„BLC1“: Astronomen untersuchen mögliches SETI-Signal bei Proxima Centauri

Von 25. Dezember 2020 Aktualisiert: 25. Dezember 2020 21:50
Ein mysteriöses Radiosignal aus Richtung Proxima Centauri beschäftigt Astronomen: Eine Botschaft von Außerirdischen wurde bislang nicht gefunden – eine natürliche Erklärung jedoch auch nicht. „Es sind niemals die Aliens“, lautet die Devise der Wissenschaftler ... „zumindest so lange nicht, bis es dann doch die Aliens sind.“

Astronomen schenken Proxima Centauri schon seit Jahren große Aufmerksamkeit. Es ist das nächstgelegene Planetensystem, das wir kennen, und – so könnte man anhand jüngster Berichterstattung vermuten – von einer intelligenten, technisch fortschrittlichen Lebensform bewohnt.

Bereits 2016 bestätigten Astronomen um Guillem Anglada-Escudé die Entdeckung von Proxima b, einem Planeten, der 20 Prozent größer ist als die Erde und seinen Stern in dessen lebensfreundlicher Zone umkreist. Drei Jahre später entdeckten Astronomen einen weiteren Planeten, Proxima c. Diese sogenannte Super-Erde ist etwa siebenmal massereicher als die Erde aber vermutlich „zu weit von ihrem Stern entfernt, um bewohnbar zu sein.“ Oder doch nicht?

„Wahrscheinlich die wahrscheinlichste Erklärung“

Ebenfalls 2019, etwa um Ostern, registrierte das etwa 300 Kilometer von Sydney entfernte Parkes Radioteleskop in einem 30-stündigen Lauschangriff auf Proxima Centauri ein Signal von jenen Planeten, das nun für Spekulationen sorgt.

Shane Smith, ein Student bei Breakthrough Listen, hat auf der Suche nach sogenannten Technosignaturen „eine äußerst merkwürdige schmalbandige Emission“ gefunden. Astronomen untersuchten daraufhin das Signal bei 982,002 Megahertz, bestätigten seine Existenz und nannten es „BLC1“, für „Breakthrough Listen Candidate 1“.

Der Name macht deutlich, worum es sich handelt. Es handelt sich um einen Kandidaten, nicht um ein bestätigtes Signal“, erklärte Dr. Franck Marchis, Astronom des SETI-Instituts. Jeder bei Breakthrough Listen betone dies.

Aufgrund verschiedener Eigenschaften sei „es sehr unwahrscheinlich, dass das Signal von einer natürlichen, aber unbekannten kosmischen Quelle“ stammt. Unmöglich ist es nicht, denn, so Dr. Marchis weiter: „aber wer weiß … die Natur überrascht uns oft.“ Eine einfache Erklärung sei, dass das Signal von der Erde ausging. „Wir benutzen Funk, um zu kommunizieren. [BLC1] könnte eine terrestrische Interferenz sein. Und das ist wahrscheinlich die wahrscheinlichste Erklärung“, sagte der Astronom.

Pete Worden, Executive Director der Breakthrough-Inititiativen und ehemaliger NASA-Wissenschaftler erklärte seinerseits: „Sehr wahrscheinlich ist, dass sich das Signal schlussendlich als Signal einer irdischen Quelle herausstellt. Und wenn ich ’sehr wahrscheinlich‘ sage, meine ich zu 99,9 [Prozent]“.

BLC1: Ein mögliches Signal, möglicherweise von Proxima Centauri

Wenn ich jemanden treffe, der an Verschwörungstheorien glaubt, in die Wissenschaftler verwickelt sind, […] dann sage ich ihm, dass ich meine Kollegen kenne, und dass es immer einen geben wird, der ein solches Geheimnis lüftet“, sagte Dr. Marchis.

Genau das sei mit BLC1 passiert. Die Geschichte begann „mit einem Leck von einem Breakthrough Listen-Wissenschaftler zu ‚The Guardian‘. Und was als Leck begann, verbreite sich nun schnell in den Nachrichten.“

Dr. Marchis Kollegen betonen, dass BLC1 lediglich einer von mehreren Kandidaten ist, wenn auch ein vielversprechender. Es sei viel zu früh, um über die Konsequenzen des Fundes einer Technosignatur auf Proxima Centauri zu spekulieren, „auch wenn es reizvoll ist und Spaß macht, darüber zu reden.“

„Das Signal hat einige Eigenschaften, aufgrund derer es bereits zahlreiche Kontrollpunkte für ein SETI-Signal bestanden hat und wir können es bislang nicht erklären“, sagte Prof. Andrew Siemion von der University of California in Berkeley.

