Leichenverbrennung.Foto: DIRK WAEM/BELGA MAG/AFP via Getty Images

Anti-Corona-Maßnahmen und ihre Tücken – RKI-Chef: Ärzte und Bundesländer müssen Empfehlungen lokal anpassen

Von 30. April 2020 Aktualisiert: 1. Mai 2020 6:39
Ärzte, die in China mundtot gemacht werden; Informationen, die nicht fließen. Es gibt gute Gründe, die dafür sprechen, sich ein eigenes Bild von der Corona-Lage zu machen und die Empfehlungen des Robert Koch-Instituts dem lokalen Infektionsgeschehen anzupassen. Dafür plädiert auch RKI-Chef Lothar Wieler.

„Unsere Rolle ist die, dass wir Empfehlungen geben“, betonte Lothar Wieler, Chef des Robert Koch-Instituts, in seiner Pressekonferenz am 28. April in aller Deutlichkeit. Lediglich Rahmenbedingungen würde die Behörde vorgeben. Schließlich seien vor Ort viele lokale Besonderheiten zu beachten, die das Institut im Detail gar nicht kennen könne. Dafür gäbe es die lokalen Gesundheitsämter. Zudem läge es in der Verantwortung der Betriebsärzte, an der Erstellung von Konzepten mitzuarbeiten.

Das muss man wirklich den Menschen vor Ort zumuten können und diese Verantwortung müssen sie übertragen… […] Wir haben auch diesbezüglich gar kein Durchgriffsrecht“, bekräftige Wieler.

„Es geht immer um Abwägung des Schutzgutes“, betonte der RKI-Chef in der Folgepressekonferenz am 30. April und wiederholte, dass seine Behörde nur generelle Empfehlungen geben könne, die auf lokaler Ebene umgesetzt werden müssten.

Insoweit seien „schlaue Konzepte“ gefordert, wie man sich vor COVID-19-Infektionen schützen könne. Tröpfcheninfektionen könnten mit einer Plexiglasscheibe nun einmal unterbunden werden.  „Wir brauchen mehr von diesen guten Konzepten, die lokal dann umgesetzt werden“.  Insoweit appellierte Wieler ausdrücklich, dass diese Konzepte auch ausgetauscht werden, damit „möglichst viele Menschen davon profitieren“.

Mund-Nasen-Schutz: Nein, vielleicht und Maskenpflicht

Ende Januar 2020 warnte der Hygiene-Experte Professor Dr. Klaus-Dieter Zastrow vor Desinformation in der Corona-Krise. Während das RKI dringend vom Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes für die allgemeine Bevölkerung abriet und einfaches Händewaschen empfahl, setzte Zastrow auf Gesichtsmaske und Desinfektionsmittel. Aber es gab Lieferengpässe. Innerhalb weniger Tage war der gesamte Jahresvorrat von Atemschutzmasken einer Firma ausverkauft. Darüber informierte ein Handelsvertreter eine Apothekerin in Bayern. Auch Desinfektionsmittel waren rar.

Elf Wochen später wurde nach langem Für und Wider eine Maskenpflicht in Deutschland eingeführt. Nun hängen Desinfektionsspender in Geschäften und Behörden. In vielen Einkaufsmärkten wird darauf geachtet, dass die Griffe der Einkaufswagen desinfiziert an den nächsten Kunden übergeben werden. Haben sich in der vergangenen Wochen noch Menschen ungeschützt dicht an dicht in S- und U-Bahn gedrängt, so sind sie in dieser Woche verpflichtet, eine Gesichtsmaske, einen selbstgenähten Mund-Nasen-Schutz oder ein Tuch zur Bedeckung zu tragen.

Mecklenburg-Vorpommern lockert Maskenpflicht

Während das RKI in seinen Empfehlungen alles daran setzt, Risikogruppen vor der Lungenseuche zu schützen, und die Regierung die gesamte Bevölkerung diesem Ziel unterordnet, macht Mecklenburg-Vorpommern die Empfehlungen des RKI alltagstauglich. Das Bundesland mit den geringsten COVID-19-Fällen passt diese dem mehr und weniger dynamischen Infektionsgeschehen  an und entwickelt neue Ansätze.

