„Ranghoher Mitarbeiter“: Zweiter Selbstmord innerhalb eines Monats in Hessens Finanzministerium

Von 20. April 2020 Aktualisiert: 20. April 2020 12:40
Nicht einmal drei Wochen nach dem Selbstmord des Ministers Thomas Schäfer wird das Finanzministerium in Hessen von einem weiteren Freitod erschüttert – diesmal eines ranghohen Mitarbeiters. Ein Sprecher bestreitet einen Zusammenhang zwischen den Fällen.

In Hessen soll sich nur knapp drei Wochen nach dem mutmaßlichen Selbstmord des langjährigen hessischen Finanzministers Thomas Schäfer ein weiterer ranghoher Mitarbeiter im Finanzministerium desselben Bundeslandes das Leben genommen haben. Dies berichtet das „Redaktionsnetzwerk Deutschland“ (RND) unter Berufung auf eine interne Mail des hessischen Finanzstaatssekretärs Martin Worms an die Mitarbeiter, die dem Netzwerk vorliege.

Demnach sei der Beamte, dessen Name von RND nicht genannt wird, am Donnerstagmorgen (16.4.) leblos in seinem Büro aufgefunden worden. Die Polizei gehe nach dem bisherigen Stand ihrer Ermittlungen von Selbstmord aus.

„Keine Verbindung zum Selbstmord Schäfers oder zu Corona-Krise“

Worms schrieb, so der „Focus“, in seiner Mail von einem „weiteren bestürzenden Schicksalsschlag“. Allerdings wollte er auf Anfrage dem Magazin nicht explizit einen Suizid als Todesursache bestätigen. Aus Rücksichtnahme auf die Angehörigen wolle er keine näheren Angaben machen, äußerte er weiter. Zudem sagte er explizit, es sei „keinerlei Verbindung zu dem Tod von Finanzminister Schäfer oder der Corona-Krise“ zu erkennen.

Die zeitliche Nähe zu dessen mutmaßlichem Suizid lässt allerdings aufhorchen. Schäfer war am 28.3., etwa zwei Wochen nach Verhängung der ersten weitreichenden bundesweiten Lockdown-Maßnahmen, an einer ICE-Strecke im Main-Taunus-Kreis tot aufgefunden worden.

Für Argwohn hatte gesorgt, dass Schäfer in einem Abschiedsbrief von einer „Aussichtslosigkeit“ der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lage geschrieben haben soll, die ihm „zu schaffen gemacht“ habe. Auch Ministerpräsident Volker Bouffier ging eigenen Aussagen zufolge davon aus, dass Schäfer „diese Sorgen erdrückt“ haben, die die Corona-Krise ausgelöst habe, und er „offensichtlich keinen Ausweg mehr“ sah.

Fall Schäfer lenkte Aufmerksamkeit auf Hessens Zinsderivate

Allerdings hatte Schäfer erst wenige Tage vor seinem Tod im Landtag noch Zuversicht zum Ausdruck gebracht, dass es dem Gemeinwesen gelingen werde, die Krisensituation zu bewältigen. Er sprach im Landtag von einer „Jahrhundert-Aufgabe“ und dem „Anfang einer unbekannten Dimension“. Anfang des Monats wurde Michael Boddenberg als neuer Finanzminister von Hessen vereidigt.

Der Selbstmord Schäfers hatte die Aufmerksamkeit noch einmal auf Berichte über Zinsderivate gelenkt, die vonseiten der Schuldenverwaltung des hessischen Finanzministeriums im Jahr 2011 angeschafft worden waren. Vor zwei Jahren hatten Medien bundesweit auf die Titel aufmerksam gemacht, die dazu gedacht gewesen waren, die Vorteile, die niedrige Zinsen nach der Weltfinanzkrise 2008 für Staatsanleihen brachten, auch langfristig durch Derivate abzusichern.

Die Regierung rechnete mit einer Rückkehr der Zinsen auf das Niveau von vor dem Crash, als diese bei fünf Prozent oder mehr gelegen hatten. Aber bis heute haben die Zentralbanken ihre Niedrigzinspolitik beibehalten und die Corona-Krise lässt nicht erwarten, dass sich daran in den kommenden Jahren Wesentliches verändern wird.

