Weltbank und NYSE wollen „Wald-Zertifikate“ vorantreiben – Experten wittern Betrug

Durch sogenannte Wald-Zertifikate sollen Investoren künftig die Kontrolle über Landflächen ausüben. Auf diese Weise soll deren „nachhaltige“ Bewirtschaftung gesichert werden. Experten halten die vom WEF vorgetragene Idee für eine Einladung zu Betrug und Willkür.
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Sind Wald-Zertifikate die neuste Spielart der ESG-Agenda?Foto: iStock
Von 20. Dezember 2023

Im Jahr 2021 hatte das Weltwirtschaftsforum (WEF) einen damals wenig beachteten Artikel auf seiner Website gepostet. Darin hieß es, dass die „Bewertung von Naturkapital“ die Zukunft des Investments darstelle. Auf der Weltklimakonferenz COP28 hat die Weltbank bereits davon inspirierte Konzepte vorgestellt. Nun hat auch die New Yorker Börse (NYSE) eine neue Anlageklasse geschaffen. Sogenannte Natural Asset Companies (NAC), also „Unternehmen für natürliche Ressourcen“, sollen demnach „Wald-Zertifikate“ und ähnliche Werte aufkaufen und verwalten.

Weltbank pusht „Wald-Zertifikate“ auf internationaler Ebene

Wie „table.media“ erklärt, haben die sogenannte Bankenallianz, die Rockefeller-Stiftung und die NYSE zusammengewirkt, um die Investmentklasse an der New Yorker Börse zu etablieren. Gleichzeitig will die Weltbank bereits im nächsten Jahr den globalen CO₂-Handel auf „hoch integren“ Märkten etablieren.

An der Initiative wollen sich bereits 15 Länder beteiligen. Bei diesen handelt es sich um Chile, Costa Rica, die Dominikanische Republik und Guatemala auf dem amerikanischen Kontinent. Aus Asien und Ozeanien sollen vorerst Indonesien, Laos, Vietnam, Nepal und Fidschi mit dabei sein. Afrika wäre durch die Elfenbeinküste, die Demokratische Republik Kongo, Ghana, Madagaskar, Mosambik und die Republik Kongo vertreten.

Der Clou an dem Projekt solle sein, dass die „hoch integren“ Märkte einen eigenen „Goldstandard“ aufweisen sollen. Die CO₂-Zertifikate sollen demnach durch Waldschutz generiert werden. Auf diese Weise schließt sich der Kreis zu den sogenannten Wald-Zertifikaten.

„Ökosystemleistungen“ würden tragende Rolle spielen

Justin Bis, der Direktor der „Financial Fairness Alliance“ und früherer hochrangiger Berater im Weißen Haus und Energieministerium, zeigt sich höchst skeptisch. In der „Washington Times“ weist er darauf hin, dass das System gängige Grundlagen und Prinzipien des Wertpapiergeschäfts infrage stellen würde.

Dies sei auch das erklärte Ziel des WEF, in dessen Artikel dafür plädiert wird, das „lineare Wirtschaftssystem“ zu „unterbrechen“ oder gar zu „ersetzen“. Die sogenannten Natural Asset Companies hätten nicht mehr zum Ziel, bestmögliche Gewinne zu erzielen. Vielmehr wäre ihr Hauptzweck, „den Wert von Naturgütern und deren Produktion von Ökosystemleistungen aktiv zu verwalten, zu erhalten, wiederherzustellen“ – und dann erst zu steigern.

Unter „Ökosystemleistungen“ seien beispielsweise „Luft, Wasserversorgung, Hochwasserschutz, produktive Böden, Klimastabilität, Lebensraum für Wildtiere“ zu verstehen. Den NACs wäre es untersagt, das Land auf „nicht nachhaltige“ Weise zu nutzen, etwa den Bergbau.

„Wald-Zertifikate“ und NACs als „Vehikel für Betrug“

Im Kern, so Bis, würden die Unternehmen versuchen, natürliche Ressourcen wie Luft oder Wasser in Geld zu bewerten und zu kontrollieren. Diesen Wert würden sie insbesondere dann ins Treffen führen, wenn es um Investitionen gehe.

Ein neu gegründetes Unternehmen namens „Intrinsic Exchange Group“ (IEG) solle diesen Bewertungsprozess überwachen. In der von der NYSE selbst vorgeschlagenen Regelung für das Gebaren der Verwalter von Wald-Zertifikaten werde eingeräumt, dass es dafür keine Erfahrungswerte gebe. Es sei allerdings augenfällig, dass „die Aktivitäten der NAC durch die traditionellen Finanzberichterstattungsstandards allein nicht gut erfasst werden“.

