Eine Alternative zur Abschaffung des Bargeldes wäre die Einführung neuer Banknoten mit hohem Nennwert, etwa 500, 1.000 oder gar 10.000 Euro-Scheinen, die der Wertaufbewahrung dienen, aber nicht unmittelbar zum Bezahlen genutzt werden können.Foto: iStock

Ökonomen raten der EZB: Erfüllt die Bargeldwünsche der Bürger – druckt die 10.000-Euro-Banknoten!

Von 9. November 2019 Aktualisiert: 9. November 2019 16:41
Zwei Professoren aus Münster und Pforzheim befürworten die Einführung von "neuen Banknoten mit hohem Nennwert" – Scheine im Wert von 1.000, 5.000 und 10.000 Euro. Sie sollen zur Geldaufbewahrung dienen, da der Wunsch nach Bargeld vor allem bei den Deutschen sehr stark ist.

Die Ökonomie-Professoren Aloys Prinz, Institutsdirektor für Finanzwissenschaft an der Universität Münster, und Hanno Beck, Professor für Volkswirtschaftslehre an der Hochschule Pforzheim, befürworten in einer gemeinsamen Stellungnahme „die Einführung neuer Banknoten mit hohem Nennwert“.

Die Ökonomen schlagen vor, Scheine im Wert von 1.000, 5.000 und 10.000 Euro zu drucken. Allerdings sollen die Scheine nicht als Zahlungsmittel genutzt werden.

Vielmehr sollen die Scheine zur reinen Wertaufbewahrung dienen. Wolle man damit etwas kaufen, müsse man diese vorher erst in kleinere Scheine bei einer Bank umtauschen.

EZB hat 500 Euro Schein jüngst erst abgeschafft

Der Vorschlag dürfte den Zielen der Europäischen Zentralbank (EZB) diametral entgegenstehen, die EZB dürfte andere Pläne haben.

Denn die höchstdotierte Banknote hat die EZB nämlich kürzlich erst abgeschafft. Der 500 Euro-Schein konnte nur noch bis zum 26. April 2019 bei der Deutschen Bundesbank erworben werden. Im Umlauf befindliche Scheine sind allerdings unbegrenzt gültig. Offizielle Begründung war, Terrorismus und Geldwäsche zu erschweren. Kritiker sehen dies bereits als Vorbote für die Bargeldabschaffung.

Aloys Prinz und Hanno Beck meinen, dass deren Idee Kriminalität nicht begünstige. Um die Scheine als direkte Bezahlmittel einzusetzen, müssen diese zunächst umgetauscht werden. Illegale Scheine würden so direkt aufgedeckt werden.

Großbritannien hat eine 100.000.000 Millionen Pfund Note

Tatsächlich gibt es in Großbritannien Banknoten im Wert von 1.000.000 Pfund („Giant“) und 100.000.000 Pfund („Titan“). Ein Großteil ist bereits als wertlos abgestempelt. Einige wenig Geldnoten werden aber noch im Inter-Banken-Handel eingesetzt.

In Schottland nutzen dies die Royal Bank of Scotland, die Bank of Scotland und die Clydesdale Bank. In Nordirland gibt es dies bei der Bank of Ireland, der Ulster Bank, der First Trust Bank und der Danske Bank.

Wandel der Bargeldfunktion

Beide Professoren sehen einen Wandel der Funktion des Bargeldes. Aktuellen Daten zufolge werde Bargeld zunehmend weniger als Zahlungsmittel eingesetzt. Bargeldlose Transaktionen seien also eindeutig effizienter.

Das belegt eine Analyse des EHI Retail Institutes, ein Forschungsinstitut aus Köln. Danach ist der Umsatzanteil von Bargeld im Einzelhandel im Jahr 2018 weiter gesunken. Erstmalig war der Anteil von Bargeldumsätzen mit 48,3 Prozent niedriger als der Anteil von Kartenzahlungen mit 48,6 Prozent.

Aloys und Beck sehen trotz sinkender Bedeutung des Bargelds als Zahlungsmittel einen Anstieg der Bargeldhaltung. So folgern sie, dass Geld als Wertaufbewahrungsmittel an Bedeutung gewinnt.

Dies belegen auch Zahlen des World Cash Report von G4S, eines der größten Sicherheitsunternehmen weltweit mit Sitz in Großbritannien. Danach soll der Bargeldumlauf weltweit von 8,1 Prozent im Jahr 2011 auf aktuell 9,6 Prozent gestiegen sein.

Bargeld als Absicherung gegen Risiken

Negative Zinsen, das Risiko von Banken- und Finanzmarktkrisen, gestiegene politische Unsicherheiten, aber auch Risiken des Stromausfalls (Energiewende) und des Ausfalls des Internets (Cyberattacken) machen Bargeldhaltung als Selbst-Versicherung gegen diese Risiken attraktiv.“, heißt es in dem Gutachten der Professoren.

Momentan werden Negativzinsen noch nicht an Kleinsparer weitergegeben. Derzeit überwiegend erst ab einem Betrag von 100.000 Euro. Ökonomen halten dies aber künftig für möglich.

Ähnlich argumentiert ein Geschäftsführer von GS4:

Die Leute vertrauen Bargeld. Es ist kostenlos und für Verbraucher leicht verfügbar, vertraulich, kann nicht gehackt werden und der Akku geht nicht aus – diese einzigartigen Eigenschaften sind für Menschen auf allen Kontinenten nach wie vor von erheblichem Wert“

Professoren appellieren an die EZB: Druckt das Geld

Aufseiten des Internationalen Währungsfonds gibt es seit längerem schon Überlegungen, Bargeldauszahlungen zu besteuern, um die Flucht vor Negativzinsen zu vermeiden.

Die Ökonomen Prinz und Beck warnen vor Ausweichreaktionen bei Bargeldabschaffungen. Diese könnten teuer, riskant und ineffizient sein. In Deutschland wären außerdem erhebliche Widerstände zu erwarten. Und auch die Akzeptanz des Euro könnte in Gefahr geraten.

Denkbar wären zudem ein Ausweichen auf „Kryptowährungen, Geldmarktfonds, Stable Coins oder andere Zahlungsmittel wie Warengutscheine.“ Die Ökonomen empfehlen der EZB daher, die Scheine zu drucken. So könnte die EZB zugleich auch das Vertrauen der Bürger wieder stärken.

 


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