Die größte lebende Katzenart, der Amur-Tiger, ist stark gefährdet.Foto: Jeff J Mitchell / Getty Images

Von der Symbolkraft des Tigers

Von 6. September 2012 Aktualisiert: 6. September 2012 15:09

Ein Tiger ist stark, groß und wendig. Als Sinnbild für Kraft – und vielleicht auch für Unabhängigkeit –  findet man Tiger auf verschiedenen Staatswappen, Firmen- und Markenlogos. Kann man sich vorstellen, all diese Tiger auf den Wappen und Logos mit Dinosaurier auszutauschen? Wenn zum Beispiel Esso mit einem Tyrannosaurus rex statt mit einem Tiger werben würde („Pack den Tyrannosaurus in den Tank“)? Der war auch stark und noch größer als der Tiger. Aber eine ausgestorbene Art symbolisiert nicht gerade Innovation und Fortbestand.

So gesehen könnte der Tiger heute gut zu Unternehmen passen, die am Rande der Insolvenz stehen. Denn trotz Schutzprogramme und Jagdverbot seit den 70er Jahren ist der frei lebende Tiger vom Aussterben bedroht. Heute leben nur noch etwa 3.200 Tiger in freier Wildbahn – auf der ganzen Welt. Drei der neun Tiger-Unterarten gibt es bereits nicht mehr. (Kaspischer Tiger, Balitiger, Javatiger). Der zu den sechs verbliebenen Unterarten gehörende Südchinesischen Tiger existiert nur noch in Gefangenschaft.

Geraubtes Raubtier

Dabei galt der Tiger mal als der König des Dschungels oder auch als Zar der Taiga. Nur seine Jungen sowie alte und kranke Exemplare müssen andere Tiere als Feinde fürchten. Doch gegen die Waffen des Menschen kommt auch der starke Tiger nicht an. Er wird gewildert und geschmuggelt. „Die Wilderei zu bekämpfen ist eine der wichtigsten Maßnahmen, die wir treffen müssen“, sagt der Leiter Artenschutz beim WWF Deutschland, Volker Homes, in einem Gespräch mit der Epoch Times. Die Präsenz von Tiger-freundlichen Menschen im Wald  bringe am meisten, doch diese müssen bewaffnet und wehrhaft sein.
Der Motor für die Wilderei seien seine Knochen. Zwar würde der ganze Tiger „genutzt“, doch für die Knochen gäbe es das meiste Geld, sie werden (illegal) in der Traditionellen Medizin Asiens verwendet.

Somit könnte der Tiger heute auch für Unternehmen stehen, die ihre Zulieferer „bis auf die Knochen“ ausbeuten.

Beraubtes Raubtier

Die Könige des Dschungels wurden vielerorts auch ihrer Königreiche beraubt. Auf Sumatra, wo durch Waldrodungen für die Industrie (Papier, Palmöl) seit 1985 pro Jahr im Durchschnitt 550.000 Hektar Naturwald verschwinden, geht dem Sumatra-Tiger nicht nur rasant Lebensraum verloren, sondern auch Beutetiere. In Indien weichen laut einem Bericht von Greenpeace jährlich tausend Hektar Wald dem Kohleabbau. Indiens boomende Wirtschaft braucht Energie. Der Tiger steht zwar in Indien unter Schutz, doch würden laut Greenpeace auch wichtige Korridore, die die Schutzgebiete miteinander verbinden, durch den Kohleabbau beeinträchtigt.
Ist der Tiger dann nicht ein Symbol für Unternehmen und Produkte, für die kein Platz mehr in dieser Welt ist?

Tatsächlich existieren heute etwa drei mal mehr Tiger in Gefangenschaft als in freier Wildbahn. Der Tiger könnte heute also auch für Unternehmen stehen, die von einem anderen Unternehmen geschluckt wurden.

Die meisten Tiger stecken in Tiger-Farmen. „Die gibt es vor allem in China. Das sind überwiegend private Geschäftsleute, die darauf warten, dass der Tiger wieder in der Traditionellen Chinesischen Medizin genutzt werden kann“, meint Homes. Derzeit soll diese Nutzung laut chinesischem Gesetz verboten sein. Es wird geschätzt, dass es bis zu 10.000 Tiger sein könnten, die in China in Käfigen gehalten werden.“ Diese Vermehrung in den Käfigen hat weder mit artgerechter Haltung noch mit Naturschutz zu tun!“, betont Homes. .

Der Tiger könnte darum auch das Symbol für Firmen sein, die ihre Produkte in Ländern und Firmen  fertigen lassen, wo Gefangene unter schlimmsten Bedingungen die Waren produzieren.

Welche Prognose er dem Tiger gibt. wollen wir von Homes wissen: „Die Gründe für das Aussterben sind immens. Die Tiger gibt es ja nur in Asien. Wenn man sich anguckt, wie die Bevölkerung und die Wirtschaft sich in den nächsten 10 bis 20 Jahren entwickeln werden, wenn Sie sich anschauen, wie Billionen Euro in Infrastrukturmaßnahmen fließen – Straßen, Abholzungen – dann ist die Prognose für den Tiger keine besonders rosige. Wenn man sich aber anguckt, dass sich Staatspräsidenten treffen, um den Tiger vor dem Aussterben zu retten, dann habe ich Hoffnung“, antwortet der Artenschutz-Experte.

Gipfel als Wendepunkt?

Im November 2010 trafen sich ranghohe Politiker der 13 Tiger-Staaten in St. Petersburg zu einem Tigergipfel mit dem Ziel, die Tiger-Population bis zum Jahre 2022 zu verdoppeln. Seit dem haben sie sich immer wieder getroffen und verabredet, was sie als nächstes tun wollen, weiß Homes. „So wichtig ist der Tiger den Staaten zumindest“, sagt er. “ 2011 zähle man in Indien 300 Bengal-Tiger mehr als im Jahr 2010 . „Das ist nicht unbedingt auf einen Wachstum der Bestände zurückzuführen“, sagt Homes, „man zählt genauer, man tut mehr gegen die Wildererei, man versucht, die Lebensräume besser zu schützen.“ Homes hofft, dass die rasante Talfahrt im Tigerbestand nun gestoppt ist.

Vielversprechende Schutzmaßnahmen

Der WWF investiert dort, wo die Bemühungen am meisten Erfolg versprechen „Man weiß wo in den 13 Ländern die Verbreitungsschwerpunkte sind. Dort gibt es schon vergleichsweise viele Tiger, aber da ist noch mehr Platz, um die Anzahl zu erhöhen“ In den 40er Jahren gab es deutlich weniger Amur Tiger als heute, erzählt der Artenschutz-Experte: „Da wir wissen, dass so etwas gehen kann, haben wir gute Hoffnung. dass wir das schaffen können.“

Dann wäre der Tiger ein Symbol für starke Unternehmen, Produkte und Marken, die mit Umsicht und (vereinter) Kraft auch Schwerstes überstehen und mit Zuversicht in die Zukunft blicken können. Das hätte ‚was.

 



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