Mangrove in Nordbrasilien. Die Bäume haben ausgedehnte Stützwurzeln, die die Gezeitenströmung bremsen und die Ablagerung von Schlamm und Schlick fördern.Foto: ZMT

Helfer gegen den Treibhauseffekt

Von 4. Juli 2006
Mangroven setzen jährlich 26 Millionen Tonnen Kohlenstoff um

Schon immer waren die Tropen für uns Bewohner der gemäßigten Breiten faszinierend und geheimnisvoll. Die bunte Artenvielfalt des Regenwaldes oder eines Korallenriffs beflügeln unsere Urlaubssehnsüchte. Und ebenso dieser Urwald aus Mangroven — die riesigen Wurzelarme, die ganze Küstenlandschaften überziehend direkt im Salzwasser staken und trotzdem eine ungeheure Menge an Biomasse erzeugen.

Um das zu schaffen, muss in den Wurzelzellen ein sehr hoher osmotischer Druck herrschen, das heißt eine höhere Salzkonzentration als im Meerwasser. Ein komplizierter Filtermechanismus lässt   das Wasser ins Innere der Zellen einströmen, nicht aber das Salz. Obwohl die tropischen Küstenwälder weniger als 0,1 Prozent der globalen Landfläche einnehmen, produzieren sie enorme Massen an Blättern, die sich wiederum im schlammigen Boden ablagern und zersetzen. Ein Großteil dieses organischen Abfalls wird von der Flut regelmäßig ins Meer gespült.

Die Mangrovenwälder gehören somit zu den produktivsten Ökosystemen unserer Erde und spielen eine nicht unwesentliche Rolle im globalen Kohlenstoffkreislauf. Wie das Zentrum für Marine Tropenökologie (ZMT)  berichtet, haben Forschungen ergeben, dass Mangroven für über zehn Prozent des gelösten organischen Kohlenstoffs, der von den Kontinenten in die Ozeane gelangt, verantwortlich sind.

Wissenschaftler des ZMT, des Alfred-Wegener-Institutes, des Forschungszentrums für Umwelt und Gesundheit und der Florida State University  führten Messungen von Kohlenstoffisotopen in Wasserproben aus einem brasilianischen Mangrovenwald durch. Dabei stellten sie fest, dass überraschend große Mengen an gelöstem organischen Kohlenstoff ins Meer gelangen. Man schätzt, dass jährlich weltweit circa 26 Millionen Tonnen an Kohlenstoff aus Mangroven ausgewaschen werden.

Menschliche Aktivitäten setzen jährlich um die acht Milliarden Tonnen Kohlenstoff als Kohlendioxid in die Atmosphäre frei. Die kontinuierlichen Messungen der Konzentration an Kohlendioxid zeigen aber nur einen Anstieg von ca. 3,3 Milliarden Tonnen pro Jahr. Der Rest wird von so genannten „Kohlenstoffsenken“ aufgenommen. Eben ein solcher Speicher ist die Biosphäre. Pflanzen nehmen Kohlendioxid auf und wandeln es über die Photosynthese in organisches Material um. Das reichert sich zum Teil als Humus im Boden an, zum Teil wird es ausgewaschen und gelangt über die Flüsse in die Ozeane. Dort bleibt der Kohlenstoff dann über Hunderte von Jahren der Atmosphäre entzogen.

In diesen Kreislauf nun greift der Mensch durch das Abholzen von Mangroven aufs Empfindlichste ein: In den letzten Jahrzehnten wurde bereits mindestens ein Drittel der Mangrovenflächen zerstört, hauptsächlich durch Städtebau, Landwirtschaft und Garnelenzucht.  

Traditionell wird das Mangrovenholz zur Gewinnung von Brennholz, Holzkohle oder Gerbstoffen genutzt. Aber die Entnahme von vergleichsweise geringen Holzmengen durch die heimische Küstenbevölkerung hat die Mangroven in ihrem Bestand nie gefährdet. Erst die großflächige Zerstörung und Umwandlung in Reis- und Kokospalmenplantagen und sogar Bauland durch Trockenlegung hat die Situation dramatisch verschärft.

Massive Gefährdung durch Eingriffe des Menschen

Beispielsweise sind in Ecuador und auf den Philippinen durch die ungehemmte Flächenausdehnung für die Aquakultur mit Shrimps mittlerweile schon 70 Prozent der dortigen Mangrovenwälder abgeholzt worden. Diese künstlich angelegten Shrimpteiche müssen aber teilweise schon nach nur drei Jahren wieder aufgegeben werden — die  maximale Nutzungsdauer  geht nicht über zehn Jahre. Grund dafür ist die mit jedem Betriebsjahr zunehmende Verseuchung des Teichbodens mit Chemikalien, etwa Antibiotika. Eine nachfolgende Aufforstung der hoch kontaminierten Flächen ist über Jahrzehnte undenkbar.

Obwohl die Bedeutung der Mangrovensümpfe für das marine wie auch das terrestrische Ökosystem bekannt ist, läuft die Zerstörung nahezu ungebremst und die Mangrovenwälder könnten in zwanzig Jahren verschwunden sein. Die enge Vernetzung des Mangroven-Ökosystems mit der marinen Umwelt wird jedoch oft erst dann bewusst wahrgenommen, wenn es zu spät ist, wenn die Vernetzungen aufgebrochen sind und die Auswirkungen der Zerstörung sichtbar werden. Ein recht deutliches Zeichen nach Abholzen der Wälder ist ein starker Ertragsrückgang bei der Küstenfischerei,  da den Fischen nun ihre Rückzugsgebiete, etwa für die Fortpflanzung, genommen sind.

Inzwischen werden Versuche unternommen, den vormaligen   Zustand möglichst naturnah wieder herzustellen, aber: Aufforstungen sind zeitaufwendig. Und erst wirklich alte Bäume verfügen wieder über die mannigfaltige Begleitflora wie Orchideen, Farne, Ranken und Moose, sowie das kräftige und weit verzweigte Wurzelgeflecht mit voller Filterleistung.

So vermuten die Forscher der oben beschriebenen Studie, dass das empfindliche Gleichgewicht der Kohlenstofftransporte weiter gestört werden könnte mit möglichen Folgen auch für das Weltklima.                             



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