Hartgeld-Investor Walter Eichelburg sieht harte Zeiten voraus / Teil 2

Epoch Times28. Oktober 2008 Aktualisiert: 28. Oktober 2008 0:56
Zweiter Teil des aktuellen Interviews mit Walter K. Eichelburg, in dem er den Staatsbankrott Deutschlands bis Mitte 2009 kommen sieht und den Anlegern dazu rät, „raus aus dem System“ zu gehen.

Noch bis vor kurzem galt Walter K. Eichelburg mit seinen Prophezeiungen einer Weltwirtschaftskrise und Hyperinflation in vielen hoch entwickelten Industrieländern der Welt als Außenseiter. Schon Anfang 2007 druckte die Epoch Times Deutschland (damals „Neue Epoche“) ein Interview mit dem überzeugten Hartgeldinvestor ab. Seine Vorhersagen trafen ein, unter anderem über den Zusammenbruch der Hypothekenbanken Fannie Mae und Freddie Mac.

Epoch Times: Herr Eichelburg, die G-7-Staaten haben erst kürzlich die Parole „Jeder rettet sich selbst“ ausgegeben. Was halten Sie davon?

Walter K. Eichelburg: Damit wurde das Schicksal des Euro besiegelt. Sarkozy wollte einen Bail Out-Fonds (Anm.: Rettungspaket) für ganz Europa haben. Das wurde von Deutschland abgelehnt. Jeder muss sich um sich selbst kümmern. Die Banque AIG sagte schon vor Monaten voraus, dass die Eurozone möglicherweise auseinander fallen könnte, außer es gäbe eine Rettungsaktion in der Größenordnung, die den Zahlungen Deutschlands durch den Vertrag von Versailles gleichkommt.

Epoch Times: Die Rettungsaktion für die Eurozone hätte also nur von Deutschland angeführt werden können?

Eichelburg: Genau. Das hätte bedeutet, Deutschland soll den Bail-Out der anderen Länder bezahlen. Das werden sie aber nicht machen, denn sie haben genug eigene Probleme. Das hätte zur totalen Verarmung der deutschen Bevölkerung geführt. Das weiß die Politik auch. Vor mehreren Wochen wurde dieser Beschluss getroffen, dass jeder sich selbst retten muss. Irgendwann wird es da einen erwischen. Es wird sich zeigen, wer das ist, das kann auch ich nicht sagen. Es gab den Beschluss, dass die europäischen Staaten den Interbankenmarkt stützen sollen. Das ist recht kritisch, weil sich die Banken selbst nicht mehr trauen.

Es gibt ein entscheidendes Element, das ist der Goldpreis. Wenn es nicht mehr gelingt, den Goldpreis zu drücken-

Epoch Times: Was bedeutet es, den Goldpreis zu „drücken“?

Eichelburg: Gold ist das Barometer für die Gesundheit des gesamten Finanzsystems. Immer, wenn etwas passiert, geht der Goldpreis nach oben. Das haben wir gesehen bei der Bear Stearns-Krise, bei der Fannie Mae-Krise, da ist der Goldpreis auf über 1.000 Dollar gegangen.

Die Notenbanken drücken über Gold- und Derivatverkäufe schon lange auf den Goldpreis, um ihn unten zu halten. Das geht schon seit mehr als 15 Jahren so. Man will verhindern, dass das Kapital dort hineinfließt.

Epoch Times: Aber der Goldpreis befindet sich doch nahe seines Allzeithochs.

Eichelburg: Auf Dollar-Basis nicht, auf Euro-Basis schon. Wir stehen bei unter 800 Dollar, der Rekord lag über 1.000 Dollar je Unze. Es wird massiv und mit allen Mitteln gedrückt. Man sieht weltweit eine Flucht ins Gold. Gold und Silber ist in Unzen und Kleinbarren kaum mehr zu bekommen. Es gibt nichts mehr, speziell in den USA und in Deutschland.

Nach den Gesetzen des Marktes müsste hier der Preis massiv ansteigen. Das tut er aber nicht, er sinkt sogar. Also muss er gedrückt werden. Das ist ganz einfach. Man muss nur die Obrigkeitsgläubigkeit ablegen und den Hausverstand einschalten. Ich habe keinen MBA-Titel, ich bin Techniker. Man muss als Investor jedoch querdenken können.

