Die Wirklichkeit verkraften viele Seelen einfach nicht. Also entwerfen sie für sich ein Bild von der Welt, wie sie schöner, tröstlicher und erträglicher wäre, und ignorieren einfach, was diesem Bild widerspricht.Foto: iStock

Verschwindet die Wirklichkeit in uns, dann verschwinden wir mit der Zeit aus ihr

Von 20. Dezember 2019 Aktualisiert: 20. Dezember 2019 22:12
In den meisten von uns lebt ein tiefer Wunsch, ja das Bedürfnis, dass die wahre Welt, also nicht die fiktive, sondern die Wirklichkeit doch anders sein möge – schöner, besser, weniger brutal und grausam, gerechter als sie es ist. Neue Linke streben auch nach Freiheit, aber doch ganz anders als die ganz alten aufklärerischen Linken.

Warum sehnen sich so viele Menschen nach völligem Realitätsverlust? Darauf gibt es zwei Antworten, eine auf der Hand liegende und eine tiefer gehende. Schaut man offen und ehrlich überall genau hin, entdeckt man viel Unschönes und Desillusionierendes. Das verkraften viele Seelen einfach nicht. Also entwerfen sie für sich ein Bild von der Welt, wie sie schöner, tröstlicher und erträglicher wäre, und ignorieren einfach, was diesem Bild widerspricht. Doch es kommt noch etwas weiteres hinzu, was mit Macht und Unterwerfung zu tun hat.

Die Realität und die Logik rauben uns die Freiheit

Sich ausmalen, wie die Welt ist, ist natürlich auch eine Form von Herrschaft und Macht. Man macht sich sein Weltbild selbst und lässt es sich nicht von der Welt vorschreiben. Insofern könnte man sagen, die Neuen Linken gehen den Weg der Emanzipation einfach konsequent weiter: Sie emanzipieren sich auch von der Wirklichkeit und den Gesetzen des richtigen Denkens, der Logik, die ja beide in gewisser Weise einen Zwang über uns ausüben. Denn diese schreiben uns vor, wie wir die Welt zu sehen haben, wenn wir sie richtig sehen wollen. Damit rauben uns die Realität und die Logik ein Stück weit unsere Freiheit.

Es bleibt natürlich die Phantasie. Dafür gibt es Geschichten, Erzählungen, Sagen, Märchen, Romane, Filme, PC-Spiele, die Welt der Kunst und Poesie und dergleichen mehr. So können wir eine zweite, eine literarische, eine von uns geschaffene Welt erzeugen, in welche wir immer wieder flüchten können, die uns quasi eine Zufluchtsstätte vor der rauhen Wirklichkeit und ihren unerbittlichen Naturgesetzen bietet. Auch der Konsum von Drogen wäre hier zu nennen und die metaphysisch spekulativen Weltbilder (Religionen), welche den Menschen ein Jenseits (Transzendenz) und ein zweites, ewiges Leben in dieser versprechen, so dass sie das erste Leben besser aushalten können.

Doch ist denjenigen, die in diese von uns erschaffene fiktive Welt flüchten und auch den Drogenkonsumenten anders als den metaphysischen Spekulanten meist bewusst, dass sie sich dann eben nicht mehr in der Realität bewegen, sondern eben in einer fiktiven Welt, während die spekulativen Metaphysiker ihre Fiktionen quasi über die Realität darüberlegen und zur wahren Wirklichkeit erklären. Sie postulieren mithin ihre Fiktionen, die von Spekulant zu Spekulant unterschiedlich und alle einander widersprechend, oft sogar schon in sich widersprüchlich, zur Realität.

Um das Aufdecken der Widersprüche zu unterbinden wird ihre als Wahrheit postulierte jeweilige Fiktion dann dogmatisiert, um ihr ideologisches Bild der Welt gegen Kritik zu immunisieren, was freilich nie ganz gelingt. Dies macht sie im höchsten Grade gewaltaffin, weil sie sich ja ihre Kritiker, ihre Luftblasenzerstörer, die ihre „Heiligtümer“ hinterfragen, vom Leib halten müssen.

