Die Benzinpreise sinken, Diesel nahezu unverändert.
Eine Tankstelle in Dortmund. Symbolbild.Foto: INA FASSBENDER/AFP via Getty Images

Sinkende Benzinpreise: Keine Entspannung auf lange Sicht

Von 3. August 2022 Aktualisiert: 3. August 2022 20:14
Autofahrer mit Benzinern können wieder zu günstigeren Preisen tanken. Grund zur Entspannung sieht der ADAC allerdings nicht. Sobald die temporäre Steuersenkung endet, werde es wieder einen enormen Preisanstieg geben. Der Liter Benzin kostet derzeit im Bundesdurchschnitt 1,75 Euro, der Liter Diesel 1,93 Euro.

Superbenzin der Sorte E10 liegt wieder auf dem Niveau vor Beginn des Ukrainekrieges, wie aus Zahlen des ADAC am Mittwoch hervorgeht. Ein Liter kostete im bundesweiten Durchschnitt am Dienstag 1,75 Euro und damit 1,8 Cent weniger als in der Vorwoche, sagte ein ADAC-Sprecher am Mittwoch gegenüber der Nachrichtenagentur dts.

Diesel verbilligte sich im gleichen Zeitraum allerdings nur um 0,1 Cent auf 1,927 Euro pro Liter, so die offizielle ADAC-Auswertung. In der Vorwoche war Super E10 noch 3,9 Cent günstiger geworden, Diesel-Kraftstoff fiel um 3,5 Cent auf 1,928 Euro je Liter.

Vom Vorkrisenniveau ist Diesel damit noch weit entfernt. „Bei Diesel sieht es an der Tankstelle weitaus dramatischer aus“, sagt Kraftstoffmarkt-Experte Jürgen Albrecht. Am 23. Februar hatte der Kraftstoff noch 1,663 Euro je Liter gekostet. In den Wochen nach Kriegsbeginn verteuerte sich Diesel viel stärker als E10 und überholte es im Preis.

Unmittelbar vor Einführung des sogenannten „Tankrabatts“ hatten die Benzinpreise mit 2,151 Euro pro Liter Super E10 ein Rekordhoch erreicht, danach wurde es fast kontinuierlich günstiger. Diesel kostete Ende Mai 2,044 Euro pro Liter und hat sich seitdem deutlich weniger bewegt, Mitte Juni war er sogar kurzzeitig teurer als vor dem „Tankrabatt“.

Für E10 war es auf Wochensicht der achte Preisrückgang in Folge. Die Dieselpreise sind zwar ebenfalls gesunken, allerdings mit zwischenzeitlicher Stagnation oder sogar leichten Anstiegen auf Wochensicht. Die 1,75 Euro für E10 am Dienstag waren der zweitniedrigste Tagespreis seit Anfang März. Am Sonntag war der Kraftstoff mit 1,748 Euro pro Liter bereits minimal billiger.

Niedrige Preise kein Grund für Entspannung

Trotz des aktuellen Rückgangs sieht der ADAC keinen Grund für Entwarnung: „Wir haben nur auf den ersten Blick eine Entspannung, sondern vielmehr ein dramatisch hohes Preisniveau, wenn man den Steuerrabatt herausrechnet“, sagt Albrecht. Die temporäre Steuersenkung sei der einzige Grund, dass man überhaupt unter 2 Euro liege. „Und man muss ja damit rechnen, dass sie planmäßig endet und es dann zu einer vollständigen Weitergabe der Preissteigerung kommt“, warnt er. Der Steuernachlass von 35,2 Cent pro Liter Superbenzin und 16,7 Cent pro Liter Diesel gilt im Juni, Juli und August.

Als Gegenmittel für die hohen Preise – auch mit Blick auf die Zeit nach dem Auslaufen des Steuerrabatts, fehlt laut Albrecht vor allem eines: „Was wir brauchen, ist mehr Wettbewerb. Der scheint sich auf den vorgelagerten Stufen der Wertschöpfungskette aber nicht einzustellen. Sonst wären die Margen in den Raffinerien nicht so beispiellos hoch wie derzeit und würden nicht noch weiter steigen“, sagt er. Hier hofft der ADAC unter anderem auf die Ergebnisse der laufenden Untersuchung des Marktes durch das Bundeskartellamt.

