Das Logo der WHO am Hauptquartier in Genf.Foto: iStock

Experten: WHO und Länder waren bei Corona zu langsam – Pandemie „hätte verhindert werden können“

Epoch Times12. Mai 2021 Aktualisiert: 12. Mai 2021 13:30
Die Kommission zur Untersuchung der globalen Reaktion auf die Pandemie ist schonungslos: Die Welt ist viel zu langsam in die Gänge gekommen, als sich 2020 die Corona-Pandemie abzeichnete.

Die weltweite Verbreitung des Coronavirus hätte nach Ansicht unabhängiger Experten vermieden werden können. Die Pandemie mit ihren schrecklichen Auswirkungen „hätte verhindert werden können“, heißt es in einem am Mittwoch (12. Mai) in Genf vorgelegten Bericht eines von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) beauftragten Expertenkomitees. Dafür aber hätten die Corona-Warnsignale früher beachtet werden und unter anderem die WHO früher Alarm schlagen müssen.

Ein „toxischer Cocktail“ aus Zaudern, fehlender Vorbereitung und schlechter Reaktion auf die Krise sei für das dramatische Ausmaß der Pandemie verantwortlich, erklärte die Ko-Präsidentin des Gremiums, Ellen Johnson Sirleaf. Dadurch habe sich die jetzige „humanitäre Krise“ entwickelt, die von den Experten als „Tschernobyl des 21. Jahrhunderts“ bezeichnet wird.

„Die Kommission kommt zu dem Schluss, dass das System, wie es zurzeit besteht, nicht dazu geeignet ist zu verhindern, dass sich mit einem neuen und hochansteckenden Erreger, der jeden Augenblick auftauchen könnte, eine Pandemie entwickelt“, heißt es in dem Bericht.

China hatte Ende Dezember 2019 über die Häufung einer unbekannten Lungenkrankheit in Wuhan berichtet, allerdings erst nachdem das örtliche WHO-Büro die Infektionen gemeldet hatte. Die WHO erklärte erst am 30. Januar eine „Notlage von internationaler Tragweite“, die höchstmögliche Alarmstufe. Das verpflichtet Länder, Vorkehrungen zu treffen. Die WHO sprach aber erst am 11. März von einer Pandemie.

Das hat nach den WHO-Gesundheitsvorschriften anders als die Erklärung der „Notlage“ zwar eigentlich keine Konsequenzen. Im Rückblick war das aber erst der psychologisch notwendige Schub, um Regierungen richtig in Alarmbereitschaft zu versetzen.

Drei Forderungen der Kommission: Mehr Impfstoffe, mehr Lizenzen, mehr Forschung

Um die Corona-Pandemie sofort schärfer zu bekämpfen, stellen die Expertinnen und Experten drei Forderungen auf: Erstens sollen reiche Länder mit genügend Impfstoff bis September zusammen eine Milliarde Impfdosen für 92 ärmere Länder zur Verfügung stellen. Zweitens sollen Pharmafirmen freiwillig mehr Lizenzen zur Impfstoffherstellung vergeben. Wenn die Produktion damit in den nächsten drei Monaten nicht angekurbelt wird, soll unmittelbar eine Aufhebung der Patente in Kraft treten. Drittens sollen die reichsten Länder (G7) sofort 60 Prozent der fehlenden 19 Milliarden Dollar für das Programm ACT Accelerator bereitstellen, das die Erforschung und globale Verteilung von Impfstoffen, Medikamenten und Tests organisieren soll.

Die WHO-Mitgliedsländer hatte die Expertenkommission 2020 unter Leitung der früheren Regierungschefinnen Helen Clark aus Neuseeland und Ellen Johnson Sirleaf aus Liberia einberufen. Sie sollte Erfahrungen aus dem Umgang mit der Pandemie zusammentragen und Vorschläge für Verbesserungen machen. Das Gremium besteht aus 13 Experten.

Um auf neue Pandemien besser vorbereitet zu sein, schlägt die Kommission unter anderem einen Rat für Globale Gesundheitsbedrohungen vor. Mitglieder sollen Staats- und Regierungschefinnen und -chefs sein, die das Thema Pandemievorbereitung im weltweiten Fokus halten.

Ein neues globales Überwachungssystem von Krankheiten soll der WHO die Möglichkeit geben, bei Bedarf sofort und ohne Rücksprache mit betroffenen Ländern Alarm zu schlagen. Der WHO wird vorgeworfen, zu Anfang der Pandemie zu sehr auf China gehört zu haben, das die Schwere der Bedrohung heruntergespielt hatte.

Statt bei der Erforschung etwa von Impfstoffen und Medikamenten auf Marktkräfte zu vertrauen sei ein Programm nötig, das globale öffentliche Güter schafft, zu denen alle Länder Zugang haben.

Schließlich schlägt die Kommission einen Pandemie-Fonds vor, der pro Jahr fünf bis zehn Milliarden Dollar (bis 8,2 Milliarden Euro) einsammelt, um Vorkehrungen gegen eine neue Pandemie zu finanzieren.  (dpa/afp/sza)



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