Japan: Trennen was der Müll hergibt

Epoch Times20. Juni 2019 Aktualisiert: 20. Juni 2019 6:56

Müll in Plastik, Papier und Metall trennen kann jeder. In der südjapanischen Kleinstadt Kamikatsu ist es schwieriger: Hier sortieren die Menschen ihren Abfall in 45 Kategorien. „Zero waste“ heißt das Ziel. Bis nächstes Jahr soll der Müll komplett wiederverwertet werden.

„Ja, es ist kompliziert“, sagt Naoko Yokoyama. Die 39-Jährige hat gerade ihren Müll zum städtischen Wertstoffhof gebracht. „Aber es hat dazu geführt, dass ich umweltbewusster geworden bin, seit ich vor einem Jahr hierher gezogen bin.“

Die Kategorien reichen von einer für Kissen bis zu der für Zahnbürsten. Eine mühevolle und zeitaufwändige Aufgabe für die Einwohner.

Jeder muss Müll selbst wegbringen

Jeder muss seinen fein säuberlich getrennten Müll selbst zum Wertstoffhof bringen – gewaschen und getrocknet, weil das die Wiederverarbeitung leichter macht.

Im Wertstoffhof stehen Dutzende Kisten, in die der Müll sortiert wird. Ein Mann ist gerade dabei, sein altes Regal mit dem Hammer zu zerlegen, um Holz- und Metallteile zu trennen. Arbeiter mühen sich, einen langen, dicken Gummischlauch zu zerkleinern, damit der in die vorgesehene Box passt.

Mülltrennung ist in Japan weit verbreitet, doch meist werden die Abfälle in nur wenige Arten unterschieden und die Masse des Mülls landet in Verbrennungsanlagen.

Das war in Kamikatsu bis vor einigen Jahren nicht viel anders. Doch 2000 kam die Anordnung, eine der beiden städtischen Müllverbrennungsanlagen zu schließen, weil sie strengeren Schadstoffnormen nicht mehr genügte. Eine Anlage allein konnte den Abfall nicht bewältigen, für den Bau einer neuen war kein Geld da.

„Wir dachten, wenn wir den Müll nicht verbrennen können, dann recyclen wir ihn eben. Recycling ist billiger als Verbrennen“, sagt Midori Suga von der Stadtverwaltung.

2017 wurden bereits etwa 80 Prozent der 286 Tonnen Abfall wiederverwertet – im japanischen Durchschnitt liegt die Recyclingquote bei nur 20 Prozent. Der Rest wird in der Regel verbrannt, weil die gebirgige Landschaft sich nicht für Mülldeponien eignet.

Lebenstil basiert auf Plastik

Die Japaner produzieren pro Kopf weniger Abfall als die Menschen in den meisten anderen entwickelten Ländern. Doch Plastikmüll fällt extrem viel an – nur in den USA ist es noch mehr. Früher exportierte Japan einen Teil des Plastiks zur Wiederverwertung nach China. Doch nun hat Peking die Einfuhr gestoppt.

In Kamikatsu funktioniert die neue Müllstrategie gut. „Das klappt, weil wir hier nur 1500 Leute sind. In einer größeren Stadt wäre das viel schwieriger“, sagt Einwohnerin Yokoyama.

„Es ist bequem, den Abfall einfach zu verbrennen“, sagt die 71 Jahre alte Saeko Takahashi, während die Milchkartons spült. „Aber Recycling ist besser, das ist doch sonst eine riesige Verschwendung.“

Das aufwändige Sortieren des Mülls habe nicht dazu geführt, dass die Menschen in Kamikatsu weniger Abfall verursachen, sagt der Leiter des Wertstoffhofs, Kazuyuki Kiyohara.

„Unser Lebensstil basiert auf Plastik. Die Konsumenten können den Plastikmüll bis zu einem bestimmten Grad reduzieren. Aber solange die Produzenten nicht mitspielen, wird es weiter Plastikmüll geben.“

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„Unsere Bemühungen, keinen Müll mehr zu verbrennen, reichen nicht“, sagt auch Suga von der Stadtverwaltung. „Wir dürfen uns nicht allein auf die Müllverwertung konzentrieren, sondern die Politik muss die Müllproduktion beschränken.“ (afp)

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