Die vor einer Woche bundesweit eingeführte Maskenpflicht wurde von der Schweriner Landesregierung am 28. April gelockert. Bei allen Entscheidungen sei die „Alltagspraxis wichtig“, betonte Gesundheitsminister Harry Glawe.

Dass unter einem Gesichtsschutz die Sauerstoffzufuhr eingeschränkt ist, dürften inzwischen alle bemerkt haben, die einen Mund-Nasen-Schutz oder eine Gesichtsmaske ausprobiert haben. Eine Backwarenangestellte sagte am ersten Tag der Maskenpflicht gegenüber Epoch Times, dass sie noch nicht wisse, wie sie den ganzen Tag mit einem Mund-Nasen-Schutz überstehen solle. Sie dürfte sich über die neuen Regelungen in Mecklenburg-Vorpommern freuen: Wer hinter einer Schutzvorrichtung, beispielsweise Plexiglaswand, sitzt, „braucht nicht extra eine Mund-Nase-Bedeckung aufsetzen“, erklärte Glawe.

Ein Rückblick zu den Anfängen

Seit dem vergangenen Jahr breitet sich die neuartige Wuhan-Lungenseuche aus. Der erste Fall einer Person, die nachgewiesenermaßen an COVID-19 litt, kann in China bis auf den 17. November zurückverfolgt werden. Das meldete die „South China Morning Post“. Der Umgang mit der Corona-Krise durch das chinesische kommunistische Regime und die Vorgehensweise der Weltgesundheitsorganisation wird in vielen Ländern – beispielsweise vom Nachbarland Taiwan – kritisiert. Als chinesische Ärzte, unter ihnen der inzwischen verstorbene Li Wenliang, Kollegen und Freunde vor dem KPCh-Virus* warnen, werden sie verhaftet. Das kommunistische Regime Chinas begann, alle Informationskanäle noch stärker zu kontrollieren und Meldungen über SARS-CoV-2 und damit verbundene Umstände im Keim zu ersticken. Aber die Pandemie nimmt ihren Lauf.

Im Januar wurde das Virus auch in Deutschland eingeschleppt. Wie in der „Risikoanalyse im Bevölkerungsschutz“ (Bestandteil der Drucksache 17/2051 vom 3. Januar 2013) durchgespielt, landete das KPCh-Virus in Süddeutschland: Eine chinesische Mitarbeiterin von Webasto infizierte dort Teilnehmer während einer Schulung vom 19. bis 22. Januar. Dies blieb zunächst unbemerkt. Am 24. Januar 2020 traten bei einem Seminarteilnehmer Halsschmerzen, Schüttelfrost und Gliederschmerzen auf, am Folgetag Fieber von 39,1 Grad Celsius und Husten mit Auswurf. Bereits am Abend des nächsten Tages ging es ihm besser, sodass er am 27. Januar wieder bei der Arbeit erschien.

Inzwischen war die Chinesin in ihre Heimat zurückgekehrt. Am 26. Januar wurde bei ihr die Wuhan-Lungenseuche diagnostiziert. Später stellte sich heraus, dass sie bereits bei ihrer Einreise an Symptomen gelitten, diese aber mit Medikamenten unterdrückt hatte. Aufgrund ihrer Rückmeldung bei Webasto wurden nun auch Mitarbeiter in Bayern positiv auf COVID-19 getestet, unter ihnen der vorgenannte Seminarteilnehmer. Kontaktpersonen wurden von den Gesundheitsbehörden ermittelt, Infektionsketten durchbrochen.

Ohne den Hinweis der chinesischen Webasto-Mitarbeiterin wäre SARS-CoV-2 wahrscheinlich in Deutschland zunächst unerkannt geblieben. Darüber informierte Dr. Udo Götsch vom Gesundheitsamt Frankfurt in einem Interview mit der Epoch Times.