Nicht nur BLC1 ist ein Kandidat, sondern auch seine mögliche Herkunft. Obwohl Proxima b in der sogenannten habitablen Zone kreist, jenem Bereich, in dem flüssiges Wasser auf der Oberfläche eines Planeten existieren könnte, wissen Astronomen lediglich von seiner Existenz. Ein Bild des Exoplaneten, geschweige denn von seiner Atmosphäre oder Oberfläche existiert nicht. Dr. Marchis sagte: „Wir wissen von seiner Existenz nur durch die Bewegung um seinen Stern. Wir haben nur eine Schätzung seiner Masse und seiner Umlaufbahn, sonst nichts.“

Äußerst unwahrscheinlich, dass zwei technische Zivilisationen direkt nebeneinander leben

Dabei ist die Vorstellung, „dass eine technologisch fortgeschrittene Zivilisation um unseren nächsten stellaren Nachbarn lebt, ziemlich außergewöhnlich“. Bei etwa 300 Millionen bewohnbaren Exoplaneten in unserer Galaxie „wäre es ein erstaunlicher Zufall, wenn zwei Zivilisationen zur gleichen Zeit dieselbe Technologie benutzen würden“ – und die auch noch direkt nebeneinander leben. Zum Vergleich: Der Durchmesser der Milchstraße misst etwa 200.000 Lichtjahre, der Abstand zu Proxima Centauri lediglich 4,2 Lichtjahre.

Obwohl ich die Idee liebe, scheint sie sehr unwahrscheinlich zu sein – weshalb ich vermute, dass wir schnell eine ‚bodenständigere Erklärung‘ für den Ursprung des Signals finden werden.

Auch SETI-Astronom Dr. Seth Shostak spricht nicht vom „heiligen Gral der SETI-Forschung“. Es sei natürlich möglich, dass es sich um „eine Radioemission[handelt], die nur von einem absichtlich konstruierten Sender auf einer anderen Welt stammt. Aber …“

Auffallend sei der schmale Frequenzbereich. „Wir kennen keinen natürlichen Weg, elektromagnetische Energie in eine derart eingeschränkte Frequenz zu zwängen“, erklärte Prof. Siemion „Die derzeit einzig sinnvolle Erklärung ist, dass es sich um das Resultat einer Technologie handelt.“ Prof. Jason Wright von der Penn State University in Pennsylvania fügte hinzu: „Leider haben gerade wir Menschen eine ganze Menge Technologie im außerirdischen Raum platziert.“

Zunächst einmal, so Dr. Shostak weiter, variiert das Signal leicht in der Frequenz. Es kommt also nicht von einer Antenne, die hier auf der Erde festgeschraubt ist. Das macht es per Definition nicht-terrestrisch, aber es ist immer noch nicht als außerirdisch zu bezeichnen. Auch Telemetriesignale von Satelliten variieren in ihrer Frequenz aufgrund der Eigenbewegung der Satelliten. Unwahrscheinlich sei das Aufgreifen eines solchen Signals nicht: Es gibt mehr als 2.700 funktionierende Wetter-, GPS-, Erdbeobachtungs- und Militärsatelliten, die unseren Planeten umschwirren. „Um nur einige zu nennen“.

Außerirdische Signale … aus der Mikrowelle im Pausenraum

Es ist zudem möglich, dass das Signal nicht von Proxima – oder Alpha – Centauri stammt, sondern von etwas dahinter. Ein Beispiel der scheinbaren Überdeckung ist die Große Konjunktion von Jupiter und Saturn, die am Abendhimmel zum „Stern von Bethlehem“ verschmelzen. Ihr tatsächlicher Abstand beträgt nach wie vor etwa 800 Millionen Kilometer. Vielleicht kommt BLC1 also von viel weiter weg. Natürliche Radiosignale von Quasaren, Pulsaren oder ähnlichen sind jedoch (bisher) nicht auf einen kleinen Frequenzbereich beschränkt.

Doch die Quelle könnte auch viel, viel näher sein, als man denkt. Vor fünf Jahren, so Dr. Shostak sorgte „ein Mikrowellenherd im Pausenraum des Parkes-Radioteleskops […] für erhebliche Aufregung“. Die vermeintlich außerirdischen Signale „erweckten den Eindruck, dass im fernen Kosmos etwas Bemerkenswertes geschah. Tatsächlich war es nur jemand, der sein Mittagessen aufwärmte.“

Solange wir es noch nicht wissen, sollten wir die Alien-Hypothese nicht ausschließen. […] Aber es ist vernünftig zu erwarten, dass eines Tages eines dieser verdächtigen Signale tatsächlich der gesuchte Beweis für Intelligenz auf einer anderen Welt sein wird.“

Im Moment haben die Astronomen laut Dr. Marchis jedoch mehr Fragen als Antworten: Warum wurde das Signal nur einmal über 30 Stunden im April und Mai entdeckt? Was sind die Charakteristika des Signals? Was ist sein Profil, seine Stärke und seine Modulation? Variierte es in der Frequenz über 30 Stunden aufgrund seiner Bewegung in Bezug auf uns? Warum haben die Beobachter die wissenschaftliche Gemeinschaft nicht sofort nach der Entdeckung alarmiert, sodass andere Leute das Signal bestätigen konnten?

„2020 war auf so vielen Ebenen ein verrücktes Jahr, auch auf dem Gebiet von SETI“, sagte Dr. Marchis. „Nach dem mysteriösen Auftauchen von Monolithen […] haben wir nun BLC1, ein kurioses und mysteriöses Signal, das von Proxima Centauri stammen könnte. Oder eben auch nicht. Es ist wahrscheinlich nicht außerirdisch. [Aber] natürlich würde mich als Wissenschaftler des SETI-Instituts nichts mehr freuen, als wenn sich das Gegenteil herausstellt.“



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