Die Welt des Rupert Sheldrake – Teil 1

Von 2. März 2011 Aktualisiert: 2. März 2011 19:10
Dass die Wissenschaft sich sträubt, gerade die grundlegenden Fragen des Lebens wirklich zu beantworten, ist vielleicht der Grund, warum sich die Natur anscheinend gegen uns stellt. Wenden wir uns aber diesen Fragen zu, könnte die Lösung scheinbar unlösbarer Probleme in greifbare Nähe rücken.

Während eine ganze Armee von Wissenschaftlern und Genetikern den Weg zur Lösung der letzten Rätsel der Gentechnik bahnt, stellt sich ein umstrittener britischer Biologe hin und erklärt, wie unsere Anatomie und unsere Gedanken mit dem Universum über mystische und übersinnliche Kräfte in Verbindung stehen könnten.

Im Gegensatz zum mechanistischen Verständnis der biologischen Prozesse glaubt der Biologe und Autor Rupert Sheldrake, dass Gene keine Informationen über die Form eines Lebewesens enthalten. Genauso, wie ein Same keine mikroskopisch kleinen Bäume enthält – so behauptet der Autor von „New Science of Life“ -, sind Gene nicht in der Lage, die Informationen zur Entstehung einer Pflanze, eines Tieres oder eines Menschen zu speichern. Aber um Sheldrakes unkonventionelle Idee verstehen zu könnten, ist es vielleicht notwendig, den Ursprung unseres Universums, den Big Bang (Urknall), zu überdenken.

Laut Sheldrake erwarb das Universum – von seinem Anfang bis in die heutige Zeit – bestimmte Eigenschaften, während es andere verlor. Mit der Zeit ergaben diese Eigenschaften eine Fülle von gespeicherten Erinnerungen oder – wie manche sie bezeichnen mögen – „Naturgesetzen“. Diese Idee, die nicht neu ist und nicht ausschließlich von der holistischen Biologie vertreten wird, gab es schon lange vor Sheldrake.

In „Life and Habit“ schlug Samuel Butler vor, dass tierische Instinkte, die Bildung des Embryos und sogar die der Atome, Moleküle und Kristalle durch eine Art allem innewohnendes Gedächtnis beeinflusst wird. Zum Beispiel ist die Bewegung eines Atoms unabhängig vom Willen eines Menschen. Wenn Protonen, Neutronen und Elektronen sich umeinander drehen, wird das Universum tun, was es schon ewig tut, es läßt sie sich zu einem Atom formieren. Angeblich wirken starke Kernkräfte, Elektromagnetismus und so weiter, die unweigerlich zur Bildung des Atoms führen.

Diese Argumentation überträgt Sheldrake auf ein besonderes Beispiel – eines der größten Rätsel der zeitgenössischen Biologie, ein Rätsel, für das viele Wissenschaftler nicht viel Interesse zeigen: Wie wächst und entwickelt sich ein Organismus aus seinem Urzustand? Wie entstehen Pflanzen aus Samen? Wie entwickeln sich Embryos aus befruchteten Eizellen?

Im 17. Jahrhundert schlug die mechanistische Theorie einen schrittweise funktionierenden Mechanismus vor. Ein einleuchtender Grund für das Wachsen einer Eichel war ein winzig kleiner Eichenbaum im Inneren der Eichel.

So war das, was die Eiche benötigte, lediglich Wasser, Sonne und andere Ressourcen, um sich zu einem Baum zu entwickeln. Diese Idee ergab aber ein weiteres Dilemma: Wenn eine kleine Eiche in der Eichel war, würden in ihren Eicheln wiederum Eichen enthalten sein und diese wiederum Eicheln tragen und so weiter und so fort … bis ins Unendliche.

Erinnern wir uns daran, dass die Geschichte der Wissenschaft immer wieder neu geschrieben wurde aufgrund von teilweise lachhaften Hypothesen. Es genügt schon, sich an die „spontane“ Entstehung von Fliegen aus verdorbenem Fleisch oder die „Entwicklung und Potenzierung von Organismen durch Notwendigkeit“ von J.B. Lamarck zu erinnern. Heute scheinen diese Ideen naiv und dumm, zu einer anderen Zeit aber diktierten sie die Norm. Für Sheldrake ist die aktuelle Genetik lediglich eine neue Maske der alten Idee der Vorherbildung. Es gibt hier zwar keine Miniatur des Baumes in der Eichel, aber er ist in den Genen innerhalb der Eichel kodiert, die ihrerseits den Genen der Eiche entstammen, die wiederum einer Eichel entstammen und so weiter und so fort … bis ins Unendliche.

