„Das verbreitete Weltbild ist freundlich und bunt“: YouTube-Jugendkanal von ARD/ZDF in der Kritik

Von 4. Juni 2020 Aktualisiert: 16. Juni 2020 11:56
ARD und ZDF verlieren immer mehr Zuschauer, vor allem junge Menschen wandern ab - ins Internet. ARD und ZDF gingen mit und gründeten vor einigen Jahren das Online-Medienangebot und Content-Netzwerk "funk". Epoch Times fragt: Was lernen 14- bis 29-Jährige dort?

Das Onlineangebot funk für 14- bis 29-Jährige soll „identitäts- und demokratiestiftend sowie meinungsbildend wirken“. Ausgegeben werden dafür 45 Millionen Euro (ARD bekommt zwei Drittel, ZDF ein Drittel). Das Jugendangebot läuft auf den Plattformen YouTube, Facebook, Twitter, Instagram, TikTok, Spotify und Snapchat mit derzeit über 70 verschiedenen Kanälen. Was wird den Jugendlichen und jungen Erwachsenen angeboten – bezahlt von den Rundfunkgebühren?

Prof. Dr. Klaus Goldhammer und Dr. André Wiegand benennen als relevante Genres unter anderem Musik/Jugendkultur, Wissen (Service) und hintergründige Information, Comedy/Unterhaltung, Film/Serien sowie Sport. Auch serielle Inhalte zur Unterhaltung und Events sind Teil von funk, wie sie in ihrem Gutachten „Jugend Angebot von ARD und ZDF“ im Jahr 2015 schrieben.

Ein umstrittenes Satire-Video der vergangenen Monate: „Corona rettet die Welt“

Ein aktuelles Beispiel von Satiriker Schlecky Silberstein, der unter dem Namen „Bohemian Browser Ballett“ bei funk agiert: Vor kurzem schlug er mit einem Video im Internet Wellen. Am 11. März ging sein Video „Corona rettet die Welt“ online. Mit Stand 3. Juni erreichte es 350.028 Zuschauer und hat 12.567 positive und 9.251 negative Bewertungen.

Darin heißt es: „Interessant, wie fair dieses Virus dabei ist. Es rafft die Alten dahin, aber die Jungen überstehen diese Infektion nahezu mühelos. Das ist nur gerecht, immerhin hat die Generation 65 plus diesen Planeten in den vergangenen 50 Jahren voll an die Wand gefahren.“

Auf die unzähligen Proteste, die beim Presserat eingingen, schrieb der YouTube-Kanal: „Unser Anliegen war eine satirische Einordnung des Virus als vermeintlicher Schutzreflex des Planeten. Im Kern geht es um die Beobachtung der überraschenden Wechselbeziehung zwischen den Konsequenzen der Corona-Pandemie und den Effekten für das Klima. Darin steckt eine zugegebenermaßen extrem bittere Ironie, auf die wir mit dem satirischen Stilmittel der Übertreibung aufmerksam machen wollen … Daher stehen wir weiterhin hinter unserer Arbeit und entschuldigen uns gleichzeitig bei allen, die wir mit dem Clip verletzt haben.“

Epoch Times fragt: Was lernen 14- bis 29-Jährige daraus?

Am 25. Mai stellte die Epoch Times diese Frage an funk, drei YouTuber, die Bundestagsabgeordnete Dorothee Bär (Beauftragte der Bundesregierung für Digitalisierung) sowie Prof. Dr. Paula Bleckmann (Professorin für Medienpädagogik), Dr. Nils Brüggen (JFF – Institut für Medienpädagogik) und einige mehr. Prof. Dr. Bleckmann und Frau Bär kamen aus Zeitmangel nicht zu einer ausführlichen Antwort, von allen anderen Angeschriebenen hat uns mit Stand 3. Juni nur funk geantwortet.

Wir fragten funk unter anderem: Im §11 des Rundfunkstaatsvertrags (9. Fassung vom 31. Juli 2006 bis 10. Oktober 2006) steht im Punkt 2: „Sein Programm hat der Information, Bildung, Beratung und Unterhaltung zu dienen. Er hat Beiträge insbesondere zur Kultur anzubieten.“ Menschen lernen aus allem und vor allem von Freunden und Gleichaltrigen. Meine Frage ist daher: Was lernen 14- bis 29-Jährige denn daraus?

Funk antwortete gebündelt für die drei YouTuber mit

Hier die schriftliche Antwort von funk in voller Länge:

Sie haben Ihre Anfrage auch an einige unserer Formate direkt gestellt. Wir antworten an dieser Stelle gerne gebündelt für funk.  

funk hat den Auftrag, die Lebenswirklichkeit und die Interessen junger Menschen als Zielgruppe in den Mittelpunkt zu stellen und leistet dadurch einen besonderen Beitrag zur Erfüllung des öffentlich-rechtlichen Auftrags nach § 11g RStV. Mit seinem Angebot soll funk die 14- bis 29-Jährigen auf den Plattformen erreichen, auf denen sie medial unterwegs sind und zwar sowohl mit informierenden, orientierenden als auch unterhaltenden Inhalten. Letztgenanntes stellt dabei also einen zentralen Bestandteil unseres Angebotes dar und ist nach §11 RStV klarer Auftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Die Inhalte von funk werden auf Basis von Produktionsverträgen umgesetzt, dementsprechend auch finanziert und die Protagonist*innen bezahlt.  

Bei der Realisation der Inhalte setzen sich die Formate von funk kontinuierlich mit ihrer Community auseinander, um ein Gefühl dafür zu bekommen, welche Themen die Lebenswirklichkeit der Nutzer*innen bestimmen.

