Studie: Coronavirus könnte auch das Nervensystem schädigen

Epoch Times11. April 2020 Aktualisiert: 11. April 2020 12:26
Vom Sars- und vom Mers-Erreger war bereits bekannt, dass sie Schädigungen des Nervensystems bewirken können. Analysen zeigen, dass das auch beim neuen Coronavirus der Fall ist. Eine mögliche Folge könnte plötzlicher Atemstillstand sein.

Eine Infektion mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 kann sich nicht nur mit Fieber, Husten und Atembeschwerden äußern, sondern auch neurologische Symptome verursachen.

Das ist das Ergebnis einer Studie chinesischer Wissenschaftler mit Patienten in Wuhan, dem Epizentrum der Pandemie, von dem aus sich das Virus weltweit ausbreitete. Wie die Mediziner im Fachblatt „JAMA Neurology“ berichten, zeigte ein gutes Drittel der von ihnen untersuchten 214 Patienten Anzeichen dafür, dass das Virus das Nervensystem geschädigt hatte. Zu den häufigsten Symptomen gehörten Schwindel und Kopfschmerzen sowie Riech- und Geschmacksstörungen.

In den vergangenen Tagen hatten sich bereits Berichte darüber gehäuft, dass Corona-Patienten zumindest zeitweise ihren Geruchs- und Geschmackssinn verloren. Diese Symptome deuteten darauf hin, dass das Gehirn beteiligt sei, sagte der Infektiologe Bernd Salzberger vom Universitätsklinikum Regensburg. „Es gibt bisher aber nur ganz wenige Untersuchungen am Gehirn von Corona-Patienten. Da tappen wir noch im Dunkeln.“

Auch die aktuelle Studie aus Wuhan stützt sich lediglich auf die Auswertung der entsprechenden Patientenakten, Laborbefunde und radiologischen Untersuchungen für die 214 Studienteilnehmer mit einer nachgewiesenen Covid-19-Erkrankung. Wie das Team um den Neurologen Ling Mao von der Huazhong University of Science and Technology berichtet, zeigten 78 (36,4 Prozent) von ihnen neurologische Manifestationen, die sich umso schwerwiegender äußerten, je gravierender die COVID-Erkrankung insgesamt war.

Am häufigsten beobachteten die Mediziner Schwindel (36 Patienten, 16,8 Prozent) und Kopfschmerzen (28 Patienten, 13,1 Prozent). Zudem kam es bei zwölf Patienten (5,6 Prozent) zu Geschmacksstörungen und bei elf Patienten (5,1 Prozent) zu Störungen des Geruchssinns. Sechs Patienten (2,8 Prozent) erlitten einen Schlaganfall.

Studie der Universität Kalifornien

In einem unabhängigen Editorial zur Studie teilen die Neurologen Samuel Pleasure, Ari Green und Andrew Josephson von der Universität von Kalifornien diese Manifestationen in spezifische Symptome (Verlust von Geruchs- oder Geschmackssinn, Muskelschwächen und Schlaganfälle) und unspezifische Symptome (Kopfschmerzen, Bewusstseinsstörungen, Schwindel und Krampfanfälle) ein. Gerade bei den unspezifischen Symptomen bleibe unklar, ob diese Ausdruck der Krankheit selbst seien oder Teil einer systemischen Entzündungsreaktion bei Patienten, die bereits sehr krank waren. Diese Frage müssten künftige Studien untersuchen.

„Wichtig ist, dass die Autoren herausfanden, dass die von ihnen untersuchten Patienten mit einigen der häufigsten spezifischen Symptome einschließlich Geruchs- oder Geschmacksstörungen und Muskelerkrankungen dazu neigten, diese Symptome zu Beginn ihres klinischen Verlaufs zu haben“, erläutern die drei Neurologen. Dies unterscheide sich deutlich von den neurologischen Manifestationen bei den Sars-Infektionen 2002/2003, die ebenfalls von einem Coronavirus ausgelöst wurden.

Tatsächlich ist von Sars und auch Mers – ebenfalls eine auf einen Coronavirus zurückgehende Erkrankung – bekannt, dass sie Schädigungen des Nervensystems bewirken können. Für beide Infektionen wurde experimentell belegt, dass das Virus über die Riechnerven in der Nasenhöhle ins Gehirn eintreten kann.

Atemstillstand aufgrund neurologischer Schäden?

Im Fall von COVID-19 wird nun diskutiert, ob etwa ein Atemstillstand auch Resultat neurologischer Schäden sein könnte – beispielsweise bei einer Entzündung des Hirnstamms, wo auch die Steuerung für das Herz-Kreislauf-System und die Atemwege sitzt. Aus neurologischer Sicht sei es wichtig, abzuklären, wie viele der schweren Krankheitsverläufe durch die Mitbeteiligung des zentralen Nervensystems ausgelöst werden, bemerkt etwa Peter Berlit, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Neurologie.

Angesichts der aktuellen chinesischen Studie sehen die Mediziner Pleasure, Green und Josephson in ihrem Editorial Neurologen künftig „an vorderster Front der Pandemie“. Die Autoren der Untersuchung erachten es vor allem für wichtig, dass Ärzte bei Patienten mit entsprechenden neurologischen Symptomen auch eine COVID-19-Infektion in Betracht ziehen, „um eine verzögerte Diagnose oder Fehldiagnose zu vermeiden und eine weitere Übertragung zu verhindern“. (dpa)

 

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