Charlotte Lindholms letzter „Tatort“-Fall in Göttingen

Lindholm darf nach Hannover zurück. Doch vorher gilt es noch einen Fall zu lösen. Der dreht sich um die prekäre Lage von Paketdienst-Fahrern. Es ist auch ein Abschied von dem Duo mit Anais Schmitz.
Die Kommissarinnen Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler, l) und Anaïs Schmitz (Florence Kasumba).
Die Kommissarinnen Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler, l) und Anaïs Schmitz (Florence Kasumba).Foto: NDR/ARD/dpa
Epoch Times10. Februar 2024

Zum Schluss kommt es für Charlotte Lindholm in Göttingen noch einmal ganz dicke. Eigentlich hat sich die niedersächsische Kriminalhauptkommissarin ja – nach sechs gelösten „Tatort“-Fällen – für ihre Verhältnisse gut integriert in der malerischen Universitätsstadt. Dorthin war die TV-Ermittlerin 2019 wegen mangelnder Teamfähigkeit strafversetzt worden.

Bei Vorgesetzten und Kollegen ist sie anerkannt. Etwa bei Anais Schmitz (Florence Kasumba, „Get Up“), mit der sie nach anfänglichen Querelen inzwischen recht konfliktarm zusammenarbeitet. Und dennoch reagiert Lindholm (Maria Furtwängler) im „Tatort“-Fall „Geisterfahrt“ (Sonntag, 20.15 Uhr, das Erste) erfreut, als man ihr mitteilt, dass das Landeskriminalamt in Hannover sie gern als Fahnderin zurück hätte.

Ein Strudel an Missständen

So sehnt sich die immer noch eher eigenwillige Kripobeamtin nach ihrem kleinen Sohn David, der in der Landeshauptstadt bei der Großmutter in Obhut ist. Zunächst muss allerdings in Göttingen ein letzter Fall gelöst werden. Das blutige Geschehen im winterlich eisigen Südniedersachsen kommt sowohl spannend als auch plakativ daher. Es lässt Lindholm mit traurigen Ereignissen in der Welt der Niedriglohn-Beschäftigten in Kontakt kommen. Auch geht es um Gewalt in der Ehe und um Ehebruch. Ein Strudel an Missständen also, wie sie auch im wahren Leben allzu oft vorkommen und in den Medien bereits viel diskutiert werden. In diesen Sog wird Lindholm so tief hineingezogen, dass auch ihre Weste nicht weiß bleibt.

Am Ende wird es für sie auch ein Abschied von Schmitz, die nach Lindholms Weggang in Göttingen bleibt und dort – so wird es angedeutet – weiter Karriere macht. Kasumba steigt aus dem Sonntagskrimi-Klassiker aus. Das hatte der verantwortliche Norddeutsche Rundfunk (NDR) Ende Dezember ohne nähere Angaben von Gründen mitgeteilt.

Cross-over-Episode mit Kasumba

In einem weiteren „Tatort“ wird die ausdrucksstarke 47-Jährige jedoch noch einmal zu sehen sein. Denn im Herbst ist in Hannover eine Cross-over-Episode gedreht worden, in der sie neben Thorsten Falke (Wotan Wilke Möhring), der sonst im Bundespolizei-„Tatort“ aus Hamburg agiert, Teil einer überregionalen Ermittlungsgruppe zu einer Messerstecherei mit Todesfolgen ist. Laut NDR soll der Film mit dem Arbeitstitel „Die kälteste Maschine“ 2025 laufen.

In „Geisterfahrt“ feiert Lindholm zunächst ein fröhliches Fest mit. Polizeidirektor Liebig (Luc Feit, „Berlin Babylon“) wird 60 und gibt Champagner aus. In seiner launigen Ansprache macht er seine Untergebenen auch mit seiner neuen Frau Tereza (Bibiana Beglau, „Der Barcelona- Krimi“) bekannt. Sie ist Ärztin und arbeitet in genau der Klinik, in deren Intensivstation alsbald zwei Menschen nach einem schweren Autounfall gebracht werden – der eine Fahrer, der andere Passant.

Es handelt sich um den rumänischen Fahrer Illie (Adrian Djokic), prekär bezahlter Sub-Sub-Unternehmer eines Paketdienstes, und um einen Teenager, der sich zufällig in der Innenstadt aufgehalten hatte. Kurier Illie war mit seinem Transporter direkt auf eine Menschengruppe zugerast. Aus der Feier heraus sind Lindholm und Tereza Liebig schnell am Tatort. „Amok? Suizid? Mord? Das ganze Programm“, konstatiert bald darauf Schmitz.

Es geht auch wieder um Gewalt gegen Frauen

Um das Motiv zu klären, ermitteln die beiden Polizistinnen bei dem Paketdienst, für den Illie unterwegs gewesen war. Dort bestreitet man jede Verantwortung – und verweist auf den Subunternehmer Reichelt (Christoph Letkowski). Der fühlt sich sodann in die Enge getrieben und sinnt auf besondere Maßnahmen.

Klar wird bei diesem gesellschaftskritischen Aspekt der „Tatort“-Geschichte, dass die Fahrer der Online-Bestellungen mit Doppelschichten überlastet sind, finanziell ausgebeutet und sich teils nur noch mit Energiedrinks wachhalten. Die zweifelhaften Verträge als Subunternehmer der Subunternehmer, die man den Männern, offensichtlich alle Migranten, zur Unterschrift vorgelegt hat, können sie aus Mangel an Sprachkenntnissen kaum verstehen.

Lindholm, die an Schmitz‘ bevorzugtes Unfallmotiv Amok nicht glaubt und sich von ihrem autoritären Chef Liebig nicht gerade unterstützt sieht, kämpft wieder einmal allein auf weiter Flur.

Es gibt noch eine Tote – und das wird die Fans von Schauspieler Daniel Donskoy freuen, der die Rolle des Gerichtsmediziners Nick Schmitz spielt. Gestorben ist ein Opfer häuslicher Gewalt, das sich zu Lebzeiten nicht gewehrt hatte. Das schlägt die Brücke zur Realität: Gewalt gegen Frauen ist ein gesellschaftliches Problem, gegen das Maria Furtwängler im echten Leben mittels ihrer „MaLisa“-Stiftung seit 2016 mit großem Einsatz kämpft.  (dpa)



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