Ein Buch über Nahtod-Erfahrungen von Bernard Jakoby
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„Den göttlichen Funken trägt jeder in sich“

Von 7. November 2022
Wie Nahtod-Erfahrungen die Persönlichkeit verändern und die Seele wachsen lassen.

Dunkelheit. Ein fernes Licht, das einen magnetisch anzieht, hell, aber nicht blendend. Ein Gefühl der Glückseligkeit stellt sich ein. Ein Zustand ohne Schmerzen, völliger Frieden. Das eigene Leben zieht plötzlich im Schnelldurchlauf vorbei.

So oder so ähnlich beschreiben Personen den Zustand, den sie während einer Nahtod-Erfahrung erleben. Eigentlich keine unangenehme Vorstellung. Doch viele Menschen haben Angst vor der eigenen Sterblichkeit und der Konfrontation mit dem Tod. Nicht so Bernard Jakoby – er hat Sterben zu seinem Lebensthema gemacht. Der gebürtige Cloppenburger gilt als einer der führenden Experten auf dem Gebiet der Nahtod-Forschung in Deutschland. Durch seine erfolgreichen Bücher, Vorträge und Seminare trägt er wesentlich dazu bei, das Thema Tod zu enttabuisieren. In seinem aktuellen Buch „Warum sind wir auf der Erde?“ erklärt Jakoby, was uns Nahtod-Erfahrungen und Erinnerungen an frühere Leben über den Sinn des Lebens lehren. Wir baten den Bestsellerautor um ein Gespräch.

Herr Jakoby, Sie haben Sterben zu Ihrem Lebensthema gemacht. Was hat Sie dazu veranlasst?

Als ich Abitur machte, hat mich das Buch „Leben nach dem Tod“ von Raymond Moody sehr beeindruckt. Gleichzeitig gab es damals Elisabeth Kübler-Ross, die großartige Fernsehinterviews gegeben hat. Dadurch wurde ich in die Materie eingeführt.

Später, von 1986 bis 1990, erkrankten meine Eltern parallel an Krebs. Beide sind daran gestorben. Im Prinzip habe ich mich schon immer mit dem Thema beschäftigt. Im Augenblick ihres Todes hat sich meine Mutter von mir verabschiedet. Ich war allerdings nicht physisch bei ihr, sondern mit meinem Auto unterwegs. Als ich gerade an einer Ampel hielt, ging ihre Seele durch mein Herz. Dieses Erlebnis hat mich dazu bewogen, mich tiefer mit dem Thema auseinanderzusetzen.

Ich zog dann nach Berlin, um mit Menschen in Kontakt zu treten, die derartige Erfahrungen oder Nahtod-Erfahrungen gemacht hatten.

Sie haben Ihre Mutter im Moment ihres Todes gespürt. Können Sie beschreiben, wie Sie sich in dem Moment gefühlt haben?

Als ich an der Ampel halten musste, merkte ich plötzlich, dass mich ein erweiterter Bewusstseinszustand erfasste. Ich wusste zu dem Zeitpunkt noch nicht, dass meine Mutter in dem Augenblick gestorben war, erfuhr es erst im Nachhinein. Ihre Liebe hat mein Herz berührt – so könnte man das ausdrücken.

Diese Dinge lassen sich oft nur schwer beschreiben. Ich habe später festgestellt, dass es vielen Menschen ähnlich geht. Viele Sterbende oder Verstorbene melden sich im Moment ihres Todes. Sie verabschieden sich, das ist keine Seltenheit. Ich spürte Liebe und Wärme und mir traten Tränen in die Augen. Ich wusste in dem Moment nicht, wie mir geschieht. Als ich im Krankenhaus ankam, sagte man mir, meine Mutter sei gerade gestorben. Das war genau der Zeitpunkt, in dem ich das Erlebnis hatte.

Ich war immer offen für Übersinnliches, hatte aber nicht damit gerechnet, so etwas selber einmal zu erleben. Danach wusste ich, dass diese Dinge wirklich real sind.

Warum ist das Thema Tod ein Tabuthema in unserer Gesellschaft?

Das frage ich mich auch immer wieder. Es ist das existenziellste Thema überhaupt, es betrifft jeden. Wir sind vergänglich, wir werden sterben, das ist sicher. Die meisten Menschen schieben die Auseinandersetzung mit dem Tod von sich fort. Obwohl wir heute – und das muss ich betonen – ein unendlich großes Wissen über die Vorgänge beim Sterben haben, beschäftigen sich die meisten Menschen erst dann damit, wenn sie einen Verlust erleiden oder es sie selbst betrifft. Das Thema wird als unangenehm empfunden und ist angstbesetzt.

Fällt Ihnen ein Grund ein, warum man keine Angst vor dem Tod haben muss?