Zinsniveau dürfte bis auf Weiteres nicht steigen

„Wir haben nicht spekuliert, sondern für Planungssicherheit gesorgt“, hatte Schäfer im Jahr 2018 gegenüber der „Welt“ erklärt, nachdem diese ihn auf Zinsderivate angesprochen hatte. Der Minister sah auch keinen Grund zur Beunruhigung darin, dass die weiterhin niedrigen Zinsen auf den Marktwert der Derivate drückten. Diese ließen damals schon Buchverluste von mehr als drei Millionen Euro entstehen. Zudem waren die durch Derivate abgesicherten Außenstände von 24,7 Prozent auf im Jahr 2018 bereits auf 52,2 Prozent der hessischen Schulden angewachsen.

Wie er – grundsätzlich zurecht – anmerkte, würden die Buchverluste nur dann realisiert, wenn das Land die Papiere an der Börse veräußern würden. Ihre Laufzeit betrage 40 Jahre, deshalb könne man erst dann sagen, ob sich ihre Anschaffung gelohnt habe. Immerhin könne das Zinsniveau bis dahin noch deutlich steigen.

Allerdings schrieb die „Welt“ schon damals, dass es neben den Papieren, die bloße Buchverluste erzeugt hätten, schon einige gegeben hätte, bei denen auch bereits ein realer Schaden entstanden wäre.

Absturz der Börsen zwischen Mitte Februar und Mitte März

Dies ließ den Verdacht aufkommen, zumindest einige der Derivate könnten als Knock-out-Konstrukte strukturiert gewesen sein. In diesem Fall würde ein Titel sofort vollständig seinen Wert verlieren, sobald ein Basiswert, von dem sich das Derivat ableitet, eine bestimmte Schwelle unterschreitet. Normalerweise achtet ein Erwerber bereits im Vorfeld des Ankaufs eines solchen Derivats darauf, dass – gerade bei sehr langen Laufzeiten – eine allfällige Knock-Out-Schwelle so gesetzt wird, dass sie bei nicht außergewöhnlicher Börsenentwicklung nicht unterschritten wird. Oder er setzt eine – ebenfalls mit zusätzlichem finanziellem Aufwand verbundene – Stopp-Loss-Schwelle, um das Papier rechtzeitig loszuwerden.

Zwischen 19. Februar und 18. März hatte beispielsweise der DAX fast 40 Prozent eingebüßt, andere bedeutsame Aktienindizes hatten ähnliche Verluste zu beklagen. Es entspricht der Lebenserfahrung, dass eine Vielzahl an strukturierten Produkten des Finanzmarktes, die eine Knock-Out-Schwelle eingebaut hatten, angesichts der Höhe dieses Absturzes ihren Wert dauerhaft eingebüßt haben.

Ob und inwieweit Produkte, die Hessens Finanzverwaltung zur Absicherung des Zinsniveaus erworben hatte, betroffen sind, ist bis heute nicht geklärt. Ohne Detailkenntnisse der Geschäftsbedingungen jedes einzelnen Derivats lässt sich auch nicht genau bestimmen, inwieweit vorzeitige Wertverluste realisiert worden sein könnten. Der Markt an strukturierten Produkten ist vielfältig und dynamisch, die Produkte selbst häufig komplex aufgebaut.

Finanzministerium stellte Wettcharakter der Derivate stets in Abrede

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Schäfer hatte stets bestritten, die Zinsen durch Produkte abgesichert zu haben, die ein aleatorisches Element, also Züge einer Wette, aufwiesen. „Godmode Trader“-Finanzredakteur Oliver Baron meinte hingegen, dass so etwas nicht möglich sei: „Absicherung gegen steigende Zinsen und Wetten auf steigende Zinsen sind nämlich im konkreten Fall völlig identisch“, erläutert Baron.

Neben Hessen setzen nach derzeitigen Erkenntnissen noch elf weitere Bundesländer Derivate ein, um ihr Zinsentwicklungsrisiko zu minimieren. Nur Bayern, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Thüringen verfügen über keine Titel dieser Art in ihren Portfolios.

Ob die beiden Selbstmorde in den führenden Etagen des hessischen Finanzministeriums mit der Haushaltssituation oder überhaupt auch nur in irgendeiner Weise miteinander in Verbindung stehen, ist bis dato in keiner Weise geklärt. Private oder persönliche Hintergründe können den Freitod des Regierungsbeamten motiviert haben wie behördeninterne Vorgänge – etwa Mobbing – oder Gründe, die abseits dieser häufigen Ursachen für Selbstmorde liegen.

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