Epoch Times: Wieso lagen Sie damit oft richtiger als andere?

Eichelburg: Der normale Kleinanleger – da gehören auch Fondsmanager und Banker dazu -, was machen die? Schauen Sie, investieren hat einen eingebauten Angstfaktor. Es ist riskant, das ist nun einmal so. Wenn das Risiko schlagend wird, dann verlieren sie Geld.

Das heißt, erst wenn die gesamte Umgebung sagt, dass eine gewisse Anlageform sicher ist, dann geht diese Investorengruppe dort hinein. „Ah, jetzt ist es sicher, jetzt können wir hineingehen.“ Dann ist allerdings nichts mehr drinnen. Die Kunst ist, vorauszuahnen, was wann steigen wird, hineinzugehen, und wenn die Masse einsteigt, auszusteigen.

Epoch Times: Was kann man derzeit als Investor machen?

Eichelburg: Aus dem Papier flüchten. Sehen Sie sich dieses Titelbild des Time-Magazins vom Sommer 2005 an (Anm.: Das Bild zeigt einen Mann, der ein Haus umarmt). Das war der Höhepunkt der US-Immobilienbanken, als die Leute tagelang vor den Verkaufslokalen campiert haben. Was haben die Medien gemacht? Sie haben darüber berichtet. Medien berichten über das, was gerade populär ist. Das ist ihr Job. Was kommt auf die Titelseite? Dinge, die die Masse ganz sicher interessieren werden. Das heißt, sobald so etwas erscheint, weiß jeder professionelle Investor: Er muss aussteigen.

Epoch Times: Warum agieren die meisten Anleger nicht so?

Eichelburg: Die Masse ist wie eine Herde, sie braucht einen Führer. Wer nicht querdenkt, macht keine Gewinne.

Epoch Times: Wie geht´s weiter?

Eichelburg: Binnen des nächsten Jahres werden die meisten Banken zusammenbrechen, und die Staaten auch. Die meisten Banken in der westlichen Welt wird das betreffen. Welche überleben, weiß ich nicht.

Epoch Times: Die meisten Banken und Staaten werden ihrer Meinung nach Mitte 2009 bankrott sein?

Eichelburg: Ja. Wie das aussieht, sieht man an Island. Ungarn und die Ukraine gehen ebenfalls bereits unter. Um bei Island zu bleiben: Die Währung ist bereits abgestürzt, die ist hinüber. Es gibt keine Importe mehr, die Supermärkte leeren sich bereits. Die Preise für Lebensmittel explodieren.

Der größte Teil der Bevölkerung, der große Kredite eingegangen ist, lebt weiterhin so. Die fahren noch immer mit ihren SUVs in Reykjavik herum und verweigern die Realität, ganz eindeutig.

Epoch Times: Und was wäre diese Realität?

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Eichelburg: Was kommen wird, ist massiver Hunger. Das Handelsblatt hat unlängst getitelt „Island – zurück zum Fisch“. Das stimmt. Das ist das einzige, was das Land hat und nicht importieren muss. Genauso wird es in allen anderen „Bubble“-Ländern: Spanien, England, Ungarn. Das Baltikum kracht ebenfalls bereits zusammen, auch die Ukraine kracht zusammen.

Ich glaube, dass es in Österreich und der Schweiz ein wenig besser sein wird, weil wir Industrie haben und nie diese übermäßigen Blasen hatten. Auch Nahrungsmittelindustrie. Spanien wird es brutal erwischen. Die fallen in die Dritte Welt hinunter. Das britische Imperium geht jetzt endgültig unter, das wird es vielleicht noch schlimmer erwischen als die USA, da hier die Finanzbranche noch wichtiger war als in den USA.

Epoch Times: Woran machen Sie diese doch eher gewagten Thesen fest?

Eichelburg: Das Pfund geht schon nach unten. Das war immer gleich vom Ablauf: Währungsabsturz, dann kann das Land nichts mehr importieren, dann wird es richtig hart. Es dauert natürlich eine gewisse Zeit, bis sich das wirklich so entwickelt hat. In Osteuropa ist es das gleiche.

Epoch Times: Warum trifft es gerade Osteuropa so stark?