Heute wissen wir, dass wir ewige geistige Wesen sind, die lediglich für eine relativ kurze Zeit hier auf der Erde verweilen. Dieses Wissen tragen wir alle in uns. Dieser kurze Moment damals, wo sich meine Mutter verabschiedet hat, war für mich schlichtweg der Beweis. Mittlerweile habe ich Kontakt zur geistigen Welt. Gregory, ein Geistwesen, besucht mich seit 15 Jahren immer wieder.

Mich kontaktieren immer wieder Menschen, die einen recht intensiven Nachtod-Kontakt erleben, also Verstorbene sehen, aber nicht wissen, wie sie damit umgehen sollen. Manche können es auch nicht glauben. Und doch sind diese Erlebnisse weit verbreitet: Sterbebett-Visionen bei Sterbenden, dass Sterbende abgeholt werden, dass sie bestimmte Dinge sehen, ihre Mutter, die sie abholt oder Ähnliches. Auch durch die Hospizbewegung werden Erfahrungen wie diese immer wieder veröffentlicht. Erst neulich sprach ich mit einer Frau, die nicht wusste, wie sie ihrem Mann ihr Erlebnis erklären sollte. „Er denkt jetzt, ich wäre bescheuert“ sagte sie mir. Sie hat die Nähe ihrer Mutter sehr intensiv gespürt, war ganz in ihre Liebe eingehüllt.

Gibt es eine typische Nahtod-Erfahrung?

Es gibt bestimmte Merkmale, die eine Nahtod-Erfahrung prägen. Zum einen der Moment, wenn die Seele den Körper verlässt, die außerkörperliche Erfahrung. In dem Augenblick wird alles gleichzeitig erlebbar. Raum und Zeit werden aufgehoben.

Dann kommt meistens diese Tunnel-Erfahrung, eine Art Übergang, es kann auch eine Brücke sein, eine Leere oder Ähnliches. An dessen Ende steht dann jedes Mal dieses viel zitierte Licht: Dort kommt es oft zu einer Verschmelzung mit Gott. Das beschreibe ich in meinem neuen Buch. Es ist unglaublich, wie intensiv viele Menschen diese Gotteserfahrung beschreiben.

Ein weiterer wichtiger und entscheidender Punkt einer Nahtod-Erfahrung ist das Erleben einer Lebensrückschau. Das gesamte Leben läuft sozusagen an einem vorbei. Interessant dabei ist allerdings, dass man jede Einzelheit, die man in seinem Leben getan, gesagt oder gefühlt hat, nicht nur aus der eigenen Perspektive erlebt, sondern auch die Konsequenzen seiner Worte und Handlungen spürt, also zum Beispiel auch die Gefühle fühlt, die man beim Gegenüber erzeugt hat.

Wenn wir das schon in unserer Lebenszeit wüssten, könnte man ganz anders mit Problemen umgehen. Deswegen ist es wichtig zu versuchen, Konflikte aufzulösen, zu vergeben und zu verzeihen.

Das ist die Schwierigkeit bei Sterbenden. Sie haben oft zu viele unerledigte Dinge, die im Moment des Todes plötzlich an die Oberfläche des Bewusstseins treten. Es fällt ihnen dann schwer zu sterben, oder sie sind im Widerstand.

Hatten Sie selber auch ein außerkörperliches Erlebnis oder eine ähnliche Erfahrung?

Ja, in gewisser Weise schon. Gerade auch jetzt im Kontakt mit Gregory. Er hat mich einmal in seine Heimat mitgenommen – ins Licht. Was interessant ist: Dieses Jahr habe ich in Basel einen Mann kennengelernt, der in einer Buchhandlung arbeitet. Er erkrankte vor einiger Zeit an COVID-19 und wurde sechs Wochen lang beatmet. In dieser Zeit erlebte er eine ganz intensive Nahtod-Erfahrung. Nachdem er aufwachte, zeichnete er den Ort auf, an dem er gewesen war. Das war genau dieser Bereich, wohin mich Gregory mitgenommen hatte. Völlig faszinierend.

Der Ort ist nur schwer beschreibbar – es war eine Art Lichtblock, wie aus Eis. Der Mann stellte das auf seiner Zeichnung mit Schrägen dar. Es erinnerte mich an einen Eiszapfen, obwohl es keiner war. Das ist das Faszinierende, wenn man in diesem Licht ist: Man kann es kaum wiedergeben. Ganz unvermittelt hat er mir dieses Bild gezeigt. Ich dachte mir nur: „An diesem Ort warst du doch!“

Wie vielen Menschen sind Sie schon begegnet, die Nahtod-Erlebnisse hatten?

In den letzten 25 Jahren an die tausend Menschen. Man kommt durch die Seminare und Vorträge mit vielen Personen in Berührung, die Erlebnisse hatten. Viele äußern sich dann so: „Ich wusste gar nicht, was ich da erlebt habe. Vielen Dank, dass Sie mir das jetzt erklärt haben.“

Fällt Ihnen ein Nahtod-Erlebnis einer Person ein, das Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist?

