Max-Planck-Forscher: „Die Grundidee der Energiewende ist absolut unsinnig“

Unseren Energiebedarf mit Windrädern und Solaranlagen zu decken, sei schlicht unmöglich, erklärt der Chemiker Professor Robert Schlögl, Direktor am Berliner Fritz-Haber-Institut der Max-Planck-Gesellschaft in einem Interview mit der „Welt“.

Die Energiewende, so wie sie allgemein dargestellt wird – nämlich dass Deutschland energieautark werden will – ist laut Professor Robert Schlögl, Direktor am Berliner Fritz-Haber-Institut der Max-Planck-Gesellschaft, unsinnig.

Unseren Energiebedarf mit Windrädern und Solaranlagen zu decken, sei schlicht unmöglich, erklärt der Chemiker in einem Interview gegenüber der „Welt“.

Deutschland importiere heute 80 Prozent seiner Energie aus dem Ausland und das wird sich voraussichtlich in Zukunft nicht wesentlich ändern, ist sich der Forscher sicher.

Für ihn liegt die Zukunft in transportierbaren und weltweit handelbaren erneuerbaren Energien wie den synthetischen Kraftstoffen.

Wind- und Sonnenenergie unterliegt hohen Schwankungen

Denn die Wind- und Sonnenenergie unterliege wetterbedingt hohen Schwankungen. Daher wären große Änderungen im System der elektrischen Energieversorgung erforderlich. Zudem lässt sich die Energie nicht so einfach speichern, um die Schwankungen auszugleichen.

Batterien hätten bezogen auf ihr Gewicht noch immer eine sehr kleine Kapazität. Außerdem wären sie teuer und hätten eine recht begrenzte Lebensdauer, erklärt der Chemiker.

Diesel-elektrische Antriebe betrieben mit synthetischen Kraftstoffen

Synthetische Kraftstoffe sollten möglichst kleine besondere Verbrennungsmotoren antreiben,  die über eine Turbine einer Batterie die Leistung geben, die sie braucht, um Elektromotoren, die die eigentlichen Antriebsmotoren sind, anzutreiben. Dadurch könne die Batterie kleiner sein als bei reinen Elektrofahrzeugen, und die beim Bremsen zurückgewonnene Energie könnte wieder durch die Batterie aufgenommen werden, erklärt der Chemiker.

Diese Kombination von Motoren (Diesel-elektrischer Antrieb), „würde heute schon überall eingesetzt – in jeder Diesellok, im Bagger, bei Azipod-Schiffsantrieben und bei praktisch allen großen Maschinen. Sogar Panzer werden von Elektromotoren angetrieben“, so Schlögl.

Aber was ist mit Wasserstoff? Wasserstoff hat Vorteile. Es ist leicht verfügbar. Überall gibt es Wasser, aus dem Wasserstoff gewonnen werden kann. Und überall gibt es Sauerstoff, den man zum Verbrennen von Wasserstoff braucht.

Niedrige Energiedichte von Wasserstoff ist problematisch

Doch es gibt auch ein Problem, erklärt der Chemiker, und zwar seine niedrige Energiedichte. Es müsse viel Energie aufgewendet werden, um Wasserstoff hinreichend zu verdichten. Daher sei der Transport und die Speicherung von Hochdruck-Wasserstoff keine ganz einfache Sache, so der Forscher. Der Umgang mit diesem Hochdruck-Wasserstoff-Gas wäre jedoch trotz wunderbarer Sicherheitstechnik nicht ganz ungefährlich, berichtet Schlögl.

Wasserstoff sollte man deshalb, wenn man ihn als Energieträger nutzen will, an ein Trägeratom oder -molekül binden“, erklärt Schlögl.

Und er berichtet, dass es vor rund 20 Jahren Forschern der Firma Toyota gelungen sei, dieses Prinzip in die Welt der Technik zu übertragen. In einer Flüssigkeit namens Dibenzyltoluol konnten sie Wasserstoff mit einer großen Energiedichte speichern. Ohne diese Technik hätte man sonst einen Druck von 700 bar benötigt, so der Institutsleiter.

In Flüssigkeiten chemisch gespeicherter Wasserstoff ist zweifelsohne eine Option für diverse Anwendungen.“

Im Straßen- oder Flugverkehr jedoch hält Schlögl synthetische Kraftstoffe für überlegen.

Europa könnte bei der Produktion von synthetischen Kraftstoffen aktiver sein

Er befürwortet, dass Europa in Sachen Produktion von synthetischen Kraftstoffen aktiver wird, in Ländern wie Spanien oder Griechenland könnte man die Sonne zur Produktion synthetischer Treibstoffe nutzen.

In Saudi-Arabien würde man schon in großem Maßstab Wasser thermisch spalten und so Wasserstoff gewinnen. Dieser würde dann mit CO2 aus Erdgasquellen zu synthetischen Treibstoffen verarbeitet.

Auch China will mit seinem „Liquid Sunshine“-Projekt ganz groß in dieses Geschäft einsteigen“, erklärt der Wissenschaftler.

Da würde es um Anlagen, die im 100-Millionen-Tonnen-Maßstab Kraftstoffe produzieren sollen, gehen, die man dann exportieren kann. In Europa gebe es keine solche Aktivitäten, stellt der Chemiker fest.

In Südeuropa gibt es genug Sonnenenergie, die nicht lokal gebraucht wird, um ausreichende erhebliche Mengen an synthetischen Kraftstoffen zu produzieren. So könnte man sich aus der Abhängigkeit von nicht-europäischen Ländern stärker befreien. (er)

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