Göttinger Doppelmord: Polizei gibt Pressekonferenz – Tatablauf, Fahndungsverlauf und Festnahme im Detail

Von 28. September 2019 Aktualisiert: 28. September 2019 19:34
Eineinhalb Tage war Frank Naaß nach einem schrecklichen Doppelmord in Göttingen auf der Flucht. SEK, Hunde, Polizeihubschrauber und zahlreiche Polizeibeamte waren auf der Suche nach dem Mann. Schließlich gelang es einer Zivilstreife aus drei Polizisten, den Gewaltverbrecher mit Hilfe von Passanten zu überwältigen.

Die fieberhafte Fahndung nach dem Doppelmörder von Göttingen ist zu Ende. Gewaltverbrecher Frank Naaß (52) wurde Freitagnacht,27. September, in der Göttinger Innenstadt festgenommen. Laut dem Vize-Polizeichef von Göttingen wurde mit 200 Polizisten nach dem Mann gefahndet. Außerdem wurden Spezialkräfte des SEK, MEK, der Bundes- und der Bereitschaftspolizei eingesetzt, sowie Berater des LKA, Spezialhundeführer und Polizeihubschrauber.

Am Samstagnachmittag hielt die Polizeidirektion Göttingen eine Pressekonferenz ab.

In der Einleitung der Pressekonferenz sagte der Vize-Polizeipräsident, dass der Täter am Donnerstag, gegen 13 Uhr, in der Straße Zollstock in Göttingen seine Bekannte „auf abscheuliche Art und Weise und mit außergewöhnlicher Gewaltanwendung getötet zu haben.“

(Gerd Lewin, Polizeivizepräsident von Göttingen)

Bei der Attacke wurden drei weitere Personen durch das eingesetzte Messer verletzt. Eine davon, eine Frau, verstarb am Freitagabend an ihren schweren Verletzungen, so Lewin.

Großfahndung nach Frank N.

Bereits am Freitagmorgen wurde der Mann in einem Metronom-Zug in Elze von Reisenden erkannt. Eine Zugbegleiterin räumte das Abteil und schloss Frank N. darin ein. Zugleich wurde die Bundespolizei alarmiert. Als dem Täter die Situation merkwürdig vorkam, schlug er mit einem Nothammer die Scheibe ein und flüchtete zu Fuß, sein Fahrrad im Zug zurücklassend.

Nach einem Besuch bei einem Rechtsanwalt in Hannover gelang es dem Gesuchten vermutlich mit dem Zug nach Göttingen zurückzukehren. Immer wieder rief er mit Handys die Polizei an. Diese hatte er sich wegen angeblicher Familienangelegenheiten von Passanten und laut Polizeivize Lewin auf freundliche und ruhige Art geliehen, vermutlich, um einer Ortung zu entgehen. Inhaltlich ging es um den Gesundheitszustand der 44-jährigen Bekannten. Die Polizei täuschte ihm vor, dass die Frau am Leben sei, um weiterhin in Kontakt mit ihm zu bleiben.

Die Festnahme des gesuchten Doppelmörders wurde gegen 23 Uhr in Göttingen in der Innenstadt vorgenommen. Nach einem Hinweis aus der Bevölkerung wurde die Polizei über die Anwesenheit von Frank N. in einem Döner-Schnellrestaurant an der Weender Straße in Höhe der Einmündung zur Reitstallstraße informiert:

Laut dem Göttinger Polizeidirektor Thomas Rath verließ Naaß dann das Restaurant und erkannte einen der Zivilpolizisten an seiner Dienstwaffe. Daraufhin versuchte er zu flüchten, wurde aber von einer den Fluchtweg taktisch abschneidenden Polizeibeamtin aufgehalten und von einem stämmigen Polizisten, der sich ihm von hinten genähert hatte, überwältigt. Bei dem anschließenden Kampf mit Schlägen und Tritten wurde die Zivilpolizistin leicht verletzt. Bei der Festnahme des gefährlichen Doppelmörders wurde die Polizei auch noch durch anwesende Bürger unterstützt. Laut Polizei war er bei seiner Festnahme unbewaffnet.

Tathergang, Donnerstag, 13 Uhr

Auf die Frage eines Journalisten, ob es wahr sei, dass die 44-jährige ermordete Frau die Ehefrau eines Nordheimer Fußballspielers sei, wich die Polizeiführung aus, mit Verweis auf persönliche Daten und verwendete explizit den Begriff „Bekannte“. Jedoch wurde gesagt, dass sich Naaß offenbar von der Frau mehr erhofft hatte. Nach aktuellem Ermittlungsstand hatte der 52-Jährige der Frau an ihrer Arbeitsstelle aufgelauert, sie mit Brandbeschleuniger übergossen und sie angebrannt.

Dann rannte er der flüchtenden Frau hinterher und stach sie mehrfach nieder. Als ihr Kollegen zu Hilfe eilten, spritzte Naaß erneut Brandbeschleuniger über die Frau, stach einer 57-jährigen helfenden Kollegin der Frau dreimal in den Rücken, entriss einem anderen Helfer den Feuerlöscher und schlug der attackierten 44-jährigen Bekannten damit mehrfach massiv auf den Kopf.

Tage zuvor: Gefährderansprache

Auf Nachfrage einer Journalistin wurde auch bekannt, dass der ledige Gelegenheitsarbeiter Frank Naaß bereits am 20. September die ihm seit eineinhalb Jahren bekannte 44-Jährige aufgesucht hatte und auf ihrem Balkon randalierte. Ein persönliches Aufeinandertreffen mit Gewalt fand zu diesem Zeitpunkt nicht statt. Die Polizei machte Frank Naaß daraufhin eine intensive Gefährderansprache und erteilte einen Platzverweis. Naaß zeigte sich den Beamten gegenüber einsichtig.

Laut Oberstaatsanwalt Frank-Michael Laue wurde der Haftbefehl auf Mord in zwei Fällen ausgestellt und zeigte niedere Beweggründe und eine Verdeckungsabsicht in beiden Fällen. Frank Naaß äußerte sich bisher nicht zu den Taten.

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