertmäßig „nur“ um 25,5 Prozent zulegten, sei dies eine überproportionale Steigerung. Mittlerweile importiere Deutschland 12,4 Prozent seiner Waren aus China.

Damit verbunden seien massive Preissteigerungen. Bei chemischen Erzeugnissen stieg die importierte Menge um 30 Prozent zum Vorjahreszeitraum, der Importwert jedoch „um fast 500 Prozent von 3,1 Milliarden Euro auf 18,5 Milliarden Euro“.

Damit baue China seinen Rang „als wichtigster deutscher Importlieferant bei der gesamten Einfuhr mit der Entwicklung im ersten Halbjahr 2022“ noch weiter aus.

Das zweitwichtigste Lieferland für Deutschland sind die Niederlanden. Von dort stammen 8,4 Prozent der Importe.

Umsteuern der Politik dringend nötig

Matthes fordert dringend ein wirtschaftspolitisches Umsteuern. Es gehe zwar nicht um eine vollständige Entkopplung, jedoch um eine „Reduzierung der überproportionalen relativen Bedeutung“ von China.

Die Handels- und Investititionsbeziehungen mit anderen Schwellenländern, vor allem in Asien, sollten diversifiziert werden. Bestehende positive Anreize vonseiten der deutschen Politik für ein Engagement in China sollten zügig abgebaut werden. Das bereits ausgehandelte bilaterale Investitionsabkommen zwischen der EU und China sollte nicht ratifiziert werden.

Auf Unternehmerseite schlägt der Autor vor, das Management zu verpflichten, entsprechendes Risikomanagement zu betreiben, um – ähnlich wie im Bankensystem – im „Verlustfall einen Bailout durch den deutschen Steuerzahler auszuschließen“.



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