Wegen Rohmilchverkauf: Polizeirazzia auf Amish-Farm schlägt hohe Wellen

Eine Polizeirazzia auf einem beliebten Amish-Bauernhof in den USA hat einen Sturm von Empörung ausgelöst. Der Bauernhof wird verdächtigt, unter anderem illegal Rohmilchprodukte zu verkaufen. Kritiker sehen darin eine Befugnisüberschreitung der Behörden.
Titelbild
Plastikbehälter mit Rohmilch.Foto: Mit freundlicher Genehmigung von Peter Bartlett
Von 10. Januar 2024

Am 4. Januar vollstreckte die Polizei im Bundesstaat Pennsylvania zusammen mit dem Landwirtschaftsministerium einen Durchsuchungsbefehl für Miller’s Organic Farm (Millers Biohof). Landwirt Amos Miller wird vorgeworfen, Rohmilch und Rohmilchprodukte illegal verkauft zu haben; darunter auch Eierpunsch.

Angeblich soll es in zwei Fällen zu Lebensmittelvergiftungen gekommen sein. In dem Dokument heißt es zudem, dass „Miller nie eine Lizenz für seinen Einzelhandelsbetrieb beantragt hatte“, wie „LancasterOnline“ berichtete.

Anwalt beklagt klare Grenzüberschreitung

Rechtsanwalt Robert Barnes, der Miller vertritt, bezeichnete die Razzia als Verstoß gegen die verfassungsmäßigen Rechte seines Mandanten.

„Das Landwirtschaftsministerium des Staates Pennsylvania kam plötzlich und ohne Vorankündigung, stürmte Amos‘ Bauernhof und beschlagnahmte alles, was Amos in der Tiefkühltruhe des Betriebs hatte. Sie taten dies ohne rechtliche Handhabe, ohne Befugnis und unter Verletzung ihrer eigenen Regeln und Vorschriften“, sagte Barnes.

Die Landbevölkerung in Amerika sieht die wachsende Kontrolle der Landwirtschaft durch die Behörden äußerst kritisch. Kleine und unabhängige Landwirte betrachten viele der einzelstaatlichen und bundesstaatlichen Vorschriften nicht nur als repressiv, sondern sagen, sie würden große industrielle Betriebe begünstigen.

„Regierung will Exempel statuieren“

Peter Bartletts Familie gehört Bartlett Farms in North Dakota. Der Landwirt verkauft ebenfalls Rohmilchprodukte. Gegenüber Epoch Times erklärte er, dass er nicht glaube, dass die Regierung wegen angeblich gesundheitlicher Gefahren handele, sondern viel mehr, um die Kontrolle über die Lebensmittelversorgung des Landes zu gewinnen.

„Die Behörden werden Ihnen sagen, dass es um die Sicherheit der amerikanischen Bevölkerung geht. Aber wenn das wahr wäre, warum gehen sie nicht gegen mexikanische oder chinesische Restaurants vor, wenn die Leute nach dem Essen krank werden“, sagte Bartlett.

Die Wahrheit ist, dass die Regierung sich von jedem bedroht fühlt, der unabhängig vom System handelt, und deshalb hat sie beschlossen, diesen speziellen Betrieb ins Visier zu nehmen – um an ihm ein Exempel zu statuieren, um den Menschen Angst zu machen.“

„Wenn sie es schaffen, an diesem kleinen amischen Bauernhof ein Exempel zu statuieren, dann senden sie ein deutliches Zeichen an die gesamte unabhängige Landwirtschaft, dass die Vorschriften eingehalten werden müssen“, fügte er hinzu.

Landwirt Peter Bartlett betreibt einen Hof in North Dakota. Foto: Mit freundlicher Genehmigung von Peter Bartlett

Kritische Stimmen

Mehrere Politiker und Prominente, vorwiegend aus dem konservativen Lager, haben die Razzia auf Millers Farm scharf kritisiert. Der Republikaner Thomas Massie sagte, dass es an der Zeit sei, dass die Behörden ihre Prioritäten überdenken.

