„Kein Vertrauen“: Indien verlegt 10.000 Soldaten an Grenze zu China

In den Reihen der BRICS-Staaten sind sie einander zwar verbunden, ein reales Vertrauensverhältnis zwischen Indien und dem KP-Regime in China besteht jedoch nicht. Die Regierung in Neu-Delhi verlegt deshalb nun 10.000 Soldaten in eine Grenzregion.
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Indische Soldaten im Himalaya-Gebirge.Foto: MOHD ARHAAN ARCHER/AFP via Getty Images
Von 17. März 2024

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Nachdem Indien bereits in den vergangenen Jahren seine Militärpräsenz innerhalb der Himalaya-Grenzregion verstärkt hatte, hat die Regierung in Neu-Delhi nun weitere 10.000 Soldaten verlegt.

Sie wurden von der Grenze zu Pakistan abgezogen. Anschließend hat man sie an jenen mehr als 530 Kilometer langen Grenzabschnitt zu China beordert, der in den Staaten Himachal Pradesh und Uttarakhand verläuft.

Keine Verbesserung der Beziehungen zu China in Sicht

Die Grenze ist seit Jahrzehnten umstritten, der Konflikt gilt jedoch als ruhend. Dass Indien nun seine Präsenz deutlich ausgebaut hat, hatte „Bloomberg News“ Anfang des Monats unter Berufung auf anonyme Regierungskreise gemeldet. Eine offizielle Ankündigung des Schritts hatte es nicht gegeben.

Einen speziellen Anlass für den Schritt gab es nicht. Die zunehmend aggressive Politik des KP-Regimes gegenüber Nachbarländern hat jedoch auch den BRICS-Partner aufhorchen lassen – und zum Handeln animiert.

Gegenüber der englischsprachigen Epoch Times erklärte Namrata Hasija vom Thinktank „Zentrum für China-Analyse und -Strategie“ in Neu-Delhi:

„Es gibt absolut kein Vertrauen; die Inder können den Chinesen nicht trauen.“

Zudem lasse sich mit Blick auf die vergangenen Jahre keine Verbesserung der Beziehungen erkennen. Und es sei nicht davon auszugehen, dass es zeitnah zu einer solchen kommen werde.

China erhebt Anspruch auf 90.000 Quadratkilometer Territorium im heutigen Indien

Die Sprecherin des chinesischen Außenministeriums, Mao Ning, bezeichnete den Schritt als „kontraproduktiv für die Bemühungen beider Länder, die Situation an der Grenze zu entspannen“. Zudem würde er „der Wahrung von Ruhe und Frieden in den Grenzgebieten nicht förderlich“ sein, erklärte sie in einer Pressekonferenz.

Ungelöste Territorialstreitigkeiten in der Himalaya-Region belasten seit Langem die Beziehungen zwischen beiden Ländern. Das kommunistische Regime Chinas erhebt Anspruch auf etwa 90.000 Quadratkilometer eines Gebiets auf indischem Territorium. Im Jahr 1962 gab es einen kurzen Krieg um die Grenze. Auch 1967 und 1975 kam es zu bewaffneten Zusammenstößen.

In den vergangenen Jahren waren die Provokationen nicht abgerissen. Anfang Mai 2020 war es im Osten des an Himachal Pradesh angrenzenden Bundesstaates Ladakh zu massiven Grenzverletzungen durch die Truppen des KP-Regimes gekommen. Im Galwan-Tal kam es einen Monat später zu blutigen Übergriffen mit mehreren Toten.

Grenzverletzungen durch die Führung in Peking gab es auch an anderen Abschnitten der Grenze zwischen Indien und China. Diese verläuft noch über mehrere weitere Bundesstaaten und wird nur durch Nepal und Bhutan unterbrochen.

Beide Seiten verstärken Aufbau von Dörfern in Grenznähe

Der indische Generalmajor a. D. G. G. Dwivedi, ehemals Vizechef des indischen integrierten Verteidigungsstabes, äußerte sich ebenfalls gegenüber der englischsprachigen Epoch Times zu der Entwicklung. Er hält es für möglich, dass die sogenannte Linie der derzeitigen Kontrolle künftig „intensiv umkämpft“ sein könnte.

Um möglichen großangelegten Provokationen oder gar aktiven Aggressionen des kommunistischen Regimes begegnen zu können, wolle sich Indien „strategisch positionieren“. Auf diese Weise reagiere man auf Entwicklungen der gegenüberliegenden Seite der Grenze – oder sei dieser voraus.

Die Positionierung erfolge taktisch, strategisch und global. Damit reagiere man auf die gestiegene Aggressivität des Regimes seit dem Amtsantritt von Machthaber Xi Jinping im Jahr 2012. Dieser habe nicht nur die militärischen Anlagen in tibetischen Regionen entlang der indischen Grenze deutlich ausgebaut.

Im Jahr 2017 kündigte man auch die Errichtung sogenannter Xiaokang-Dörfer an. Diese – wörtlich übersetzt – „mäßig wohlhabenden“ Dörfer können mögliche Ausgangspunkte von Angriffen sein. Am 1. Januar 2022 trat das dazugehörige Gesetz in Kraft. Es sollen vorerst 628 solcher Siedlungsgebiete entstehen.

Schulterschluss mit den USA über Quad-Allianz soll Indien zusätzlichen Spielraum schaffen

Indien reagierte auf seine Weise mit dem Programm „Lebendige Dörfer“ und plant ebenfalls die Errichtung von vorerst 663 Dörfern im Grenzgebiet. Ein Pilotprojekt mit 17 Dörfern in den Provinzen Ladakh, Himachal Pradesh, Uttarakhand, Sikkim und Arunachal Pradesh ist bereits im Gange. Diese decken alle drei Grenzsektoren ab – von Ladakh im Westen über Himachal Pradesh und Uttarakhand im Zentrum bis zu den östlichen Sektoren, die teils um Nepal und Bhutan herum verlaufen.

Hasija betont, Indien werde nicht länger nur vorsichtig sein, sondern auch aktiv und proaktiv auf die Bedrohung reagieren:

„Wir werden die Grenzen, die wir mit Tibet, Uttarakhand und Himachal teilen, nicht mehr ignorieren.“

Auch auf globaler Ebene vernetzt sich Indien zunehmend, um Pekings Aggression Entschlossenheit entgegenzusetzen. Deshalb beteilige man sich etwa an der Quad-Allianz mit den USA, Japan und Australien. Der „Quadrilaterale Sicherheitsdialog“ ist ein loser Zusammenschluss, der eine engere Kooperation in den Bereichen Sicherheit, Wirtschaft und Gesundheit vorsieht.



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