Zubin Mehta wird 80 – Charismatischer Dirigent, Parse und Weltbürger

Von 29. April 2016 Aktualisiert: 7. Juli 2016 15:05
„Der Leitsatz der Parsen, von denen es heute weltweit ca. 80.000 gibt, lautet: Gutes denken, Gutes reden, Gutes bewirken.“ Der indische Dirigent Zubin Mehta, der einer von ihnen ist, wird am 29. April 80 Jahre alt.

Seinen 80. Geburtstag feiert Zubin Mehta an drei  Tagen mit den Wiener Philharmonikern im Goldenen Musikvereinssaal vom 29. April bis 1. Mai. Zubin Mehta dirigiert am ersten Abend eingangs die Ouvertüre Nr. 3 zur Oper "Fidelio", op. 72b, ("Leonoren-Overtüre") von Ludwig van Beethoven, danach spielt sein Freund Daniel Barenboim das 3. Klavierkonzert c-moll op. 37 Beethoven. Nach der Pause folgt Beethovens Symphonie Nr. 7 in A-Dur, op. 92.

Am 29. April 1936 kam Zubin Mehta in der damaligen indischen Metropole Bombay (heute Mumbai)  zur Welt.

Eine Familiengeschichte

Sein Vater Mehli Mehta (1908 – 2002) war ein in Indien sehr bekannter Konzertgeiger, der das Bombay Symphony Orchestra wie auch das Bombay String Quartet gründete, das regelmäßig im Taj Mahal Hotel spielte. Im Alter von sieben Jahren bekam der Sohn Zubin Klavier- und Geigenunterricht. 

Anfang 1952 kam der damals 35-jährige Geiger Yehudi Menuhin nach Indien, wo Mehli Mehta etliche Solo-Recitals für Menuhin in New Delhi, Bombay, Bangalore, Madras und Kalkutta organisiert hatte. Mehli Mehta und Yehudi Menuhin spielten bei diversen Benefizkonzerten  u.a. das Bach-Doppelkonzert für zwei Violinen. Bei den Vorbereitungsproben übernahm der damals fünfzehnjährige Zubin Mehta zum ersten Mal den Taktstock.

Nach dem Abitur am Jesuitengymnasium St. Xavier begann er auf Wunsch der Eltern ein Medizinstudium in London, das er nach zwei Semestern beendete und dann zur Musikausbildung im Alter von 18 Jahren nach Wien wechselte. An der Wiener Musikakademie belegte er die Fächer Klavier, Kontrabass und Komposition. Bei dem legendären Hans Swarowsky (1899 – 1975), der auch der Lehrer von Claudio Abbado und Mariss Jansons war, absolvierte er eine Dirigentenausbildung. 1958 gewann er den Internationalen Dirigentenwettbewerb von Liverpool und wurde dort stellvertretender Kapellmeister.

In jenem Jahr heiratete der 22-jährige Zubin Mehta in einer Wiener Dominikanerkirche die kanadische Sopranistin Carmen Lasky. Aus der Ehe, die 1964 geschieden wurde, sind die Tochter Zarina und der Sohn Mervon. 1969 heiratete Zubin Mehta die US-amerikanische Filmschauspielerin Nancy Kovack (geb. 11. März 1936 in Flint/Michigan). Sie leben in Los Angeles, Florenz und Tel Aviv.

Eine musikalische Karriere

Im Alter von 25 Jahren hatte Zubin Mehta im Jahr 1961 als jüngster Dirigent in der Geschichte die Berliner Philharmoniker dirigiert; bereits mit 24 Jahren hatte er sein Debüt bei dem New York Philharmonic Orchestra, dessen Chefdirigent er von 1978 – 1991 war. Von 1962 – 1966 Chefdirigent des Orchestre Symphonique de Montréal und zugleich von 1962 – 1987 Musikdirektor des Los Angeles Philharmonic Orchestra.

Im Jahr 1969 wurde er musikalischer Berater des Israel Philharmonic Orchestra, seit 1977 Chefdirigent und seit 1981 Musikdirektor auf Lebenszeit. Seit 1985 bis heute ist er Chefdirigent des Maggio Musicale in Florenz. Als Operndirigent arbeitete er in Montréal, an der Metropolitan Opera in New York, an der Wiener Staatsoper, am Londoner Royal Opera House Covent Garden, an der Mailänder Scala, in Chicago, Florenz, Berliner Staatsoper Unter den Linden und bei den Salzburger Festspielen. Von 1998 – 2006 war er Generalmusikdirektor der Bayerischen Staatsoper in München.

Fünfmal hat er das Neujahrskonzert der Wienerphilharmoniker dirigiert – zuletzt am 1. Januar 2015.

Ehrungen in aller Welt

Zubin Mehta ist Ehrenbürger von Florenz und Tel Aviv, Ehrenmitglied der Wiener Philharmoniker, der Wiener Staatsoper und der Münchner Philharmoniker, Ehrendirigent der Berliner Staatskapelle. 1999 erhielt er den „Preis für Frieden und Toleranz der Vereinten Nationen“. Von der indischen Regierung wurde ihm im Jahr 2001 der Padma Vibushan verliehen. Im April 2001 wurde er von Staatspräsident Jacques Chirac in die „Französische Ehrenlegion“ aufgenommen. 2008 Bayerischer Maximiliansorden für Kunst und Wissenschaft, Echo-Klassik Preis 2011 für sein Lebenswerk, 2012 „President’s Medal of Distinction“, höchste zivile Auszeichnung Israels.

Indiens Präsident Pranab Mukherjee überreichte am 7. September 2013 dem indischen Stardirigenten Zubin Mehta den Tagore Award for Cultural Harmony. Dieser Preis wurde erstmals 2012 von der indischen Regierung während der Feiern zum 150. Geburtstag des indischen Literaturpreisträgers Rabindranath Tagore ausgelobt und wird seitdem jährlich vergeben. Der erste Preisträger 2012 war der indische Sitarmeister Ravi Shankar (1920 – 2012). Der Preis wird jedoch nicht ausschließlich an Inder verliehen. Die Preisträger werden unabhängig von ihrer Nationalität, ethnischen Zugehörigkeit, Sprache, Kaste, ihres Glaubens oder ihres Geschlechts ausgewählt.

Eine hochrangige Jury entschied sich nach eingehender Beratung am 4. Juli 2013 einstimmig mit folgender Begründung für Zubin Mehta:

„In unserer gespaltenen Welt gibt es wenige, die über nationale Grenzen hinaus bekannt werden und dennoch in ihrer Heimat fest verwurzelt bleiben, die sich nicht von Vorurteilen blenden lassen, die dem Leid gegenüber sensibel bleiben und die den Menschen durch ihre Arbeit Freude bereiten. Zu diesen wenigen gehört Zubin Mehta …“

Foto: Cover Verlag Droemer

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