Zu den Videos

Das Format „Auf Klo“ beispielsweise widmet sich unter anderem Tabu-Themen und Erwartungen, die junge Frauen und Menschen aus der LGBTQ+ Szene beschäftigen, über die selten geredet wird. Damit bietet das Format Orientierung und Aufklärung und sorgt dafür, dass für die Zielgruppe wichtige Themen eine Plattform bekommen und enttabuisiert werden, wie bei dem von Ihnen genannten Video.

Einige unserer Formate, wie beispielsweise auch das von Ihnen genannte Format “Bohemian Browser Ballett“, sind dabei zudem der Satire zuzuordnen. Das „Bohemian Browser Ballett“ ist für seine Produktionen schon mit dem renommierten Grimme-Preis ausgezeichnet worden. Ein sich wiederholendes Stilelement bei Videos des Bohemian Browser Balletts ist, dass radikale Positionen persiflierend eingenommen werden. Ein Statement zu einem der genannten Videos finden Sie zudem hier

Auch das Format „World Wide Wohnzimmer“ ist ein Unterhaltungsformat von funk, das sich auf unterhaltsame Weise mit Themen der Online-Szene beschäftigt. Das „Hater-Interview“ macht auf Hass im Internet aufmerksam und ermöglicht, zu zeigen, wie man sich gegen diesen Hass stellen kann. 

Jedes unserer über 70 Formate kümmert sich selbst um die Beantwortung der Kommentare und entwickelt so einen Austausch und ein Gefühl für seine Community. Dass Hatespeech grundsätzlich ein großes Problem auf Social-Media-Plattformen darstellt, beobachten wir auch. Wie auch andere Plattformen arbeiten wir hier mit einer Netiquette. funk bietet allen Creator*innen im Content-Netzwerk, die vor der Kamera stehen, zusätzlich Unterstützung im Umgang mit Beleidigungen und Hassbotschaften. 

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Grundsätzlich kann sich jede*r bei funk mit eigenen Formatideen bewerben, nähere Informationen finden Sie hier. Ein Team aus Formatentwickler*innen prüft im nächsten Schritt, ob der Formatvorschlag gut gedacht, spannend für die Zielgruppe ist und Lücken im Portfolio schließt.  

Das verbreitete Weltbild ist freundlich und bunt

Mit dabei sind bei funk YouTuber wie MrWissen2go, das World Wide Wohnzimmer, Eda Vendetta, das Y-Kollektiv, Das schaffst du nie! und eine Aufklärungssendung namens „Fickt Euch!“. Weitere: „Auf Klo“, #OMG, TOURETTIKETTE, die Staffel von Wishlist, DIE DA OBEN!, GERMANIA oder DISSLIKE.

Hannah Lühmann beschäftigte sich kürzlich in der „Welt“ mit der Ideologie, die hinter dem Jugendangebot steht – und erklärt: Diese sei fatal. Sie durchforstete die Serie „Mädelsabende“ mit 150.000 Abonnenten auf Instagram. Lühmann konstatierte:

Ein junger Mensch stellt fest, dass es ein Phänomen gibt (Akne, Magersucht, Penisse, Jungfernhäutchen, Häusliche Gewalt, Gewerkschaften, Transsexualität), befragt dann irgendwelche Experten oder sonstige Protagonist*innen (das Gendern ist fester Teil der DNA der meisten dieser Formate) dazu, was man über dieses Phänomen wissen muss, „wie es sich anfühlt“ oder „mit welchen Vorurteilen man da konfrontiert ist“ und bereitet die so gewonnenen „Fakten“ dann spielerisch für ein Publikum auf, das sie dann als Bestandteile seines „total aufgeklärten“ Weltbilds weiterträgt ...

Das kommt als vorurteilsfreie, lockere „Aufklärung“ daher, hat sich aber zu einer eigenen, ziemlich platten Form des Aktivismus entwickelt: ständig geht es darum, „aufzuklären“ und „Vorurteile abzubauen“. Was an sich ja nicht schlimm ist – das verbreitete Weltbild ist freundlich und bunt –, aber doch erheblich am Bildungsauftrag vorbeigeht.

Ihr Fazit: „Funk heute, das ist wie eine Mischung aus ‚Bravo‘ und Privatfernsehen, nur mit missionarischem Anspruch.“

„Das Bällebad von ARD und ZDF“

Antje Hildebrand bezeichnete funk im Jahr 2016 als einen „faulen Kompromiss“: „Das Bällebad von ARD und ZDF. Die Kinderecke für 14- bis 29-Jährige.“ Es gäbe darin eine „Handvoll gut gemachter Formate, die ohne eine öffentlich-rechtliche Anschubfinanzierung vielleicht gar nicht erst zustande gekommen wären.“ Doch insgesamt sei funk der

verzweifelte Versuch, mit einem unverhältnismäßig hohen finanziellen Aufwand eine Lücke zu schließen, die es gar nicht gibt. Man ist geneigt, von einer Luftnummer zu sprechen“.

Justus Haucap, Wirtschaftsprofessor aus Düsseldorf und ehemaliger Vorsitzender der Monopolkommission, gab bereits 2016 zu bedenken, dass der deutsche Gebührenzahler damit die Gewinne von Google, zu dem YouTube gehört, steigert.

Er sah keine Notwendigkeit für das Jugendangebot von ARD und ZDF im Internet „Es gibt bei YouTube und anderswo eine sehr breite Angebots-Vielfalt.“ Es „werden ja faktisch extra Sendungen für diese Kanäle produziert“, sagt Haucap. „Einen öffentlich-rechtlichen YouTube-Kanal benötigen wir nicht.“