„Bei all den Problemen, die es heute in der Gesellschaft gibt, wollen sich die Behörden tatsächlich auf so was konzentrieren?“, schrieb der Kongressabgeordnete in einem Beitrag vom 4. Januar auf X. „Ein Mann, der Lebensmittel für informierte Kunden anbaut, ohne am industriellen Fleisch-/Milchkomplex beteiligt zu sein? Es ist eine Schande, dass es so weit gekommen ist.“

Donald Trump Jr. schrieb auf dem sozialen Netzwerk, die Nachricht von der Razzia mache ihn „krank“.

„Stellen Sie sich vor, was die Strafverfolgungsbehörden erreichen könnten, wenn sie […] Mitglieder von elitären Pädophilenringen verfolgen würden, anstatt Bauern, die [Rohmilchprodukte] an ihre Nachbarn verkaufen“, so der Sohn des ehemaligen Präsidenten.

Rohmilchdebatte

Seit Jahrzehnten setzt sich eine Gemeinschaft von Milchbauern und Ernährungsexperten für das Recht ein, frische, unverarbeitete Milch zu produzieren, zu verkaufen und zu konsumieren.

Befürworter behaupten, dass der Verzehr von Rohmilch gesünder sei sowie das Immunsystem und die Verdauung stärke. Durch das Pasteurisieren der Milch würden nicht nur gefährliche Krankheitserreger abgetötet, sondern auch die gesunden Nährstoffe der Rohmilch zerstört, meinen sie.

Die Behörden betonen jedoch, dass mögliche Gefahren des Rohmilchkonsums die angeblichen Vorteile bei Weitem übersteigen, da Rohmilch „schädliche Keime wie Campylobacter, Cryptosporidium, E. coli, Listerien, Brucella und Salmonellen enthalten“ könne.

Laut der US-Gesundheitsbehörde CDC sind angeblich 2.645 Menschen durch den Konsum von Rohmilch zwischen 1998 und 2018 erkrankt und 228 ins Krankenhaus eingeliefert worden.

Auch die US-Arzneimittelbehörde FDA warnt vor dem Verzehr. Seitdem das Pasteurisieren von Milch eingeführt worden sei, sei das Risiko, an Milchprodukten zu erkranken, weitgehend beseitigt, so die Behörde.

Die Rolle der Lebensmittelindustrie

Für Landwirt Bartlett steht fest, dass die Lebensmittelindustrie auch ihre Finger im Spiel hat. Sowohl das Landwirtschaftsministerium als auch die FDA haben Geld in Form von „Partnerschaften“ erhalten. Diese Gelder haben zu Interessenkonflikten bei der Umsetzung der Vorschriften geführt, so Bartlett.

„Das Landwirtschaftsministerium und die Arzneimittelbehörde wurden über Jahre hinweg von der Lebensmittelindustrie beeinflusst. Kleine und unabhängige Landwirte waren hingegen nicht gut vertreten“, sagte Bartlett. „Was wir jetzt erleben, ist der Gipfel des Regulierungsprozesses, der das Gleichgewicht kippt und Unabhängigkeit kriminalisiert.“

Der Amisch-Bauernhof sei der Inbegriff der Unabhängigkeit von einem System, das durch den finanziellen Einfluss des Großkapitals korrumpiert worden sei. Das Problem könne nur gelöst werden, indem sich die Verbraucher von den industriell hergestellten Massenprodukten in Supermärkten abwenden und bei kleinen lokalen Bauernhöfe einkaufen.

„Das Wichtigste, was ein Verbraucher tun kann, ist, unabhängig vom System zu handeln“, sagte er. „Der Anreiz ist nicht schwer zu verstehen: Wer die Lebensmittel kontrolliert, kontrolliert die Menschen“, meint der Landwirt.

Dieser Artikel erschien im Original auf theepochtimes.com unter dem Titel: Government Raid of Amish Farm an Attempt to ‘Criminalize Independence’: Independent Farmer“. (deutsche Bearbeitung nh)



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