Irak: Terrormiliz IS meldet sich mit Angriffen zurück – Experten gehen von 3.000 Kämpfern aus

Die erfolgreichen Schlachten der US-geführten Antiterrorkoalition im irakischen Mossul (2016-17) und im syrischen Rakka (2017) galten als der Anfang vom Ende der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS).

Die Extremisten, die durch ihren Vormarsch in beiden Ländern während des Jahres 2014 und eine Reihe von weltweiten Terrorakten für Aufsehen gesorgt hatten, galten im Vorjahr als endgültig besiegt. Mittlerweile mehren sich jedoch die Anzeichen für ein Comeback des IS im Irak.

Terrormilizen als Früchte der Spannungen zwischen Volksgruppen und Konfessionen

Wie der „General-Anzeiger“ schreibt sollen Trupps, die der Terrormiliz zuzurechnen seien, in den vergangenen Wochen mehrfach durch Angriffe auf reguläre Milizen im Irak und in Syrien die Aufmerksamkeit auf sich gezogen haben. Der folgenschwerste davon ereignete sich vor wenigen Tagen etwa 50 Kilometer nördlich von Bagdad. Dabei kamen mindestens zehn Kämpfer der schiitisch dominierten PMF-Miliz („Haschd al-Schaabi“) ums Leben.

Die Gruppe entstand 2014 für den Kampf gegen den IS und gilt als proiranisch. Kritiker hatten in diesem Zusammenhang auch ihren Angehörigen Kriegsverbrechen und Racheakte gegen sunnitische Zivilisten vorgeworfen.

Im März des Vorjahres hatte der IS auch die letzten Territorien seines ehemaligen „Kalifats“ verloren. Der Anführer der Miliz, Abu Bakr al-Baghdadi, wurde im vergangenen Oktober im syrischen Idlib von US-amerikanischen Spezialkräften gestellt und nahm sich durch Zünden einer Sprengstoffweste das Leben. Der frühere irakische Armeeoffizier Amir Mohammed Abdul Rahman al-Mawli al-Salbi galt als Nachfolger. Ein Großteil der Mitglieder der Terrormiliz war zu diesem Zeitpunkt tot, in Gefangenschaft oder hatte sich in andere Länder abgesetzt.

Neben Norden von Bagdad bleibt Kirkuk IS-Schwerpunkt

Nun scheinen vor Ort verbliebene Strukturen des IS zu versuchen, „langsam und methodisch“ wieder Fuß zu fassen, erklärt der US-amerikanische Antiterrorexperte Charles Lister. Sie haben sich offenbar in die dünn besiedelte Wüste Badia zurückgezogen, deren Territorium sich über Teile Syriens und des Irak erstreckt. Von dort aus sollen auch syrische IS-Anhänger im Nachbarland eingesickert sein. Die Armee des Regimes von Machthaber Baschar al-Assad ist durch den Versuch gebunden, Idlib zurückzuerobern. Dadurch wird die Grenze wieder durchlässiger.

Die Zahl der IS-Kämpfer im Irak wird mittlerweile wieder auf etwa 3.000 geschätzt. Schwerpunkt ihrer Angriffe ist das Gebiet der ehemals umkämpften Provinz Kirkuk, wo es anhaltende Spannungen zwischen Kurden, Schiiten, aramäischen Christen sowie sunnitischen Arabern und Turkmenen gibt. In Dörfern rund um die Stadt Bakuba soll der IS vor allem Bauern bedrohen. Außerdem würden Angehörige der Terrormiliz Schmuggel betreiben oder entlang der Routen Reisende ausrauben oder zur Entrichtung von „Mautgebühren“ erpressen.

Dass die Armee im Irak dazu eingesetzt wird, Corona-bedingte Ausgangssperren zu überwachen, führt dazu, dass Soldaten und Sicherheitskräfte von der Beobachtung und Aufklärung bezüglich der IS-Zellen abgezogen werden.

Nach sechs Monaten wieder ein Regierungschef im Irak

Der Irak ist zudem durch eine innenpolitische Dauerkrise geschwächt, erst vor einem halben Jahr wurde der damalige Regierungschef Adil Abdul Mahdi wegen Korruption und Misswirtschaft aus dem Amt gedrängt. Am Mittwoch (6.5.) konnte mit Mustafa al-Kadhimi ein Nachfolger als Regierungschef die Bestätigung durch das Parlament erreichen.

Ob er in der Lage sein wird, Probleme wie Wirtschaftskrise, Spannungen zwischen Konfessionen und Volksgruppen und klandestine Strukturen früherer Armeeangehöriger, die erfahrungsgemäß den operativen Kern des IS bilden, zu bewältigen, ist offen.

Quelle: https://www.epochtimes.de/politik/welt/irak-terrormiliz-is-meldet-sich-mit-angriffen-zurueck-experten-gehen-von-3-000-kaempfern-aus-a3236789.html