Der Umgang mit anderen Kulturen wird wichtiger in der EU

Von 28. März 2005 Aktualisiert: 28. März 2005 8:25
„Es gibt mit der Zuwanderung zwar ein Problem, aber es ist immer bewältigt worden. Es ist das älteste Problem der Menschheit.“

Neue Analyse beleuchtet die Sorgen der Europäer vor mehr Migranten

Sie bringen andere Farben, andere Speisen und andere Feste mit in ihre neue Umgebung, das ist ein belebender Austausch. Sie leben in größeren Clans zusammen, was ihre Abschottung von den neuen Nachbarn ermöglicht; sie wollen meistens bleiben wie sie sind, obwohl sie hier leben wollen – dann sind sie fremd. Oftmals werden „die Ausländer“ so wahrgenommen. Die innere Ablehnung einer multikulturellen Gesellschaft ist bei 20% der Bürger in den 15 EU Mitgliedsländern vor der letzten Erweiterung unverändert geblieben. Zu diesem Ergebnis kommt eine Analyse der beiden Studien „Eurobarometer“ und „European Social Survey“ der Europäischen Stelle zur Beobachtung von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit (EUMC) für den Untersuchungszeitraum von 1997 bis 2003.

„Eine Kernfrage in der EU ist die Frage des Umganges mit ethnischer und religiöser Vielfalt“ betont die Direktorin des EUMC, Beate Winkler, die Bedeutung der Untersuchung. Die Analyse aus den beiden Umfrageergebnissen muss man differenziert sehen: so zeigte zwar eine stabile Mehrheit von 80% der Befragten keine Schwierigkeiten im Zusammenleben mit Migranten. Dagegen vertreten mit zwei von drei EU Bürgern zunehmend mehr als früher die Ansicht, dass die multikulturelle Gesellschaft an ihre Grenzen stößt. Und mit rund einem Fünftel der Befragten befürworten auch immer mehr EU-Bürger die Rückführung von Zuwanderern mit gesetzlicher Aufenthaltsgenehmigung in ihr Ursprungsland. In den zehn neuen Mitgliedsländern, nach der EU Erweiterung am 01. Mai 2004, ist das Verhältnis ähnlich. In diesen Ländern lag lediglich die Ansicht, dass die tragbare Zahl für Zuwanderer schon erreicht ist, mit rund 40% merkbar niedriger Unterschiede bei den Ländern.

In Griechenland erscheint die Ablehnung gegen die multikulturelle Gesellschaft als besonders hoch: in 6 von 10 Fragen wurde hier beim Eurobarometer 2003 die schlechteste Bewertung vergeben. „Dies hängt auch damit zusammen, dass dieses Land vom Auswanderungs- zum Einwanderungsland wurde“ ist die Begründung der EUMC Direktorin. Ein anderes besonderes Phänomen bei der Migration wäre Ostdeutschland: „die Leute wurden hier Migranten ganz ohne Auswanderung. In diesem Fall gingen die Grenzen über die Leute und nicht die Leute über die Grenze“.

Allerdings weist die EUMC deutlich darauf hin, dass die Zahlen nicht absolut gesehen werden dürfen, sondern nur grobe Richtwerte sind. „Die Befragten interpretieren die gestellten Fragen sehr unterschiedlich“ ist in Fragen und Antworten zu der Analyse zu lesen – um etwas später zu präzisieren: „was als ethnische Minderheit betrachtet wird, ist in England grundlegend unterschiedlich von dem was Deutsche oder Franzosen unter demselben Begriff verstehen. Ein Beispiel sind die Roma, die in manchen Mitgliedsstaaten als Minderheiten betrachtet werden in anderen dagegen nicht. Man muss daher die Ergebnisse mit Vorsicht lesen“.

Einstellungen nicht dasselbe wie Handlungen

Da in den Umfragen lediglich nach Meinungen gefragt wurde, kann von den Untersuchungsergebnissen nicht unmittelbar auf eine Diskriminierung von Minderheiten oder Zuwanderern geschlossen werden. „Die Einstellungen sagen nichts über konkrete Handlungen aus“ meint Winkler.

Erwartungsgemäß ist in der Analyse zu lesen, dass Personen mit höherer Schulbildung weitaus weniger fremdenfeindlich sind als Personen mit kürzerer Ausbildungsdauer. Ähnliches gilt auch für Personen in besser bezahlten Positionen: „hinsichtlich des Einkommens können wir sagen, dass Leute mit dem niedrigsten Einkommen der Diversität und der multikulturellen Gesellschaft weitaus negativer gegenüberstanden“ meint John Wrench, Studienleiter der EUMC. Und generell ist auch für jüngere Personen und Leute aus Städten der Umgang mit Zuwanderern einfacher als für ältere Personen oder für Leute vom Land. Nicht hinterfragt wurden dabei offensichtlich die tatsächlich stattfindenden Begegnungen im Alltag, d.h. wer tatsächlich häufig mit Zuwanderern zu tun hat und wer nicht.

Als Ursache für die Fremdenfeindlichkeit sieht die EUMC Zukunftsängste, Unübersichtlichkeit, Angst vor dem Unbekannten, soziale Konflikte etc. Dabei gibt es durchaus Mittel dem Fremdenhass wirkungsvoll gegenüberzutreten: „Bei einer klaren Haltung der Politiker, die deutlich macht, dass Fremdenfeindlichkeit nicht erwünscht ist, geht die Fremdenfeindlichkeit zurück“ ist vonseiten der EUMC zu hören. Doch die Wurzel dafür nur in der Politik zu sehen reicht nicht aus. Neben der klaren politischen Führung könnten auch gesetzliche Maßnahmen, verbesserte Erziehung und Bildung und nicht zuletzt die Medien die Fremdenfeindlichkeit eindämmen.

Einfluss der Medien

„Insbesondere die Medien können in hohem Maße auf die öffentliche Meinung Einfluss nehmen“ ist in der Analyse zu lesen. „Die Medienberichterstattung vergisst nur allzu oft auch positive Nachrichten über gemischte Gemeinschaften zu verbreiten, die friedlich miteinander leben“. Wenn scharfe, gegen Zuwanderung und Multikultur gerichtete Botschaften mit Berichten über Minderheiten und Kriminalität, sowie Minderheiten und Terrorismus gekoppelt werden, verstärkt dies die Unsicherheit und negative Einstellung in der Öffentlichkeit. Mit anderen Worten: über die Bedrohung des radikalen Islam wird zuviel berichtet, über ethnische Vielfalt zu wenig. Auch der Achtung der Menschenrechte von Bevölkerungsminderheiten würde in Medienberichten und von politischen Parteien ein zu geringer Stellenwert eingeräumt.

„Aber auch nur multikulturelles Glück zu verkünden wäre falsch“ warnt Winkler vor Schönfärberei. Es sollen die Ängste der Bevölkerung aufgegriffen und die Probleme nicht verschleiert werden. Dazu Winkler: „Es gibt mit der Zuwanderung zwar ein Problem, aber es ist immer bewältigt worden. Es ist das älteste Problem der Menschheit.“.

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