Neue Linke versuchen, sich von der Wirklichkeit und der Logik, mithin vom folgerichtigen Denken zu emanzipieren

Zugleich besteht in den meisten von uns ein tiefer Wunsch, ja das Bedürfnis, dass die wahre Welt, also nicht die fiktive, sondern die Wirklichkeit doch anders sein möge – schöner, besser, weniger brutal und grausam, gerechter als sie es ist. Natürlich kann jeder daran arbeiten, dass sie ein klein wenig besser wird. Das ist durchaus auch sinnvoll und gut. Gleichwohl merken wir meist, wie wenig wir dabei doch erreichen. Also werden wir empfänglich für solche, die uns erzählen, dass die Welt und der Mensch viel besser wären, als sie es tatsächlich sind. Solchen hören wir gerne zu, weil uns das Trost spendet, Hoffnung und Sinn vermittelt. Wir möchten uns mithin von der Wirklichkeit ein Stück weit befreien.

Genau diese Weg beschreiten Neue Linke, die sich deutlich von den ganz alten Linken unterscheiden – nach Wahrheit und Freiheit strebende Aufklärer, welche die Menschen von falschen Erzählungen, die als Wahrheiten ausgegeben werden, und Unterdrückung durch andere befreien wollten -, aber auch von den mittleren Linken unterscheiden – Sozialisten, welche vor allem am Gleichheitsideal orientiert sind, welches sie mehr und mehr zur Gleichheit nicht in den Rechten, sondern Gleichheit im Ergebnis transformierten (Gleichmacherei).

Neue Linke streben auch nach Freiheit, aber doch ganz anders als die ganz alten aufklärerischen Linken. Wollten diese die Menschen vor allem von Unterdrückung und Indoktrinierung befreien, so wollen jene nun sich gleichsam von allem befreien, nicht nur von Fremdherrschaft und Unterdrückung, sondern auch von der Realität und der Logik, dem folgerichtigen Denken, was natürlich unweigerlich in den Untergang führen wird, weil man sich nicht dauerhaft von der Wirklichkeit emanzipieren kann, da man ja in dieser lebt, ihr mithin unterworfen ist und sie nicht ein reines von allem losgelöstes Konstrukt in einem selbst darstellt.

Verschwindet die Wirklichkeit in uns, dann verschwinden wir mit der Zeit aus ihr

Die Wirklichkeit – nicht unser Bild von ihr, sondern sie selbst – ist mithin letztlich immer stärker, da wir ja Teil von ihr, da wir in ihr sind und nicht sie in uns, wie ein Bild, das wir nach Belieben malen können. Wenn wir uns also nicht der Wirklichkeit unterwerfen, sie zunächst einmal in ihrem So-sein anerkennen – was nicht heißt, dass wir sie nicht ein Stück weit verändern könnten, doch auch diese Veränderung muss sich innerhalb der Naturgesetzlichkeit, mithin innerhalb der vorgegebenen Wirklichkeit bewegen -, wenn wir das nicht anerkennen, dann weicht unser Weltbild in essentiellen Punkten zu sehr von der Welt selbst ab. Dies aber führt unweigerlich dazu, dass wir uns in ihr irgendwann nicht mehr zurechtfinden und mit der Zeit aus ihr verschwinden werden.

Auf das Verschwinden der Wirklichkeit in uns (völlig unrealistisches Weltbild) folgt dann gleichsam unser Verschwinden in ihr. Auf unsere Befreiung von der Logik und der Realität folgt, dass die Welt sich von solch wirklichkeitsnegierenden Wesen befreien wird.

Zuerst erschienen auf  JFB, dem Blog von Jürgen Fritz

Jürgen Fritz studierte in Heidelberg Philosophie, Erziehungswissenschaft, Mathematik, Physik und Geschichte (Lehramt). Nach dem zweiten Staatsexamen absolvierte er eine zusätzliche Ausbildung zum Financial Consultant unter anderem an der heutigen MLP Corporate University. Er ist seit Jahren als freier Autor tätig. Sein Blog: JFB

 

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