„Die meisten Biologen betrachten es für erwiesen, dass lebende Organismen nichts weiter als komplexe Maschinen sind, die einzig durch die bekannten Gesetze der Physik und Chemie beherrscht werden. Aber nach vielen Jahren der Betrachtung bin ich zu dem Schluss gekommen, dass eine solche Annahme schwer vertretbar ist. Denn wenn heute noch so wenig verstanden wird, gibt es die offene Möglichkeit, dass wenigstens einige der Phänomene des Lebens von Gesetzen und Faktoren abhängen, die von der heutigen physikalischen Wissenschaft nicht erkannt werden“, schreibt Sheldrake in seinem Buch „Das schöpferische Universum“.

Zwischen DNS und Seele

Die umstrittenen Theorien von Sheldrake sind, wie oben erwähnt, nicht neu. Aristoteliker und Platoniker hatten bereits eine ähnliche Meinung. Erstere behaupteten, dass alle Spezies ihre eigene Art Seele besitzen – die wahre Form des Körpers. Zum Beispiel beinhaltet die Seele einer Eiche eine mögliche Eiche (wie die Kuchenform die Form für einen Kuchen). Übersetzt in das aktuelle Verständnis schlägt Sheldrake vor, dass die DNS dadurch einen „dreidimensionalen Bauplan des Organismus“ enthält, was ihr Eigenschaften verleiht, die bis dato nicht nachgewiesen werden konnten.
„Wir wissen, was die DNS bewirkt“, schreibt Sheldrake in seinem Blatt „Psychological Perspectives“. „In ihr sind die Proteine kodiert; sie beinhaltet die Kodierung der Aminosäuren zum Aufbau der Proteine. Es ist allerdings ein großer Unterschied zwischen der Kodierung für die Struktur eines Proteins – dem chemischen Baustein eines Organismus – und der Programmierung der Entwicklung eines vollständigen Organismus. Es kann mit dem Unterschied zwischen der Herstellung eines Ziegelsteins und dem Bau eines Hauses verglichen werden.“

Genetiker wissen seit Jahren, dass ein DNS-Molekül nur die Kodierung der Bausteine beinhaltet, die für die Formgebung und Funktion des Körpers benötigt werden. Aber woher die spezialisierten Zellen der Augen, der Bauchspeicheldrüse oder der Nerven wissen, wo sie sich bilden müssen, bleibt für sie noch immer ein unergründliches Rätsel. „Die DNS beinhaltet den Code der Materialien, aus denen der Körper zusammengesetzt ist: der Enzyme, der Proteine und so weiter. Es gibt keine Hinweise darauf, dass sie auch den Code für den Plan, die Form, die Morphologie des Körpers enthält“, schreibt Sheldrake.

Die heutigen Biologen behaupten, dass die atomare Positionierung von der embryonalen Entwicklung bis zum Erwachsenenalter auf komplexen Mustern physio-chemischer Interaktionen beruhen, geben aber zu, dass dieser Prozess noch nicht vollständig erklärbar ist. Laut Sheldrake gibt das Raum für eine Hypothese, die bis heute nicht bewiesen werden konnte. Es ist kein objektives Argument für sie, sondern lediglich eine Vertrauenserklärung.

Deshalb lässt Professor Sheldrake nicht nach, zu einem Konzeptwechsel aufzufordern, weg von der Beschränkung auf eine rein klassisch-wissenschaftliche Denkweise und hin zu einer mehr ganzheitlicheren Sicht. Mit etwas Glück werden wir nicht weiter – wie seit dem 17. Jahrhundert – daran glauben, dass in jeder Eichel eine Eiche enthalten ist und hoffentlich werden wir nicht weiter den Kreislauf aus Verneinung, unnötiger Argumentation und letztendlicher Akzeptanz wiederholen und so weiter und so fort … bis ins Unendliche.

Fortsetzung: Die Welt des Rupert Sheldrake – Teil 2

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