Maischberger-Talk um IS, Militäreinsätze und die Faszination auf Jugendliche

Von 22. Oktober 2014 Aktualisiert: 22. Oktober 2014 11:17

Die Talkrunde „Menschen bei Maischberger“ konnte das Thema der Sendung „Der Kreuzzug des ‚IS‘: Wird aus dem Glaubenskrieg ein Flächenbrand?“ natürlich nicht annähernd beantworten. Wie auch? Das zeigte sich bei der Diskussion ebenso wie in den Medien oder in der Politik, dass es weder eine einheitliche Sicht, noch patente Lösungen für die Situation im Nahen Osten gibt. Trotzdem war es lohnend, sie anzuschauen.

„Seit Monaten erscheint die westliche Welt unfähig, den Vormarsch zu stoppen“, sagte Sandra Maischberger. „Das ist aber schon seit drei Jahren so“, wurde immer wieder von der Auslandskorrespondentin Antonia Rados geantwortet, die in den Krisengebieten unterwegs ist und auch im direkten Gespräch mit der dortigen Bevölkerung. „Es gibt 1.500 Gruppen in der Region, die kämpfen. Der IS hat eine militärische Struktur geschaffen und der Sache eine religiöse Ideologie gegeben.“

Nicht zu vergessen sei die Medienschlacht, warf Jakob Augstein, Chefredakteur  des „Freitag“ ein: „Die haben wir schon verloren, wir reagieren, wie sie es wollen.“ Dem stimmte Nahostexperte Ulrich Kienzle zu: „Die Propaganda ist wirksam und schrecklich. Die Informationen sind interessengeleitet.“ Er räumte auch mit der gängigen Meinung auf, dass der „arabische Frühling“ an Demokratie interessiert wäre. „Das waren Leute, die eine Wut hatten, das war eine Revolte und wurde ein Machtkampf. Demokratie ist weit weg! Der IS setzt aber nun Angst und Drohungen als Mittel der Politik ein.“

Daraufhin Katrin Göring-Eckardt, Fraktionsvorsitzende von B’90/Grüne: „Die Drohungen müssen wir ernst nehmen. Aber warum hat der IS solch eine Anziehungskraft? Wir kämpfen nicht um die Jugendlichen.“

Ein Stichwort für Kristiane Backer, Moderatorin, die 1995 zum Islam übertrat: „Was können wir hier tun, wie sie es in England schon tun, wir müssen Vorbilder schaffen. Attraktiv ist der IS für viele Jugendliche, weil es hier ein Islam-Bashing gibt. Aber die Terroristen stehen nicht für den wahren Islam.“

Jakob Augstein darauf; „Der Präventionsgedanke ist total uncool, total uncool.“ Göring-Eckardt pflichtete bei und verwies auf die Kürzungen im Haushaltsplan bei Geldern für die Prävention und Günter Wallraff, Journalist, beschrieb die Koran-Verteilungen vor Schulen und die labile Zeit der Identitätssuche von Jugendlichen. Das macht sie relativ leicht zu Opfern für Rattenfänger.

Katrin Göring-Eckardt verteidigte ihre in die Kritik geratene Stellungnahme für einen eventuellen militärischen Einsatz: „Wir können uns nicht zurücklehnen. Die UNO muss eine Strategie entwickeln. Wenn wir erfolgreich sein wollen, müssen wir reden, aber es geht nicht ohne Militär.“

Darauf Augstein: „Ausgerechnet die Grünen wollen mit Waffen losgehen!“ Und Kienzle: „Militärische Interventionen haben im Nahen Osten nichts gebracht.“ Antonia Rados: Interventionen? Wir wissen nicht einmal wie es in Kobane wirklich aussieht, also im Inneren.“ Günter Wallraff: „Ich bin Pazifist. Die UNO sollte wirklich allmählich als Weltpolizist agieren. Wir brauchen ein hartes Vorgehen gegen den IS!“

Augstein: „Warum ziehen wir uns nicht zurück? Das wäre besser. Man muss das auch mal hinnehmen können: ‚Wir können nichts tun‘. Aber politisch und diplomatisch könnten wir viel mehr tun. “

Längere Passagen beleuchteten die Rolle der USA in den verschiedenen Allianzen mit kriegerischen Gruppen und dem destabilisierenden Irak-Krieg. Dazu gehörte auch die von Antonia Rados beklagte für die Araber sichtbare „Unglaubwürdigkeit der Demokratien“, die sich in Allianzen mit ganz undemokratischen Regimen in den Golfstaaten, wie z.B. Saudi-Arabien, befinden.            

Ulrich Kienzles Schlussfolgerung war: „Man muss der Region eine Chance geben. Wir brauchen mehr Informationen, damit wir sie besser verstehen, und einen längeren Atem.“

Nicht einmal gestreift wurde die Frage, ob es sich wirklich um Glaubenskriege handelt, oder nicht doch um reine Macht- und Verteilungskämpfe, die die Glaubensbereitschaft und Sinnsuche von leidensbereiten und leidenschaftlichen Menschen ausnutzen, um ihr Süppchen zu kochen. Was längst nicht nur ein Süppchen ist, sondern eine lebensbedrohende Situation für Millionen friedlicher Menschen.

Im Internet bis 22.10. zu sehen: Mediathek DAS ERSTE 

TV-Wiederholungen: MDR: Do. 23.10. um 2:30 bis 3:45

                                  3sat: Sa. 25. 10. um 23:45 bis 01:00

Menschen bei Maischberger: Der Kreuzzug des "IS": Wird aus dem Glaubenskrieg ein Flächenbrand? Talkshow D 2014

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