Mit Inflation und Energiekrise steigt in Großbritannien auch die Zahl der Insolvenzen
Mit Inflation und Energiekrise steigt in Großbritannien auch die Zahl der Insolvenzen (Archivbild).Foto: Christopher Furlong/Getty Images

Gewerbe in Not: Insolvenzen in Großbritannien nehmen rasant zu

Von 20. September 2022 Aktualisiert: 20. September 2022 15:04
Erst die Corona-Pandemie, nun die Energiekrise. Es sieht nicht gut aus um die Wirtschaftslage in Großbritannien. Immer mehr Unternehmen müssen angesichts der schwierigen Bedingungen kapitulieren.

Viele Unternehmen kämpfen derzeit mit den stark angestiegenen Gas-, Strom- und Kraftstoffpreisen. Diese schmälern ihre Umsätze oder machen ihre Arbeitsprozesse gar unrentabel. Ebenso ist ein Großteil der Bevölkerung gezwungen, ihren Konsum einzuschränken. Das Ergebnis: Eine regelrechte Pleitewelle überrollt nun weite Teile von Großbritannien.

Wie das Nachrichtenportal „The Guardian“ berichtet, stieg die Anzahl der zahlungsunfähigen Unternehmen in England und Wales im August um 43,4 Prozent.

Fast 2.000 Insolvenzen

So gab es im August 1.933 Insolvenzen. Ein deutlicher Zuwachs – verglichen mit 1.348 im Vorjahresmonat, teilte der Insolvenzdienst mit. Der Wert lag zudem 42 Prozent über dem Niveau im August 2019, bevor die COVID-19-Pandemie ausbrach.

Ein entscheidender Grund ist der Umsatzeinbruch bei den Unternehmen. Die Kauflaune der Kunden wird durch die inflationäre Preisentwicklung mehr als nur getrübt. Immer mehr Briten haben Mühe, überhaupt ihre Grundkosten zu bezahlen. Die britische Regierung unternahm bereits erste Entlastungsmaßnahmen und fror die Preise ein. Damit sollten die stark gestiegenen Gas- und Strompreise entschärft werden. Allerdings werden die diesjährigen Energiepreise dennoch mehr als doppelt so hoch sein wie in den vergangenen Jahren.

Die Regierung hat den Unternehmen für sechs Monate eine „gleichwertige Unterstützung“ zugesagt. Jedoch hat das Büro des Premierministers bereits zugegeben, dass Einzelheiten des Pakets möglicherweise erst in mehreren Wochen verfügbar sind. Diese Verzögerungen der Unterstützung könnte viele Unternehmen wahrscheinlich in die Insolvenz treiben. Denn sie müssen derweil mit den weiterhin hohen Rechnungen fertig werden.

Nicht weniger besorgniserregend ist die Entwicklung des britischen Pfunds. Dieser verzeichnete in den letzten Wochen einen deutlichen Abwärtstrend. Seit Anfang August bis heute (20. September) fiel die Währung von 1,20 Euro auf 1,14 Euro. Nach den Daten erreichte das Pfund gegenüber dem US-Dollar ein 37-Jahres-Tief, was die Besorgnis der Händler über die Wirtschaft widerspiegelt. Auch die Einzelhandelsumsätze gingen im August in Großbritannien stärker als erwartet zurück, was die Besorgnis über die Wirtschaft verstärkte.

Pubs vor dem Aussterben?

Laut den Ergebnissen einer Umfrage des Branchenblatts „The Morning Advertiser“ trifft es besonders die traditionellen Pubs in Großbritannien sehr hart. Wegen stark gestiegener Strom- und Gaspreise droht demnach mehr als 70 Prozent der urigen Kneipen in diesem Winter das Aus. Rund zwei Drittel der befragten Wirte gaben an, die Kosten nicht auffangen zu können. Es sei bereits von einem „Aussterben“ der Pubs die Rede, so der Bericht.

Die Kneipen hätten teilweise mit einer Vervierfachung ihrer Energiekosten im Vergleich zu der Zeit vor der Pandemie zu kämpfen. Glaubt man den Warnungen des Branchenverbands „British Beer and Pub Association“ ist die gesamte Lieferkette stark unter Druck. Unter anderem habe ein für die Bierherstellung wichtiger Produzent von Kohlendioxid angekündigt, wegen der schwierigen Marktbedingungen aus dem Geschäft auszusteigen.

Der Verband fordert einen schnellstmöglichen Energiepreisdeckel für kleinere Unternehmen. „Ohne sofortige Hilfsmaßnahmen der Regierung für die Branche sehen wir dem Ausblick entgegen, dass viele Pubs ihre Rechnungen nicht bezahlen können, Jobs verloren gehen und viele Lokale im ganzen Land schließen müssen“, sagte der Geschäftsführer Pub-Kette Greene King, Nick Mackenzie. „Das würde bedeuten, die ganzen Anstrengungen, Pubs während der Pandemie über Wasser zu halten, wären umsonst gewesen.“

Kultur im Niedergang

Die Pub-Kultur in Großbritannien, einst sozialer Dreh- und Angelpunkt vieler Dörfer und Stadtviertel, ist schon länger im Niedergang. Erst im Juli wurde ein neuer Tiefpunkt vermeldet, als die Zahl der Pubs in England und Wales auf unter 40.000 sank. Anders als die Eckkneipe in Deutschland sind britische Pubs ein Ort, an dem oft ganze Familien zusammenkommen. Viele bieten Programm wie Bingo-, Quiz- oder Karaoke-Abende an und werden auch für Familienfeiern gebucht.

Die Branche fordert niedrigere Mehrwertsteuersätze und Unternehmenssteuern. „Pubs sind ein wichtiger Teil unseres Erbes und unserer Gemeinschaften. Und der Verlust wird enorm sein, sowohl hinsichtlich der Arbeitsplätze, der Steuereinnahmen als auch der sozialen Auswirkungen“, warnte der Chefredakteur des „Morning Advertiser“, Ed Bedington. Er warf der Regierung vor, die Krise „entweder zu übersehen oder zu ignorieren“.

(Mit Material von dpa)



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