Die Vorschläge der Partei seien „radikal realistisch“ und sollten einen „neuen Anlauf in der Klimapolitik“ einleiten, schreibt der Grünen-Bundesvorstand in seinem Leitantrag für den Parteitag im November.Foto: über dts Nachrichtenagentur

Egon W. Kreutzer: „Radikal realistisch“ – Was ist das?

Von 9. Oktober 2019 Aktualisiert: 9. Oktober 2019 15:00
Man nehme die schlimmste, je ersonnene Zukunftsprognose für bare Münze und füge die wolkigste Hoffnung hinzu, der vor der Tür stehende Weltuntergang ließe sich noch aufhalten, wenn nur die ganze Welt in panischen Aktionismus verfiele – „Radikal realistisch“, das ist die Fanfare des Totalitarismus.

Es genügt doch, die grünen Pläne und Absichten realistisch zu betrachten, um mit Wilhelm Busch in den Ausruf zu verfallen: „Aber wehe, wehe, wehe, wenn ich auf das Ende sehe.“

Für alle, die zu jung sind, um sich an die Wilhelm Busch Verse erinnern zu können. Diese Zeile stammt aus „Max und Moritz“: „Aber wehe, wehe, wehe, wenn ich auf das Ende sehe.“

Als hätte Busch die FFF-Bewegung unserer Tage vorausgeahnt, dichtete er von „bösen Kindern“, die, statt freitags in der Schule „festzusitzen auf dem Stuhle“ und „anstatt durch weise Lehren sich zum Guten zu bekehren“, lieber für das Klima streikten und sich die Zukunft selbst vergeigten.

Nun hören wir von Annalena und Robert, sie hätten einen radikal realistischen Klimaplan entwickelt. Realistisch alleine genügt ihnen nicht, denn damit würden sie sich ja mit dem Realismus der alten weißen Männer auf eine Stufe stellen. Also wird alarmistisch der Begriff „radikal realistisch“ aus der Taufe gehoben, und man ist versucht zu bitten:

Herr vergib ihnen, denn sie wissen weder was sie sagen, noch was sie tun!“

Kurz innehalten: „Realistisch“ stellt den Nullpunkt einer Skala dar, die vom tiefen Keller des Pessimisten über den nüchternen Nullpunkt des Realisten bis hinauf auf die Wolke der glückseligen Optimisten reicht. Eine Situation „realistisch“ zu beurteilen heißt, sie so zu betrachten, wie sie ist, und sowohl die Risiken, die sie in sich birgt als auch die Chancen, die daraus erwachsen können, so einzuschätzen, wie deren Eintreten am wahrscheinlichsten erscheint.

Wie eine realistische Einschätzung ausfällt, wenn sie erst einmal von den Grünen radikalisiert worden ist, wird uns gerade vor Augen geführt.

Man nehme die schlimmste, je ersonnene Zukunftsprognose für bare Münze und füge die wolkigste Hoffnung hinzu, der vor der Tür stehende Weltuntergang ließe sich noch aufhalten, wenn nur die ganze Welt in panischen Aktionismus verfiele, weshalb Klimaleugner und Ketzer mit den Mitteln der Inquisition zum Mittun gezwungen werden müssen.

„Radikal realistisch“, das ist die Fanfare des Totalitarismus, wie sie schon Grönemeyer in Wien hat erklingen lassen:

… wenn Politiker schwächeln … dann liegt es an uns zu diktieren, wie ‘ne Gesellschaft auszusehen hat.“

War es bei Grönemeyer der Versuch, die Demokratie mit einer um keinen Millimeter verrückbaren Grenzmauer zu umgeben, wie es Walter Ulbricht 1961 mit der Demokratie der DDR getan hat, um sie vor nichtsozialistischem Gedankengut zu schützen, so ist es doch auch bei den Grünen wieder derselbe Zeitgeist – der glaubt, die gleiche, schon links eingehegte, grönemeyersche Demokratie, zusätzlich in einem Ghetto aus Greta-Panik und Grünen-Heil vor den unzureichenden Plänen der gewählten Regierung schützen zu müssen, weil eben auch diese Grünen in ihrer radikalen Panik und ihrem radikalen Optimismus, weit über der Realität schwebend, überzeugt sind:

… wenn Politiker schwächeln, dann liegt es an uns zu diktieren, wie ‘ne Gesellschaft auszusehen hat.“

Noch halten die Bastionen der Demokratie. Doch jener unselige Geist, der glaubt, von der Demokratie auf eine unzumutbare Weise am dringend notwendigen Handeln gehindert zu werden, ist in Deutschland seit Jahrzehnten nicht mehr so laut und arrogant in Erscheinung getreten.

Sie wollen nicht warten, bis Neuwahlen die Chance für ein schwarz-grünes Bündnis eröffnen, nicht in Koalitionsverhandlungen mühsam darum ringen, Teile ihrer Pläne umsetzen zu können.