Eichelburg: Das liegt an den Handelsbilanzdefiziten. Außerdem haben die Banken – vor allem die österreichischen – dort sehr viele Kredite hineingepresst. Die Leute wissen vielfach nicht mehr, dass sie diese Kredite auch zurückzahlen müssen. Der ungarische Forint musste bereits mit Stützungskäufen „gerettet“ werden. Die Banken in Österreich reißt es mit in den Abgrund, wenn in Osteuropa keiner seine Kredite zurückzahlt.

Epoch Times: Wie sieht es mit den deutschen Banken aus?

Eichelburg: Die werden ebenfalls zusammenkrachen. Das hat viele Gründe, die in Spanien, Osteuropa und vor allem in den USA liegen. Dort gibt es die stärksten Verluste für die deutschen Banken.

Der gesamte Welthandel bricht bereits ein, weil es keine Letters of Credit (Anm.: Kreditbriefe, die als Instrument zur Zahlungssicherung dienen) mehr gibt, oder fast keine.

Epoch Times: Das klingt nach einem Szenario schlimmer als in den Dreißiger Jahren.

Eichelburg: Ganz klar.

Epoch Times: Und das bedeutet aus Ihrer Sicht, dass eine Flucht ins Gold einsetzen wird?

Eichelburg: Kleine Länder, wo sollen sie hingehen? In den Euro können sie nicht, in den Dollar auch nicht, weil, aus diesen Währungen wollen sie ja raus. Also können sie nur noch in Gold und Silber gehen. Das heißt, rechnen sie mit einem Goldpreis, der mit 1.000 Dollar sehr billig ist. Bis 3.000 Dollar ist es noch immer billig. Wenn die Finanz-Titanic sinkt, wird man jeden Preis für die Rettungsboote bezahlen.

Die Zentralbanken und Regierungen versuchen alles, um das aufzuhalten. Das Problem ist, mit jedem Bail-Out geht der Staat auch mit unter. Island hat das gemacht, Ungarn auch.

Epoch Times: Aber Ungarn ist offiziell nicht bankrott.

Eichelburg: Noch nicht, aber wie gesagt, es wird wahrscheinlich nicht mehr allzu lange dauern. Schauen Sie, alle wehren sich bis zum letzten Moment, dann geben sie es zu. Die Währungen sind in Wirklichkeit alle Toilettenpapier, auch der Schweizer Franken. Der hat nur eine dritte Lage. Wie in den Dreißiger Jahren.

Da besteht auch der Unterschied zwischen mir und den Bankern und Ökonomen – die haben alle ein berufliches Interesse daran. Man darf den Bankern und Politikern nicht trauen. Die Leute werden belogen bis zum letzten Moment.

Epoch Times: Könnte das nicht auch umgekehrt sein? Warum sollte das gerade jetzt besonders schlimm sein?

Eichelburg: Das ist bei jeder Krise so. Immer. Und dann kommt der Tag der Abrechnung. Dann wird die Volkswut unglaublich sein, denn das Volk wird alles verlieren, was es hat.

Epoch Times: Wenn dieses Szenario wirklich eintritt, gibt es irgendeinen Ausweg für den Einzelnen?

Eichelburg: Sie müssen komplett „raus aus dem System“. Es gibt nur drei Sachen, in die man investieren kann. Erstens Gold und Silber – das neue Geld. Zweitens Energie – ideal wäre die eigene Ölquelle, keine von Krediten abhängige und staatlich geförderte Energie wie Photovoltaik und Windenergie. Wald und Kohlegruben wären auch interessant. Und drittens, die einzigen interessanten Immobilien – alle anderen kann man vergessen, die sind dann wie Anleihen nichts mehr wert – sind kleine bis mittlere Bauernhöfe. Wenn die Währungen nichts mehr wert sind, können Sie nicht mehr importieren. Dann müssen Sie produzieren. Also auf Agrarflächen setzen, nicht zur Spekulation, sondern zur Produktion. Die Kleingärten werden auch wieder kommen.

Teil 1: https://www.epochtimes.de/wirtschaft/hartgeld-investor-walter-eichelburg-sieht-harte-zeiten-voraus-a356394.html

Das Interview führte Florian Godovits.