Wie zu Zeiten der Kulturrevolution: Angeklagte in China öffentlich vorgeführt

Von 2. Januar 2022 Aktualisiert: 2. Januar 2022 13:14

In einer südchinesischen Stadt führten die Behörden Tatverdächtige öffentlich vor – mit Fotos von sich um den Hals. Viele sagen, dass dies mit den öffentlichen Demütigungen während der Kulturrevolution vergleichbar ist. Hier sind die Details.

Ein kürzlich veröffentlichtes Video zeigt vier Personen, die in Schutzanzügen öffentlich vorgeführt werden. Um ihren Hals tragen sie Fotos von sich selbst, ihre Gesichter sind verhüllt. Der Vorfall ereignete sich in der Stadt Jingxi in der Provinz Guangxi in Südwest-China. Die Stadt liegt an der Grenze zu Vietnam.

Die vier Personen werden beschuldigt, Menschen über die Grenze nach China geschmuggelt zu haben. Eine der Geschmuggelten wurde positiv auf COVID-19 getestet.

Das ist auch der Grund für die öffentliche Anprangerung, weil Peking vor den Olympischen Spielen eine rigorose Null-Corona-Politik fährt. Ein Ausbruch könnte Chinas Image schaden. 

NTD China Affairs Analyst Tang Jingyuan zufolge war das, was wir hier sehen, eine der symbolträchtigsten Bestrafungsmethoden während der Kulturrevolution.

„Das ist eine Möglichkeit, die Menschen gegeneinander aufzuhetzen. Wir sehen, dass es sehr viele heftige Reaktionen auf dieses Video gibt, weil es Erinnerungen an die Schrecken der Vergangenheit auslöst.“ – Tang Jingyuan, Analystin für China-Angelegenheiten, NTDTV.

Der ehemalige kommunistische Führer Mao Zedong leitete im Jahr 1966 die Kulturrevolution ein. Die Bewegung schadete Chinas Wirtschaft und traditioneller Kultur. Historiker schätzen, dass ihr bis zu 20 Millionen Menschen zum Opfer fielen. Die meisten von ihnen gehörten zur Elite der Gesellschaft. Die Bewegung endete erst, als Mao 1976 starb.

Videoaufnahmen aus der Stadt Guangxi zeigen auch, wie die Angeklagten in einem Schweinetransporter abtransportiert werden. Laut chinesischem Gesetz ist es seit 1988 verboten, Angeklagte öffentlich vorzuführen.

„Dies ist ganz typisch organisiert. Die lokale Regierung übernimmt die Leitung, und das Büro für öffentliche Sicherheit führt sie durch. Warum tun sie das? Sie wollen die Beschuldigten demütigen. So demonstrieren die Behörden, was sie unter ‚Rechtsstaatlichkeit‘ verstehen und warnen die Bevölkerung.“ – Wu Shaoping, ehemaliger Menschenrechtsanwalt, China.

Auf den Videoaufnahmen ist zu sehen, wie die vier Personen auf ein offenes Feld eskortiert und von bewaffneten Polizisten umringt werden. Es gab eine Menge Schaulustige.

Der ehemalige chinesische Menschenrechtsanwalt Wu Shaoping sieht darin einen Verstoß gegen die Rechtsstaatlichkeit. Das zerstört die Menschenwürde.

Analyst Tang Jingyuan meint, eine solche Szene könnte ein Anzeichen für eine kommende zweite Kulturrevolution sein.

Die chinesischsprachige Ausgabe von NTD bat die örtlichen Behörden um Stellungnahme. Diese sagten, sie hätten davon nichts gewusst.



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