Bundesregierung lässt Flugverkehr offen – Lücken vorprogrammiert

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Trotz dieser Einschleppung aus Shanghai genehmigte das Bundesgesundheitsministerium weiterhin Reisen aus und nach China. Als erste deutsche Fluggesellschaft reagierte die Lufthansa-Gruppe Ende Januar auf die beginnende Corona-Pandemie und strich alle Personenflüge in das kommunistische Land. Als ein Corona-Verdachtsfall an Bord der Lufthansa-Maschine LH780 nach der Landung in Nanjing festgestellt wurde, rief das Unternehmen sämtliche Crews nach Deutschland zurück.

Kurz vor Ausbruch der Pandemie hatte Lufthansa-Krisenmanager Martin Knuchel an einer Übung namens Event 201 teilgenommen. Dazu eingeladen hatte das Johns Hopkins Center for Health Security, das Weltwirtschaftsforum sowie die Bill und Melinda Gates Foundation. Bei dem Treffen im Oktober 2019 wurde ein globaler Corona-Ausbruch simuliert, sodass Knuchel umfangreich informiert gewesen sein dürfte.

Die Bundesregierung und seine oberste staatliche Gesundheitsbehörde, das Robert Koch-Institut (RKI), gaben hingegen keinerlei Empfehlungen für Fluggesellschaften heraus. Nur einige wenige chinesische Regionen wurden vom RKI zum Risikogebiet erklärt. Shanghai, die chinesische Metropole, aus der das Virus in Deutschland eingeschleppt wurde, gehörte nicht dazu.

Erst am 13. Februar sprachen sich die EU-Gesundheitsminister darüber aus, dass die Einreisebedingungen in der EU „verschärft“ werden sollten – mit „Aussteigerkarten“. Den Reisenden wurden Fragebögen bezüglich Krankheitssymptomen und Kontakt zu Infizierten vorgelegt. Doch diese Maßnahmen hatten Lücken. Der Wahrheitsgehalt der Angaben wurde nicht geprüft, sondern an die Ehrlichkeit der Fragebogen-Ausfüller appelliert.

„Wenn jemand beispielsweise Fieber hat und eine Tablette Paracetamol einnimmt, wird er selbst bei einer Temperaturmessung nicht auffallen. Noch schwerer ist es, die Angaben zu überprüfen, wenn jemand das Formular in Mandarin ausfüllt“, erklärte Götsch. So war nicht auszuschließen, dass weiterhin infizierte China-Reisende nach Deutschland gelangten.

Ein Pathologe tanzt aus der Reihe

Schon am 12. Februar bemängelte der Bundestagsabgeordnete Rudolf Henke (CDU/CSU) in der aktuellen Stunde des Bundestages, dass aus China, wo das Virus erstmals nachgewiesen wurde, bislang kein einziger Obduktionsbericht von verstorbenen Corona-Infizierten vorläge.

Eine Handlungsempfehlung gab es trotzdem nicht – weder vom RKI noch vom Bundesgesundheitsministerium. Trotzdem machte sich der Hamburger Rechtsmediziners Dr. Klaus Püschel ein eigenes Bild von „Corona-Toten“  und begann, sie zu obduzieren.

Damit folgte er nicht der Aussage des RKI, dass bei einer Person, „die im Rahmen von COVID-19 gestorbenen ist, man im Obduktionsmaterial später das Virus gar nicht mehr nachweisen“ könne. Püschel wollte die genaue Todesursache der Corona-Infizierten erforschen. Durch ihn wurde offiziell bekannt, dass die von ihm obduzierten „Corona-Toten“ allesamt Vorerkrankungen hatten: Krebs, chronische Lungenerkrankung, Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen; sie waren starke Raucher oder schwer fettleibig.

Laut dem Mediziner ist das SARS-CoV-2 der „letzte Tropfen“, der das Fass zum Überlaufen gebracht habe. Nach Bekanntwerden dieses Umstandes hieß es vonseiten des RKI, dass es „sehr wichtig“ sei, Obduktionen durchzuführen. Inzwischen ist der Pathologe gern gesehener Gast bei Talkshows und Interviewpartner der Medien.


*Anmerkung der Red.: Die Epoch Times bezeichnet das neuartige Coronavirus, das die Krankheit COVID-19 verursacht, auch als KPCh-Virus – in englischsprachigen Medien wird es auch CCP-Virus genannt. Mehr dazu: Leitartikel: Dem Virus den richtigen Namen geben