Sie wollen alles, und das sofort.

Mit ihrem CO2-Ablasshandel sind sie ebenso unangreifbar, wie es Johann Tetzel war, bevor Martin Luther zornig aufstand und seine Thesen an die Kirchentüre nagelte.

Entweder man glaubt an Hölle und Fegefeuer, dann ist der Preis dafür, zu den Guten gehören zu dürfen, im Klimaplan festgesetzt und sofort zu entrichten, glaubt man nicht daran, wird man als Klimaleugner aus der Gemeinschaft ausgestoßen, aber dennoch gezwungen, die auferlegte Buße zu tun.

Dass ein vollkommen dekarbonisiertes Deutschland auf das Weltklima selbst dann keinerlei Einfluss hätte, wenn menschengemachtes CO2 tatsächlich die behauptete Wirkung auf die globale Durchschnittstemperatur haben sollte, wird sich – wie bei Tetzels Ablasshandel – erst herausstellen, wenn der Schaden schon angerichtet ist.

Der Schaden für Deutschland wird gewaltig sein.
Beweisen Sie mir das Gegenteil!

Natürlich ist es Teil des Planes, den Kritikern die für das Durchrechnen der katastrophalen Folgen erforderliche Zeit zu rauben und selbst derweil neue, noch radikalere Pläne in die Welt zu setzen.

Ich verweigere mich dem allerdings.

Die Grünen habe nicht den geringsten Versuch unternommen, die soziale und volkswirtschaftliche Verträglichkeit, die Machbarkeit und die Zweckmäßigkeit ihrer Pläne aufzuzeigen. Warum also soll ich etwas widerlegen wollen, was gar nicht vorgerechnet wurde?

Wenn ich mir vorstelle, dass es sich bei der Mehrzahl der fanatischen Klimaretter um Menschen handelt, die in Bezug auf kirchliche Glaubenslehren im Brustton der Überzeugung erklären, sie würden nur glauben, was sie sehen können, steigt in mir unaufhaltsam ein glucksendes, nicht mehr zu unterdrückendes Gelächter auf.

Die glauben ja sogar, ihre Eltern und Großeltern würden ihnen etwas wegnehmen. Möchte gerne wissen, was sie da sehen können, was ihnen gehört und unrechtmäßig weggenommen wird!

Was wären sie denn, ohne die Generation ihrer Eltern und Großeltern? Was haben sie denn schon selbst geschaffen? Noch nicht einmal Solarzellen, Windräder, Blockheizkraftwerke und Dosenpfand sind Kreationen der Generation der wehleidig-panischen Radikalen.

Einige von ihnen schreien sogar herum, man dürfe keine Kinder in die Welt setzen, es gäbe nichts Klimaschädlicheres als Kinder. Da find ich es dann echt schade, dass deren Eltern von diesen klugen Ratschlägen seinerzeit noch nichts wissen konnten. Echt.

Aber immerhin wollen sie der Welt wenigstens ihre eigenen Nachkommen ersparen. Das ist doch auch schon was. Falls es klappt.

(… und warum soll ausgerechnet ich das so nicht sagen dürfen?)

P.S.: Heute wird übrigens in D die zweite Phase eingeläutet.

Nach den Demonstrationen der Freitage für die Zukunft, beginnt Extinction Rebellion nun mit der Agitation gegen die Regierung, die – nachdem sie sich den Kids angebiedert hat – nun gar nicht mehr weiß, wie sie sich von ihren volljährigen Gegnern distanzieren soll. Es ist halt nicht immer vorteilhaft, das Rückgrat an der Garderobe abzugeben.

Zuerst erschienen auf  EGON-W-KTEUTZER.de

 

Dieser Beitrag stellt ausschließlich die Meinung des Verfassers dar. Er muss nicht zwangsläufig die Sichtweise der Epoch Times Deutschland wiedergeben.


Gerne können Sie EPOCH TIMES auch durch Ihre Spende unterstützen:

Jetzt spenden!


Kommentare
Liebe Leser,

vielen Dank, dass Sie unseren Kommentar-Bereich nutzen.

Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen, Schimpfworte, aggressive Formulierungen und Werbe-Links. Solche Kommentare werden wir nicht veröffentlichen. Viele Kommentare waren bisher schon anregend und auf die Themen bezogen. Wir bitten Sie um eine Qualität, die den Artikeln entspricht, so haben wir alle etwas davon.

Da wir die juristische Verantwortung für jeden veröffentlichten Kommentar tragen müssen, geben wir Kommentare erst nach einer Prüfung frei. Je nach Aufkommen kann es deswegen zu zeitlichen Verzögerungen kommen.

Die Kommentarfunktion wird immer weiter entwickelt. Wir freuen uns über Ihr konstruktives Feedback, sollten Sie zusätzliche Funktionalitäten wünschen an [email protected]


Ihre Epoch Times - Redaktion