Aus Sicht von Bis hat es insbesondere ein Geschmäckle, dass die NYSE selbst Investorin von IEG sei. Dabei könne dieses aufgrund seiner experimentellen Bewertungsmethodik nicht als zuversichtlich angesehen werden. Für den Finanzexperten steht fest:

„In der Tat müssen die NACs als Vehikel für Betrug angesehen werden. ‚Investoren‘ würden Geld in ein Unternehmen stecken, das nichts anderes produziert als die Kontrolle über bereits natürlich vorhandene Vermögenswerte.“

ESC-Bewegung will zunehmende Widerstände umschiffen

Tatsächlich habe das Unternehmen alle Merkmale einer gemeinnützigen Einrichtung, sei aber wie ein gewinnorientiertes Unternehmen organisiert. Das System sei darauf ausgelegt, bestimmte Formen der Nutzung von Land zu verhindern. Dabei gehe es vorwiegend um die Förderung von Öl, den Bergbau oder andere Formen der Produktion von Sachwerten.

Dies jedoch, so betont Bis, stehe im Widerspruch zum Zweck der Börsenaufsicht (SEC). Diese habe nach eigenen Angaben den Zweck, „betrügerische und manipulative Handlungen und Praktiken“ zu verhindern.

Finanzanalystin Gabriella Hoffman sieht in den NACs und den „Wald-Zertifikaten“ einen Versuch, die sogenannte ESC-Bewegung am Leben zu erhalten. Aufgrund schwindender Popularität, schlechter Performance von Fonds und Gegenwind aus republikanischen Staaten sei diese mit Rückschlägen konfrontiert.

Hochamt des woken Kapitalismus

Die sogenannte ESG-Agenda, die für „Environmental, Social and Governance“ (Umwelt, Soziales und Unternehmensführung) steht, will ökonomische Bewertungen nicht mehr an einem rein monetären Gewinn ausrichten.

Stattdessen sollten auch „nicht monetäre Vorteile“ in Investitionsentscheidungen und Bewertungen einfließen. Darunter verstehen die Protagonisten dieses Ansatzes regelmäßige Erwägungen der „Nachhaltigkeit“ oder „woke-sozialer“ Anliegen.

ESG-Fonds machen ihre Investitionsentscheidungen vor allem von nicht finanziellen Aspekten von Unternehmen abhängig. Sie investieren daher vorrangig in Unternehmen, die sich Agenden verpflichtet fühlen, die nach ESG-Kriterien als politisch oder ideologisch wünschenswert gelten.

NACs als Einfallstor für Chinas KP?

Finanzanalystin Gabriella Hoffman erklärt in einer Analyse für „Real Clear Markets“, dass es bei der Zulassung von NACs an der NYSE schon während des Prozesses selbst zu Unregelmäßigkeiten gekommen sei. So habe die US-amerikanische Börsenaufsichtsbehörde SEC vorschnell eine Kommentarfunktion abgeschaltet und darüber hinaus bestünden Zweifel, ob die NYSE überhaupt als Investor dieser Art tätig werden dürfe:

„Ihre Aufgabe ist der Schutz von Anlegern und die Aufrechterhaltung effizienter Märkte – nicht die Verwaltung und Erhaltung von privatem oder öffentlichem Land.“

Es bestehe die Gefahr, dass bei Genehmigung der Regelung auch bundeseigenes Land zur Aneignung durch NACs zur Verfügung stünde. Das ziehe nicht nur die Gefahr manipulativer und betrügerischer Geschäftspraktiken wie etwa beim Kompensationsunternehmen „South Pole“ nach sich.

Unternehmen, die natürliche Ressourcen nutzten, würden die Erlaubnis erhalten, Landrechte für Mineralien, Wasser oder Luft auch an „souveräne Nationen oder private Landbesitzer“ zu lizenzieren. Dazu könne etwa die KP Chinas gehören. Diese kaufe jetzt schon in zunehmendem Maße Ackerland in den USA auf, um dort nachrichtendienstliche Erkenntnisse zu gewinnen.

„Menschen vor Ort pflegen ihr Land am besten“

Zudem handele es sich bei „privaten Landbesitzern“, die sich in NACs einkauften, nicht um traditionelle Familienbetriebe. Stattdessen würden Vermögensverwalter wie BlackRock oder Nuveen Natural Capital Kapital von Dritten investieren, um dort ESG-Richtlinien durchzusetzen.

Gabriella Hoffman macht in ihrer Analyse für „Real Clear Markets“ deutlich, warum die sogenannten Wald-Zertifikate eine unnütze und gefährliche Idee seien:

„Die Regierung sollte der Natur keinen Wert zuweisen und das Eigentum und den Zugang nicht von Einzelpersonen auf Finanzverwalter und ausländische Nationen übertragen, die uns möglicherweise untergraben wollen.“

Es seien die Menschen, die dem Land am nächsten seien, die dieses am meisten wertschätzten und am besten pflegten. Lokale Kontrolle für manipulative Vorschriften oder einfallsreiche Investitionspläne zu opfern, bringe keinen Mehrwert.



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