Zweibeinige Krokodile wanderten einst durch kreidezeitliches Südkorea

Von 13. Juni 2020 Aktualisiert: 12. Juni 2020 17:24
"Wie ein Krokodil, das auf einem Drahtseil balanciert": Fußspuren aus dem kreidezeitlichen Südkorea verblüfften Forscher. "Zweibeinige Krokodile der Art Batrachopus grandis hatten vermutlich Beine, die etwa so hoch waren wie die eines erwachsenen Menschen", so die Forscher.

Forscher aus den USA, Südkorea und Australien veröffentlichten heute (12.6.) im Online-Fachblatt „Scientific Report“ einen Artikel über zweibeinige Krokodile aus der Kreidezeit.

In der Jinju-Formation (Südkorea) entdeckten die Paläontologen fast 100 Fußabdrücke von vor 110-120 Millionen Jahren. Untersuchungen zufolge handelt es sich dabei um einen großen zweibeinigen Vorfahren der heutigen Krokodile.

Ursprünglich nahmen die Forscher an, dass ein anderes urzeitliches Wesen diese Spuren hinterließ. „An einem Ort dachte man zunächst, dass die Fußabdrücke von riesigen zweifüßigen Pterosauriern stammten, die auf dem Watt spazieren gingen. Heute wissen wir, dass es sich dabei um zweifüßige Krokodile handelte“, sagte Dr. Romilio, Co-Autor der Studie.

Zweibeinige Krokodile überraschen Forscher

Schon seit längerer Zeit wissen die Forscher, dass einige Krokodile aus der Zeit der Dinosaurier besser an das Landleben angepasst waren als ihre modernen Verwandten. Diese Tiere waren etwa einen Meter lang und gingen – wie Fußabdrücke zeigen – auf allen Vieren.

„Wir waren überrascht, als wir erkannten, dass die Abdrücke von zweibeinigen, 3-4 Meter langen Tieren stammten“, sagte der Teamleiter Professor Kyung Soo Kim in einer Pressemitteilung.

Die Forscher gaben dem tierischen Verursacher der 18-24 cm langen Spuren den Namen Batrachopus grandis. Dieser sollte den extremen Größenunterschied zwischen dem zweibeinigen Krokodil und seinen Verwandten in Nordamerika aufzeigen. In den älteren, jurazeitlichen Schichten Nordamerikas wurden bereits früher Batrachopus-Typen entdeckt, welche nur 2-3 cm lange Fußspuren hinterließen.

„Die Fußabdrücke messen etwa 24 Zentimeter. Dies deutet darauf hin, dass das Tier Beine hatten, die etwa so hoch waren wie die eines erwachsenen Menschen“, erklärte Dr. Romilio.

Doch mit der Entdeckung dieser zweibeinigen Kreatur haben die Forscher nicht gerechnet. „Niemand hat solch große zweibeinige Krokodile erwartet“, fügte Martin Lockley, Professor an der Universität von Colorado (Denver, USA) hinzu. Lockley untersucht bereits seit 30 Jahren fossile Fußspuren in Korea. „Die Jinju-Formation ist so reich an Spuren – man kann die gesamte Ökologie darin ablesen“, so Lockley weiter.

„Wie ein Krokodil, das auf einem Drahtseil balanciert“

Die Entdeckung gut erhaltener Spuren ist für Paläontologen besonders wichtig. Diese zeigen nämlich Details von Hautabdrücken so deutlich, als wären sie erst gestern entstanden. Außerdem geben die Spuren Hinweise auf den Knochenbau der Füße und auf die Bewegungsweise der Tiere. So waren es die eng beieinanderliegenden Spuren, die den Wissenschaftlern einen Hinweis auf den zweibeinigen Gang des Tieres gaben.

„Typische Krokodile gehen in einer gedrungenen Haltung und legen breite Bahnen an“, sagte Professor Kim. „Seltsamerweise sehen unsere Bahnen sehr schmal aus – eher wie ein Krokodil, das auf einem Drahtseil balanciert. Kombiniert mit dem Fehlen jeglicher Schwanzschleppspuren wurde deutlich, dass sich diese Kreaturen zweifüßig bewegten.“

Weiterhin gibt es sogar Beweise aus parallel liegenden Bahnen, welche zeigen, dass die Krokodile in Gruppen gewandert sein könnten, genau wie Dinosaurier.

Spuren führen bis in die Trias

Bereits früher gab es Vermutungen, dass sich an Land lebende Krokodile aus der Trias auf zwei Beinen bewegten. Grund für die Annahmen gaben die anatomischen Merkmale, welche die Forscher anhand von Überresten großer, mehr als 200 Millionen Jahre alter Arten ablesen konnten.

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„Die koreanischen Fährten beweisen diese Hypothese, zumindest für die Kreidezeit“, sagte Anthony Romilio. „Sie beweist auch, dass diese Anpassung über Millionen von Jahren wirksam war, selbst wenn große Dinosaurier gleichzeitig umherliefen“.