Schub für die Leichtathleten durch Sommermärchen

Epoch Times12. August 2018 Aktualisiert: 12. August 2018 21:47
Medaillen, Stimmung, neue Stars - die Heim-EM hat den deutschen Leichtathleten einen kräftigen Schub gegeben. Die Dramaturgie im Stadion stimmt, und auch in der City ist der Bär los. Und Gesa Krause gewinnt zum EM-Abschluss das sechste Gold über 3.000 Meter Hindernis.

Für die deutsche Leichtathletik sind die Europameisterschaften in Berlin ein Sommermärchen gewesen, das Olympia-Hoffnungen für Tokio 2020 weckt.

„Es haben viele Dinge funktioniert, aber bei weitem nicht alles“, bilanzierte Idriss Gonschinska, der Cheftrainer des Deutschen Leichtathletik-Verbandes. Da geht also noch mehr? 19 Medaillen (6 Gold/7 Silber/6 Bronze) standen am EM-Ende für die DLV-Asse zu Buche. Seit der bis dato letzten Heim-EM 2002 in München (19) gab es nicht mehr so viele Plaketten – in Berlin sind aber vier mehr aus Gold als vor 16 Jahren.

„Die deutsche Leichtathletik hat in dieser Woche einen Schub bekommen, den wir hoffentlich in den nächsten Jahren nutzen werden“, sagte Verbandspräsident Jürgen Kessing. Der DLV-Direktor dachte zunächst nur bis zu den Sommerspielen 2020 in Tokio und der WM-Zwischenstation 2019 in Katar. „Wir sind schon ein bisschen näher an den Olympischen Spielen in Tokio“, sagte Gonschinska. „Da haben wir von den Rio-Spielen 2016 einiges gut zu machen – und das wollen wir auch.“ Aus Brasilien kam der DLV nur mit drei Medaillen nach Hause.

Den Heimvorteil haben viele der 125 DLV-Athleten im Olympiastadion nutzen können. „Am Tag X performen – das war unser Motto. Und davon ist sehr, sehr viel aufgegangen“, betonte Gonschinska.

Die vom DLV ausgeklügelte Dramaturgie des Erfolgs ist perfekt aufgegangen: Bis Sonntag gab es an fünf der sechs Final-Abenden mindestens einen Europameister in Schwarz-Rot-Gold zu feiern. Sechs Mal erklang die Nationalhymne auf dem Breitscheidplatz: für Thomas Röhler und Christin Hussong (beide Speerwurf), Arthur Abele (Zehnkampf), Mateusz Przybylko (Hochsprung), Malaika Mihambo (Weitsprung) und zum krönenden Abschluss für Gesa Felicitas Krause über 3000 Meter Hindernis.

Die Frankfurterin konnte damit als einzige der fünf deutschen EM-Gewinner von 2016 ihren Titel verteidigen. Den Schlusspunkt der erfolgreichen Heimspiele setzte die von Gina Lückenkemper angeführte 4×100-Meter-Staffel, die auf den Bronze-Rang flitzte. Lückenkemper, die EM-Zweite über 100 Meter, ist die einzige der DLV-Spitzenathleten, die zwei Medaillen gewinnen konnte.

„Das war mit Sicherheit einer der schönsten Leichtathletik-Tage, die wir erlebt haben“, schwärmte Gonschinska vom Super-Samstag mit den Gold-Sprüngen von Przybylko und Mihambo sowie Silber und Bronze durch das Diskus-Duo Nadine Müller und Shanice Craft.

Sprint, Lauf, Wurf, Sprung und Stoß – bei der Heim-EM zeigte sich wieder einmal, dass die deutsche Leichtathletik gut aufgestellt ist und über zahlreiche Talente verfügt. „Man muss die Leichtathletik breit und komplex entwickeln“, sagte Gonschinska. „Wir wollten mit der EM den nächsten Schritt gehen und zeigen, dass man in vielen Bereichen auf einem guten Weg ist.“

Dies gilt auch für Talente wie Claudine Vita (Diskus), Alina Reh (10.000 Meter) oder Niklas Kaul (Zehnkampf), die Bronze knapp verpassten. „Das sind keine Blechmedaillen für mich“, lobte Gonschinska.

Es gab aber nicht nur Grund zur Freude, sondern auch Enttäuschungen. Das Scheitern von Diskus-Olympiasieger Christoph Harting in der Qualifikation gehört dazu. „Manche Leistungen waren nicht so gut. Nicht akzeptabel war der Auftritt von Christoph Harting“, kritisierte Clemens Prokop, Chef des EM-Organisationskomitees und langjähriger DLV-Präsident. Aber: „Insgesamt haben sich unsere Athleten bei dem Heimspiel als erfolgreiche Botschafter unserer Sportart präsentiert.“

Dass im „Aktuellen Sportstudio“ des ZDF am Samstag gleich vier Leichtathleten saßen und weitere zugeschaltet wurden, ist ein Fingerzeig für den Imagegewinn der olympischen Kernsportart. Die DLV-Asse nutzten die Bühne auch zur harschen Kritik an der Politik. „Was ich mich frage: Warum war Frau Merkel nicht da?“, sagte Kugelstoßerin Christina Schwanitz. Nach Rio de Janeiro zum Fußball-WM-Finale 2014 sei Bundeskanzlerin Angela Merkel geflogen. „Im Fußball geht’s. Und jetzt, wo es im eigenen Land ist, und es ist ja nicht erst seit gestern bekannt, ist sie nicht da“, klagte Schwanitz. „Das finde ich ziemlich schade. Da sieht man auch die Wertschätzung.“ (dpa)

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