Eine Frau erzählte mir einmal, dass ihre Tochter während einer schweren Geburt eine intensive Nahtod-Erfahrung erlebte, in der sie aus ihrem Körper schwebte und sich dann über dem Operationstisch befand. Sie schwebte weiter in den Nebenraum und sah dabei zu, wie ihr soeben geborenes Kind gebadet wurde. Zur gleichen Zeit dachte sie an ihren Sohn, der sich zu dem Zeitpunkt in einem Ferienhotel befand.

Als sie einige Tage später zu ihm fuhr, stellte sie fest, dass sie wirklich in dem Raum im Ferienhotel gewesen war. Was ich dabei so faszinierend finde, ist diese Simultanität: Man erlebt zwei oder mehrere Dinge zur gleichen Zeit.

Ihr aktuelles Buch trägt den Titel „Warum sind wir auf der Erde?“ Lässt sich diese Frage komprimiert beantworten?

Ich denke, wir sind hier auf der Erde, um bestimmte Erfahrungen zu machen, seelisch und geistig zu wachsen und lieben zu lernen. Das ist das Allerwichtigste. Wenn man das in einen göttlichen Zusammenhang bringt, erkennt man, dass wir alle in ein großes Ganzes eingebunden sind.

Wir alle tragen einen göttlichen Funken in uns – das ist die Liebe, die auch unser Ursprung ist. Deswegen ist diese Lebensrückschau so wichtig. Sie hilft uns bei unserer Persönlichkeitsveränderung und Entwicklung. Diese „Liebe“ ist etwas, was nicht wirklich fassbar ist, es ist eher ein Energiefeld. Ich betrachte Gott als Energiefeld, nicht unbedingt als Person, obwohl er sich auch persönlich manifestieren kann. Wir sind alle in dieses Energiefeld eingebunden, nur wissen das die meisten von uns nicht mehr. Sie fühlen sich getrennt, sind dann nur im Außen und entwickeln Ängste.

Wir leben in einer Zeit, in der die Ängste durch die ganzen Krisen, in denen wir uns befinden, überhandnehmen. Ich kann jedem nur raten: Versucht mehr in euch zu gehen. Ihr tragt das Wissen alle in euch.

Man sollte versuchen, zunächst in eine Ruhe und Stille zu kommen. Dann in sich hineinhorchen. Diese innere Stimme haben wir alle. Wenn man fühlen kann, dass da etwas ist, das größer ist als wir, erhält man Antworten auf seine Fragen.

Wie intensiv wird die Nahtod-Forschung in Europa und in anderen Ländern betrieben? – und verglichen damit: Wie weit vorangeschritten ist Deutschland?

In Deutschland wird kaum bis gar nicht geforscht. Die meisten Studien kommen aus Amerika und England, teilweise auch aus Frankreich. Der niederländische Kardiologe und Wissenschaftler Pim van Lommel veröffentlichte 2007 die Studie „Endloses Bewusstsein“. Daraufhin wurde er angefeindet und sein Buch als Pseudowissenschaft bezeichnet.

Das Thema Nahtod-Erfahrungen wird von vielen „Wissenschaftlern“ auch immer wieder platt gemacht, da sie der Meinung sind, es gebe keine Seele. Ihre Betrachtungsweise ist rein materialistisch.

Als Forscher ist es normal, dass man den Forschungsthemen auch mit einer gewissen Skepsis oder Misstrauen begegnet. Gab es während Ihrer Forschungsarbeit vielleicht doch einmal einen Moment des Zweifels, ob das alles real sein könnte?

Nein, Zweifel hatte ich nie. Wenn man mit vielen Menschen gesprochen hat, die immer Ähnliches beschreiben, merkt man sehr schnell, dass diese Erlebnisse stimmen. Niemand bezahlt Geld für eine Beratung, um sich mit seinen Erlebnissen zu brüsten. Ein anderes Thema, das mir wichtig ist, sind Nachtod-Kontakte. Das zeigt erneut – aber auf eine andere Art und Weise –, dass Verstorbene letztlich um uns sind.

Stoßen Sie im Zuge Ihrer Forschungsarbeit auf Widerstand?

Nein. Ich habe mich über 40 Jahre mit dem Thema beschäftigt. Mich schmerzt ehrlich gesagt mehr der Punkt, dass viele Menschen es noch nicht annehmen können. Im Endeffekt vereinfacht dieses Wissen das Leben – auch, weil man Ängste verliert. Angst ist leider eines der vorherrschenden Dinge, die uns blockieren. Hat man immer Angst vor allem Möglichen, kann man überhaupt nicht in der Liebe sein. Die Herausforderungen, die uns gestellt werden, sind eben dazu da, damit wir daran wachsen.

 

Dieser Artikel erschien zuerst in der Epoch Times Wochenzeitung, Ausgabe Nr. 67, vom 22. Oktober 2022.



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