Tierärzte kritisieren Ferkelkastrations-Pläne der Bundesregierung

Tierärzte sind teuer. Die Bundesregierung will in der Diskussion um Ferkelkastration auch den deutschen Landwirten einen Weg eröffnen, ohne Tierärzte die Ferkel betäuben zu können. Veterinäre sind skeptisch.
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Die von vielen konventionellen Landwirten noch betriebene Praxis, Ferkel kurz nach der Geburt ohne Betäubung zu kastrieren, ist nach jetzigem Stand mit Beginn 2019 verboten.Foto: Carmen Jaspersen/dpa
Epoch Times10. November 2018

Der Plan der Bundesregierung, bei der Ferkelkastration den Landwirten die Betäubung auch ohne Arzt zu erlauben, stößt auf Kritik der Bundestierärztekammer.

„Von veterinärmedizinisch fachlicher Seite ist die Durchführung der Isofluran-Narkose durch den tierärztlichen Laien kritisch zu beurteilen“, sagte Karl-Heinz Waldmann, Professor an der Tierärztlichen Hochschule Hannover, im Namen der Bundestierärztekammer der Deutschen Presse-Agentur. Isofluran ist ein Narkosemittel.

Der Vorgang der Narkose sei sehr anspruchsvoll, es könne zu Nebenwirkungen und Zwischenfällen bis zum Tod des Ferkels kommen, sagte Waldmann. Außerdem sei die Betäubung mit den derzeit verfügbaren Geräten häufig unzureichend.

Eber werden kastriert, weil bei etwa fünf Prozent der Tiere der von vielen als unangenehm empfundene Ebergeruch auftreten kann. Eberfleisch gilt als schwerer vermarktbar als das Fleisch von kastrierten und weiblichen Tieren.

Die von vielen konventionellen Landwirten noch betriebene Praxis, Ferkel kurz nach der Geburt ohne Betäubung zu kastrieren, ist nach jetzigem Stand mit Beginn 2019 verboten. Die Bundesregierung beabsichtigt aber, die Übergangsfrist noch um zwei Jahre zu verlängern. Nach Darstellung von Vertretern der Landwirtschaft und der Fleischindustrie ist die Branche noch nicht so weit, das Verbot schon flächendeckend umzusetzen. Tierschutzorganisationen und die Grünen üben an der geplanten Verlängerung Kritik.

Als Alternativen zur betäubungslosen Kastration sind derzeit die Vollnarkose mit Isofluran, die Mast der Eber ohne Kastration und eine Impfung der Eber gegen den Ebergeruch im Gespräch. In Dänemark wurde auch die Variante entwickelt, dass die Landwirte ohne Tierarzt die Ferkel lokal betäuben dürfen. Die Fleischindustrie fordert, diese Methode auch in Deutschland zuzulassen. Bundestierärztekammer und Tierschutzverbände lehnen das aber strikt ab.

Die Isofluran-Methode wird derzeit in der Biolandwirtschaft und von Neuland-Landwirten angewandt, allerdings vom Tierarzt durchgeführt. Eine reguläre Zulassung hat der Betäubungsstoff derzeit noch nicht, es handelt sich um Ausnahmegenehmigungen. Die Bundesregierung will den Wirkstoff regulär zulassen. Landwirte sollen eine Schulung bekommen, um nach einem Sachkundenachweis ihre Ferkel ohne Tierarzt betäuben zu können. In der Schweiz wird das schon seit 2010 praktiziert. Hintergrund für den Verzicht auf den Tierarzt bei der Kastration sind die deutlich höheren Kosten, die dem Ferkelerzeuger entstehen.

Die Isofluran-Betäubung spielt auch eine Rolle bei der Fachmesse Eurotier in Hannover vom 13. bis 16. November. Dort stellen Schweizer Firmen Betäubungsanlagen vor.

Tierschützer sind in der Beurteilung der Isofluran-Betäubung ohne Tierarzt gespalten. Unter der Voraussetzung, dass die Landwirte fachgerecht geschult, regelmäßig kontrolliert, die Betäubungsgeräte regelmäßig gewartet werden und den Tieren noch ein Schmerzmittel verabreicht werde, trage der Deutsche Tierschutzbund diese Lösung mit, sagte eine Sprecherin. Der kleinere Verein ProVieh hingegen lehnt die Kastration komplett ab und fordert, wie viele Tierärzte auch, auf die Ebermast oder die Impfung gegen den Ebergeruch zu setzen. „Ein chirurgischer Eingriff bleibt ein chirurgischer Eingriff“, sagte ProVieh-Expertin Angela Dinter. Die Schweine müssten so gehalten werden, dass die Tiere unversehrt bleiben.

Auch aus Sicht der Bundestierärztekammer seien Methoden zu bevorzugen, bei denen die Tiere unversehrt bleiben, sagte Waldmann. Gerade gegen die Impfung gegen Ebergeruch gebe es keine wissenschaftlich begründbaren Argumente. „Die Fleischbranche und der Lebensmitteleinzelhandel müssen es nur wollen.“ Am Ende müssten mehrere Möglichkeiten stehen; auch unter Schmerzausschaltung kastrierte Ferkel. (dpa)



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