Gerst muss sich nach Rückkehr wieder an die Erde gewöhnen

Epoch Times21. Dezember 2018 Aktualisiert: 21. Dezember 2018 8:24
"Astro-Alex" hat der Raumstation ISS den Rücken gekehrt, seine Mission ist aber noch nicht beendet. Neben allerlei Experimenten muss sich nun sein Körper wieder an die Erde anpassen. Kreislauf, Muskeln, Knochen, Augen - im All hat sich viel verändert.

Astronaut Alexander Gerst stehen nach seiner Rückkehr aus dem Weltall anstrengende Tage bevor. Der Körper des 42-Jährigen muss sich wieder an die Erde gewöhnen – vor allem an die Schwerkraft.

„Der Anpassungsprozess findet bei den meisten innerhalb von drei Tagen statt. Bei manchen dauert es etwas länger, bei manchen kürzer“, sagte Claudia Stern, Leiterin der Abteilung Klinische Luft- und Raumfahrtmedizin am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Köln der Deutschen Presse-Agentur.

Gerst war am Donnerstag zur Erde zurückgekehrt. Fast 200 Tage hatte er zuvor auf der Internationalen Raumstation ISS im All verbracht, bevor er in einer Sojus-Kapsel in Kasachstan landete. Für den 42-Jährigen war es bereits die zweite Mission auf dem Außenposten der Menschheit. Am Donnerstagabend flog er nach Köln, wo Gerst in einer medizinischen Forschungsanlage des DLR die Nacht verbringen sollte.

In den ersten Wochen wird sich der Astronaut nun hauptsächlich mit „Baseline Data Collections“ beschäftigen, wie Marco Trovatello, Sprecher des Europäischen Astronautenzentrums in Köln erklärte. „Vereinfacht gesagt: Die Wiederholung einer Vielzahl an Bord der ISS durchgeführter wissenschaftlich-technischer Experimente“, fügte er hinzu. Ziel dabei ist, die Daten vergleichen und bewerten zu können.

An Weihnachten hat „Astro-Alex“ allerdings frei und kann nach Hause. Er soll auch zur Ruhe bekommen. „Alexander Gerst wird erstmal seine medizinische Rekonvaleszenz machen. Und dann wird er sicherlich auch mal Urlaub machen – er war ja eine ganze Weile in einer extremen Umgebung“, sagte Missionsleiter Volker Schmid vom DLR.

Welche Auswirkungen die extremen Bedingungen im All auf den Körper haben, kann man sich als Normalsterblicher kaum vorstellen. Es beginnt schon bei der Landung auf der Erde – wenn die Schwerkraft wieder voll zuschlägt. Astronauten beschreiben das einsetzende Schweregefühl etwa mit Treibsand oder einem Moor.

Gerst selbst sagte nach seiner Landung, dass zum Beispiel sein Gleichgewichtssinn wieder in Schwung kommen müsse. „Der war ja quasi ein halbes Jahr auf Pause“, sagte er. Hinzu komme möglicherweise Muskelkater. Um größeren Problemen vorzubeugen hatte er auf der ISS ein eisernes Sportprogramm eingehalten – aus guten Gründen.

„Im All, beim Schweben, braucht man speziell die Beinmuskulatur so gut wie gar nicht. Wenn Astronauten nicht trainieren, verlieren sie im Extremfall bis zu 40 Prozent der Beinmuskulatur“, erläuterte Expertin Stern. Treppensteigen etwa sei unter diesen Voraussetzungen erstmal eine ziemlich anstrengende Angelegenheit.

Kreislauf, Muskeln, Knochen, Augen – vieles verändert sich, wenn man so weit von der Erde entfernt ist. Etwa im Kopf. „Im All bekommt man einen richtigen Schädel, weil durch die Schwerelosigkeit mehr Blut in den Kopf fließt“, erklärte Stern. Der positive Effekt: Dieser Schädel verschwindet bei der Rückkehr. Der Nachteil: Es schießt nach unten. „Das ganze Blut versackt in den Beinen. Man bekommt dicke Beine und Kreislaufprobleme“, sagte Stern. Auch Knochen bauen sich ab, es kommt zu Schwellungen des Sehnervenkopfes und häufig verkürzen sich die Augäpfel.

Bis alles wirklich wieder in der Reihe ist, dauert es von Raumfahrer zu Raumfahrer unterschiedlich lang. „Knochenaufbau dauert am längsten, das kann ein bis zwei Jahre dauern. Augenveränderungen können in Einzelfällen auch bleiben“, erklärte Stern. Alles andere lasse sich in der Regel recht schnell wieder aufbauen.

Ob sich Deutschlands Star-Astronaut diesen ganzen Strapazen irgendwann ein drittes Mal aussetzen wird, ist bislang offen. „Was Alexander Gerst in Zukunft machen wird, wird sich vielleicht im Laufe des nächsten Jahres klären“, sagte Missionsleiter Schmid. Aber er halte es für unklug, ihn nicht noch mal fliegen zu lassen.

Die USA etwa wollen 2023 erstmals seit Jahrzehnten wieder den Mond umrunden – mit einem bemannten Orion-Raumschiff, das derzeit in Zusammenarbeit mit Europa entsteht. „Ein Kandidat für den Mond – wenn ein Europäer dabei ist – wäre er auf jeden Fall“, sagte Schmid. (dpa)

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