Weniger Spritverbrauch durch hohe Benzinpreise?

In den ersten Monaten des Ukrainekrieges erhöhten sich die Spritpreise wie nie zuvor und es wurde deutlich weniger Sprit ausgeliefert als in den Jahren vor Corona 2018 und 2019. Darauf deutet eine Auswertung der amtlichen Mineralöldaten des Bundesamtes für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) für die Frühlingsmonate März, April und Mai hin. Der Spritverbrauch stagniert klar unter dem Vor-Pandemie-Niveau. Die amtliche Statistik zeigt einen Rückgang von mehr als 10 Prozent bei den Inlandsablieferungen.

Gegenüber den ersten beiden Corona-Jahren ist die Entwicklung anders: So ist der Dieselverbrauch in den Frühlingsmonaten der Jahre 2020 bis 2022 zwar klar unter den Vor-Pandemie-Werten, aber von Jahr zu Jahr relativ konstant. Bei Benzin liegen 2021 und 2022 eng beisammen, 2020 fällt aber deutlich darunter.

Die Daten des Bafa zeigen nicht die direkt getankte Menge, sondern die Auslieferung von Kraftstoff. Eine grobe Aussage über das Tankverhalten erlauben sie dennoch, da dieses die Nachbestellungen durch die Tankstellen beeinflusst.

Konkret wurden von März bis Mai 2022 gut 4 Millionen Tonnen Benzin und knapp 8,4 Millionen Tonnen Diesel ausgeliefert. 2019 waren es im gleichen Zeitraum noch 4,5 Millionen und 9,5 Millionen Tonnen.

Gründe für niedrige Nachfrage unklar

Aus den Daten geht nicht hervor, warum die Kraftstoffnachfrage im laufenden Jahr trotz deutlich geringerer Corona-Beschränkungen nicht wieder anzog. Allerdings liegt insbesondere bei Benzin ein Zusammenhang mit den hohen Preisen nahe, da die meisten Menschen Privatauto fahren und Benzin tanken. Bei Diesel könnte sich dagegen auch der Teilemangel in der Wirtschaft niederschlagen.

„Die Interpretation ist schwierig, weil es im Moment zu wenig Zahlen gibt und verschiedene Einflussfaktoren wirken“, sagt Albrecht. Auch er hält einen Zusammenhang mit den Preisen aber für plausibel: „Der Preisanstieg war absolut beispiellos und hat auch noch auf einem sehr hohen Startniveau aufgesetzt. Wenn das nicht zumindest kurzfristig verhaltensändernd wirkt, was dann?“

Normalerweise reagiere die Nachfrage an der Tankstelle sonst eher wenig auf die Preise, weil Autofahrer „oft keine Wahl haben“, sagt Albrecht. Diesmal sei der Preisausschlag allerdings viel stärker und sehr viel schneller gewesen. Das habe einen Effekt haben müssen.

Grundsätzlich sei die niedrigere Nachfrage aber gut, weil sie Druck auf die Preise erzeuge, sagt der Experte. „Das ist die Sprache, die die Anbieter verstehen. Und der Preis ist auch jetzt noch deutlich zu hoch – da wäre also Spielraum nach unten. Dabei hilft auch bewusstes Tanken – abends, wenn es billiger ist und bei günstigen Tankstellen.“

Diesel- und Benzinpreise im Ausland

In Polen kostet der Liter Benzin derzeit durchschnittlich 1,55 Euro, der Liter Diesel 1,60 Euro. Die Benzinpreise in Tschechien sind im Vergleich zu Deutschland rund 13 Cent teurer. Diesel kostet in Tschechien hingegen vier Cent weniger. Auch in Österreich (2,00 Euro pro Liter), Frankreich (1,92 Euro pro Liter) und Italien (1,94 Euro pro Liter) sind die Benzinpreise derzeit höher als in Deutschland. Die Dieselpreise unterscheiden sich nur gering.

(Mit Material der Nachrichtenagenturen)



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